Interview

„Die Fusion war ein Kraftakt“

Seit Mai sind bei Bilfinger der Welser Industrieanlagenbau und das Linzer Instandhaltungsgeschäft fusioniert. Friedrich Schneider, vorsitzender Geschäftsführer des neu geschaffenen Gemeinschaftsunternehmens, erklärt, warum die Vereinheitlichung der Tarifstruktur das heißeste Eisen der Zusammenlegung war.

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Bilfinger Fusion Instandhaltung Anlagenbau Friedrich Schneider

Herr Schneider, wenn wir Ihnen Routine bei Unternehmenszusammenlegungen nachsagen, ist das keine Übertreibung. Blicken wir nach Holland: Dort waren Sie bis 2014 Vorstandsmitglied beim Ingenieurdienstleister Arcadis. Da ging es gleich mal tief ins Fusionsgeschäft.

Friedrich Schneider Die Aufgabe war, acht Landesgesellschaften in eine europäische Organisation zu fusionieren und dafür ein Managementteam aufzustellen. Die Situation ist nicht ganz unähnlich zu Bilfinger, wo wir vier Gesellschaften innerhalb Österreichs organisatorisch und gesellschaftsrechtlich fusionierten.

Der Industrieanlagenbau der ehemaligen VAM und das Instandhaltungsgeschäft von Chemserv sind jetzt unter einem Dach. Wo sehen Sie Synergien?

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Schneider Die Stoßrichung ist, uns im Servicegeschäft breiter aufzustellen. Bisher lautete die industrielle Logik, Kunden umfassend bei Industrieservices und der Instandhaltung sowie großen Shutdowns, Erweiterungen oder Retrofits zu bedienen. Dazwischen gab es alle möglichen Spielarten von kleineren Projekten in der Größenordnung von einer Dreiviertelmillion bis einer Million Euro, für deren Abwicklung es der Chemserv ohne starkes Engineering und Erfahrung im Projektgeschäft ganz einfach an Ressourcen mangelte. Solche Projekte wurden bisher gar nicht erst adressiert, sollen künftig aber zum Wachstum von jährlich fünf bis sieben Prozent beitragen.

Die Welser Anlagenbausparte erweitert daher das Leistungsspektrum.

Schneider Sie bringt die Projektseite mit. Da sitzen 130 Mitarbeiter im Ingenieursbüro. Davon zwei oder drei Mann für Projekte in der Instandhaltung abzustellen, ist überhaupt kein Thema. Und eine prima Ergänzung für das Maintenance-Team, das jede Schraube einer Anlage kennt. Projekte lassen sich mit Leuten, die auf der Anlage zu Hause sind, wesentlich effektiver abwickeln, als wenn die Anlage nur kurz besichtigt worden ist. Und natürlich ist es immer angenehm, in so einem Projekt dann nicht nur mit einem kompetenten, sondern auch kapitalkräftigen Partner am Tisch zu sitzen. Etwa bei Haftungsfragen. Da ist Bilfinger eine andere Hausnummer als ein kleiner Mittelständler.

Was heißt das alles für die Organisationsform?

Schneider Wir haben weiterhin eine Gliederung in Profitcenter, nur sind es mit der Fusion nun insgesamt acht. Die werden direkt und unmittelbar geführt, die Kunst ist aber, dass die Einzelleitungen möglichst effizient miteinander zusammenspielen.

Abteilungen wurden zusammengelegt.

Schneider Teils haben wir die Zuschnitte operativ belassen, wie sie waren, ein paar wurden verändert. Das Chemieparkgeschäft wurde am neuen Standort zusammengefasst, das Geschäft außerhalb des Chemieparks, das Prozessanlagen, Chemie, Stahl, Petrochemie und Pharmazie umfasst, haben wir in ein weiteres Profitcenter gegeben. Die Folge sind nun weniger Überlappungen im Geschäft und bei Kunden. Überschneidungen gibt es nur dort, wo sie auch Sinn machen.

Friedrich Schneider, 57, ist seit Dezember vorsitzender Geschäftsführer des auf Instandhaltung und Industrieanlagenbau spezialisierten Bilfinger Industrial Services mit Sitz in Linz. In der mit Mai formal abgeschlossenen Fusion sind die bisherigen österreichischen Bilfinger-Gesellschaften Chemserv, VAM, Standortservice und Shared Services zu einem zusammengefasst. Das 2.000-Mitarbeiter-Unternehmen erzielt einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Schneider, ein promovierter Volkswirt, der aus Krefeld nahe bei Düsseldorf nach Linz einpendelt, hat Erfahrung mit Fusionen: Von 2006 bis 2014 war er Vorstandsmitglied für das Engineering-Unternehmen Arcadis, zuletzt war er COO beim Anlagenbauer M+W Group (heute Exyte).

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