Vom Ölpreis-Schock zum DAX-Aufstieg: Wie aus dem Crash der Metallgesellschaft der GEA-Erfolg wurde

Winter 1993: Die Metallgesellschaft (MG), ein 113 Jahre alter Industriekonzern mit 57.000 Mitarbeitern, steht vor dem Abgrund. An der Spitze: Heinz Schimmelbusch, genannt „Schibu“, ehrgeizig, visionär – und risikofreudig. Seit den späten 1980ern treibt er aggressives Wachstum voran, kauft Unternehmen, verschuldet den Konzern massiv und sichert langfristige Öllieferverträge über Termingeschäfte ab. Die Strategie gilt als clever – bis der Ölpreis im Dezember 1993 abrupt um rund 20 Prozent einbricht. Innerhalb kürzester Zeit muss die Metallgesellschaft mehr als zwei Milliarden D-Mark nachschießen. Der Konzern kollabiert. Aufsichtsratschef Ronaldo Schmitz zieht die Notbremse, Schimmelbusch wird entlassen, Untreuevorwürfe dominieren die Schlagzeilen. Für viele ist es der größte Wirtschaftsskandal der deutschen Industriegeschichte. Bis heute bleibt umstritten, ob nicht gerade das überhastete Eingreifen nach Schimmelbuschs Abgang den Crash verschärfte. Am Ende steht ein Vergleich – und ein Konzern in Trümmern.

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Aus Trümmern zur Technik: Wie GEA im DAX landete

Die Rettung übernimmt Sanierer Karl-Josef „Kajo“ Neukirchen. Er zerschlägt die Metallgesellschaft radikal: Rund 300 Tochterfirmen werden verkauft, Traditionsnamen wie Buderus oder Dynamit Nobel verschwinden. Übrig bleibt das Zukunftsfähige – Prozess- und Anlagentechnik. 2000 steigt die MG bei der GEA AG ein, 2005 folgt die Fusion. Der Name Metallgesellschaft verschwindet, zu belastet fürs Börsenparkett. Der eigentliche Durchbruch kommt ab 2019 unter CEO Stefan Klebert. Nach Jahren mit Gewinnwarnungen baut er GEA konsequent um: weniger Komplexität, mehr Service, planbare Umsätze. Heute stammt über 40 Prozent des Umsatzes aus dem Servicegeschäft. 2024 erzielt GEA 5,4 Milliarden Euro Umsatz, der Gewinn steigt zweistellig. Während große Teile des Maschinenbaus schwächeln, wächst GEA – getragen von Lebensmittel-, Getränke- und Pharmakunden. Der Lohn: der Fast-Entry-Aufstieg in den DAX. Die Moral der Geschichte? Aus einem der größten Finanzdebakel entstand ein Musterbeispiel für Wandlungsfähigkeit. Manchmal ist der Untergang nur der Anfang des nächsten Kapitels.