Autoindustrie

Der Streit bei Fiat in Serbien spitzt sich zu

Serbiens Regierungsvertreter schlagen Alarm: Seit Wochen beherrscht ein Streik das Werk von Fiat in Kragujevac, dem größten Industriestandort des Landes. Viele tausend Arbeitsplätze sind gefährdet. Falls in wenigen Stunden keine Verhandlungen beginnen, werde ein "Exit-Szenario" starten, heißt es in Belgrad.

Serbiens Regierungsvertreter schlagen Alarm. Der seit dem 27. Juni anhaltende Streik bei der Fiat-Chrysler-Tochter in Kragujevac würde etwa 10.000 Stellen gefährden. Laut heutigen Medienberichten geht es nicht nur um rund 2.000 Beschäftigte bei dem serbischen Wagenproduzenten, sondern auch jene bei heimischen Lieferanten, mehrheitlich mittleren und kleinen Unternehmen.

Befürchtungen um Verlegung der Produktion aus Serbien nach Polen

Sollten die Streikenden in den nächsten 72 Stunden nicht mit der Fiat-Chrysler-Geschäftsführung Verhandlungen aufnehmen, würden die Italiener ihre Auswegstrategie aktivieren, berichtete die Tageszeitung "Blic" unter Berufung auf Regierungskreise.

Medien spekulierten in der Vorwoche, dass Fiat-Chrysler in einem solchen Fall die Produktion aus Serbien nach Polen verlagern dürfte: Fiat könnte sein Werk in Serbien schließen >>

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Der mit der einstigen serbischen Regierung unterzeichnete Vertrag läuft noch bis 2018.

300 Euro Monatslohn - Arbeiter fordern mehr

Die streikenden Mitarbeiter der Fiat-Chrysler-Tochter fordern eine Steigerung des Durchschnittslohns von 38.000 Dinar (316 Euro) auf 50.000 Dinar (416 Euro). Die italienische Geschäftsführung des Unternehmens verlangt ihrerseits einen Stopp der Streiks, um die Verhandlungen mit den Beschäftigten überhaupt aufzunehmen. Auch die jüngsten Bemühungen von Ministerpräsidentin Ana Brnabic, im Streik zu vermitteln, bleiben bisher erfolglos. Mehr dazu hier: Streik bei Fiat in Serbien: Serbiens Regierungschefin vermittelt >>

 

Zastava: In den 1990er Jahren arbeitete Porsche mit

Einst war der jugoslawische und später serbische Hersteller Zastava ein international exportierender Autobauer, der seit den 1950er Jahren Fahrzeuge in Lizenz von Fiat und später als eigene Entwicklung fertigte und einige Modelle nach Westeuropa und in die USA verkaufte.

Eines dieser Modelle war etwa der seit 1981 verkaufte "Zastava Yugo 45". In den 1990er Jahren beteiligten sich der deutsche Sportwagenbauer Porsche und der Zulieferer Bosch an der Weiterentwicklung des Motors.

An der Überarbeitung des Designs beteiligte sich sogar der legendäre italienische Autodesigner Giorgetto Giugiaro, der die Originalformen des ersten Volkswagen Golf entworfen hat. Doch zur Serienfertigung des neuen Zastava Yugo sollte es so bald nicht mehr kommen.

Nach dem Ausbruch des Krieges im ehemaligen Jugoslawien kamen zuerst Produktionsverzögerungen, weil der "Yugo" ein echtes Produkt "made in Yugoslavia" war - mit der Herstellung von Komponenten im ganzen Land, vor allem aber in Kroatien und Slowenien. Dann kam das Handelsembargo gegen Serbien. Schließlich zerstörte ein Luftangriff, der eigentlich Zastavas Waffenproduktion direkt nebenan treffen sollte, die Autoproduktion fast vollständig.

Als der Krieg zu Ende war, produzierte Zastava die Autos ab 2000 weiter - erreichte jedoch nur einen Bruchteil seiner früheren Produktionszahlen.

Fiat steigt 2008 ein - Standort ist heute 930 Millionen Euro wert

Im Jahr 2008 übernahm Fiat die Mehrheit am Autobauer. Der italienische Konzern hält seither einen Anteil von 67 Prozent. Die anderen 33 Prozent des Werkes sind weiterhin im staatlichen Besitz.

Die beiden Eigentümer hatten entsprechend ihrer Beteiligungshöhe insgesamt 1,3 Milliarden Euro in die Modernisierung des Betriebs investiert. Der mit der einstigen serbischen Regierung unterzeichnete Vertrag läuft noch bis 2018. Im Vorjahr lag der Wert des Standortes in Zastava bei über 930 Millionen Euro.

(pm/apa)

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