Autoindustrie

BMW rechnet mit Flaute und fordert Staatshilfen - doch die Dividende bleibt

BMW habe sich gut durch die Krise geschlagen, die Aussichten für das laufende Jahr bleiben aber "düster", so Konzernchef Oliver Zipse. Obwohl der Gewinn eingebrochen ist und BMW jetzt Kaufprämien aus Steuergeldern fordert, soll die Dividende für Aktionäre bleiben.

BMW-Chef Oliver Zipse hat die Aktionäre des deutschen Autobauers auf ein weiterhin schwieriges Jahr eingestellt. "Die Prognosen für 2020 sind düster", sagte Zipse am Donnerstag auf der digitalen Hauptversammlung des Konzerns. "Die Auswirkungen der Coronapandemie kommen on-top zur Transformation der Antriebstechnologien" und "werden die Konsolidierung unserer Branche beschleunigen", warnte er. Zugleich verteidigte er die geplante Dividende des Konzerns.

Kräftiges Absatzplus in China relativ zu sehen

Trotz kräftiger Zuwächse in China dämpft BMW Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Automärkte im Rest der Welt. Im April habe BMW in China als seinem größten Einzelmarkt fast 14 Prozent mehr Fahrzeuge ausgeliefert als ein Jahr zuvor, sagte Vorstandschef Oliver Zipse laut Redemanuskript auf der Online-Hauptversammlung am Donnerstag. Anderswo jedoch sehe es düster aus.

"Die Nachfrage nach Automobilen dürfte sich in Ländern wie Spanien, Italien und Großbritannien nur sehr langsam erholen. Ähnlich in den USA." Zipse hatte bereits Anfang Mai erklärt, dass China nur bedingt als Blaupause für andere Märkte tauge.

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Während BMW die Autoproduktion in China im Februar nach eineinhalb Wochen wieder hochfahren konnte, ist sie in anderen Ländern bis zu zwei Monate unterbrochen. In den USA und Europa fuhr BMW die Fertigung infolge der Coronapandemie im März herunter. Die Zahl der BMW-Beschäftigten in Kurzarbeit stieg in Deutschland im April auf 30.000 von 20.000 im März, wie Zipse nun sagte. Der Wiederanlauf, zunächst im Ein-Schicht-Betrieb, laufe jedoch nach Plan. Als letzte Standorte starten am Montag die Werke in München, Regensburg, Leipzig, Oxford sowie in Südafrika und Mexiko.

BMW Group in Österreich auch 2019 erfolgreich

Die BMW Group in Österreich meldet für das Vorjahr einen konsolidierten Gesamtumsatz von sieben Milliarden Euro und ein Investitionsvolumen von 374 Millionen Euro. Zur österreichischen Handelsbilanz hat die Gruppe nach eigenen Angaben mit einem Nettobeitrag von 1,8 Milliarden Euro beigetragen.

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Konzernchef Zipse: "In der Krise gut behauptet"

Auf Konzernebene habe sich BMW im ersten Jahresquartal "angesichts der Pandemie relativ gut behauptet", sagte Zipse mit Blick auf ein leicht gestiegenes Konzernergebnis vor Steuern von knapp 800 Millionen Euro - auch wenn der Konzern seine stabilen Quartalszahlen unter anderem auf eine Milliardenrückstellung aus dem vergangenen Jahr zurückführt. Im zweiten Quartal nun schlügen die wirtschaftlichen Coronafolgen "voll auf unser Geschäft durch", sagte Zipse weiter, insbesondere in Europa und den USA.

Der Autobauer hatte seine Jahresprognose zuletzt deutlich zurückgeschraubt und erwartet insgesamt einen Vorsteuergewinn deutlich unter Vorjahresniveau. Der Fahrzeugabsatz brach bereits im ersten Quartal weltweit um 20 Prozent ein, in China um 30 Prozent. In Deutschland betrug das Minus neun Prozent. Kommenden Montag will BMW seine Produktion weiter hochfahren und unter anderem die Werke in München, Regensburg und Leipzig wieder öffnen, zunächst für den Ein-Schicht-Betrieb.

Aktionäre sollen trotz allem ihre Dividende kassieren

Zipse schlug den Anlegern eine Dividende von 2,50 Euro pro Stammaktie und 3,52 Euro je Vorzugsaktie vor, ein Euro weniger als im vergangenen Jahr. BMW "handelt zuverlässig - auch in der Dividendenpolitik", betonte der Vorstandsvorsitzende. Der Konzern habe im April gut 30.000 Mitarbeiter in Deutschland in Kurzarbeit geschickt, den Regelsatz aber auf bis zu 93 Prozent aufgestockt. "Zuerst haben wir unsere zahlreichen Möglichkeiten zur Flexibilisierung ausgeschöpft", sagte der BMW-Chef, "Zeitkonten und Urlaub wurden konsequent abgebaut". Die Dividende gelte für das vergangene Geschäftsjahr und sei maßgeblich für die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter.

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Aktionärsschützer hatten das im Vorfeld kritisiert, weil BMW derzeit Kurzarbeit fährt, im laufenden Jahr einen massiven Einbruch des Gewinns erwartet und vom Staat eine Auto-Kaufprämie fordert. Zipse betonte, dass auch die Erfolgsbeteiligung für die 126.000 Mitarbeiter an die Dividende gekoppelt sei. BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer sagte, die Vorstandsvergütung hänge zu 70 Prozent vom Ergebnis des Unternehmens ab, nur 30 Prozent seien fix. Das werde sich nächstes Jahr sehr deutlich auswirken.

(afp/reuters/dpa/apa/red)