Metallindustrie: Warum das kleine Plus trügerisch ist
Die metalltechnische Industrie zählt zu den wichtigsten Branchen Österreichs. Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau, Stahlbau und Gießereiindustrie stehen für rund 1.200 Betriebe, etwa 135.000 Beschäftigte und eine Exportquote von knapp 80 Prozent. Mehr als jeder dritte Industriearbeitsplatz hängt an diesem Sektor.
Nach zwei schwachen Jahren meldet die Branche nun wieder ein kleines Plus: 2025 stieg die Produktion um 2,7 Prozent. Doch Christian Knill, Obmann des Fachverbandes Metalltechnische Industrie, sieht darin keine echte Trendwende.
Denn zuvor war die Produktion massiv eingebrochen: 2023 um acht Prozent, 2024 nochmals um 7,8 Prozent. Insgesamt verlor die Branche in zwei Jahren fast 16 Prozent Produktionsvolumen. Das aktuelle Wachstum sei daher eher ein kurzes Aufholen als ein Aufschwung.
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Exporte schwächeln – besonders in die USA
Besonders problematisch ist die Entwicklung im Exportgeschäft. Rund 79 Prozent der Metallkomponenten, Maschinen und Anlagen aus Österreich gehen ins Ausland. Genau dort zeigen sich derzeit die größten Belastungen.
Die Exporte gingen im Vorjahr um fast zwei Prozent zurück. Besonders stark betroffen waren die USA, der zweitgrößte Auslandsmarkt der Branche. Die Ausfuhren dorthin brachen um rund 23 Prozent ein.
Knill nennt dafür zwei Hauptgründe: die seit April 2025 veränderten Zölle und den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar. Allein die Währungsbewegung habe rund zwölf Prozent betragen und die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Anbieter belastet. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Rückgang in den USA zeitweise sogar bei fast 30 Prozent.
Auch Deutschland, der wichtigste Exportmarkt, entwickelte sich schwach. China legte zwar zweistellig zu, bleibt mit einem Anteil von rund sechs Prozent aber zu klein, um die Rückgänge in anderen Märkten auszugleichen.
10.000 Vollzeitjobs bereits weg
Die Unsicherheit zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. In den vergangenen zwei Jahren wurden in der metalltechnischen Industrie rund 10.000 Vollzeitstellen abgebaut. Dazu kommen 3.000 bis 4.000 Leiharbeitskräfte. Allein 2025 sank die Beschäftigung um 4,2 Prozent.
Eine aktuelle Umfrage des Fachverbandes zeichnet ein düsteres Bild: Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet heuer einen Produktionsrückgang. Zwei Drittel rechnen in den kommenden sechs Monaten mit keiner Erholung. Fast 40 Prozent gehen davon aus, 2026 ein negatives Betriebsergebnis zu schreiben.
Für Knill ist das ein Alarmsignal. Wenn Unternehmen Verluste erwarten, müssten sie Kosten senken oder überlegen, ob an anderen Standorten produziert werden könne. Dass so viele Betriebe mit roten Zahlen rechnen, bezeichnet er als „Katastrophe“.
Standortkosten als größtes Problem
Knill sieht die Krise nicht nur als konjunkturelles Tief. Für ihn geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Österreich und Europas insgesamt. Besonders belastend seien hohe Personalkosten, Energiepreise, Unsicherheit und Bürokratie.
Als sofort wirksame Maßnahme nennt er den Abbau bürokratischer Vorgaben. Regelwerke wie das Lieferkettengesetz oder die Entgelttransparenzrichtlinie seien grundsätzlich aus guten Absichten entstanden, würden Unternehmen aber in der Umsetzung stark belasten.
Auch bei den Lohnnebenkosten sieht Knill dringenden Handlungsbedarf. Österreich müsse günstiger und planbarer werden, wenn industrielle Produktion im Land gehalten werden soll.
„Europa darf kein Museum werden“
Mehr Sorgen als die geopolitische Lage bereiten Knill inzwischen die Standortbedingungen in Europa. Auf Reisen außerhalb Europas sehe er deutlich mehr Wachstumswillen, Investitionsbereitschaft und Unternehmergeist.
Europa werde dagegen immer öfter als „Museum der Welt“ wahrgenommen: attraktiv für Besucher, aber zu wenig als Innovationstreiber. Österreich habe zwar starke Unternehmer, qualifizierte Beschäftigte und technologische Kompetenz. Doch es brauche wieder mehr Leistungswillen und Investitionsmut.
Die Botschaft des Branchenobmanns ist klar: Das kleine Produktionsplus darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie tief die Probleme reichen. Ohne bessere Rahmenbedingungen droht der metalltechnischen Industrie nicht nur eine längere Schwächephase – sondern ein schleichender Verlust industrieller Substanz.