Dispo-Ausgabe 2/26 : "Wir sind Logistiker mit einer enormen Bandbreite"
LogServ-Geschäftsführer Christian Janecek (links) und Markus Schinko blicken gegenüber Dispo auf 25 Jahre LogServ zurück.
- © Fotostudio Eder LinzWas war vor 25 Jahren die Intention hinter der Gründung von LogServ?
Christian Janecek Die Idee war, die Logistik zu bündeln und daraus eine professionelle Dienstleistung für die voestalpine zu gestalten. Mit zwei strategischen Stoßrichtungen: Erstens, das Thema Logistik als Kerngeschäft zu professionalisieren. Vor 25 Jahren galt Logistik noch eher als Kostenfaktor, dann wurde sie zum Engpassfaktor – zu wenig Personal, unterbrochene Lieferketten – und mittlerweile ist sie, neben dem Produkt, zum Erfolgsfaktor geworden. Die zweite Stoßrichtung war, diese Dienstleistung auch am Drittmarkt zu vermarkten. Wir sind heute Logistiker mit einer einzigartigen, enormen Bandbreite: Wir betreiben neben Österreichs größter Anschlussbahn auch eigene Werkstätten für schwere Sonderfahrzeuge, eine Bahnwerkstätte, eine für Signal- und Sicherungstechnik. Wir managen die Supply Chain unserer Industriekunden, haben ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen und bilden Bahnpersonal aus. Wir haben ein Kompetenzzentrum und umfangreiches Know-how rund um die industrielle Logistik aufgebaut.
Markus Schinko Bei der voestalpine gab es damals mehrere Bereiche, die sich auf die logistischen Bedürfnisse der Stahlproduktion konzentriert haben. Diese wurden in der LogServ mit dem Auftrag zusammengeführt, die Logistikprozesse zu optimieren, auszugestalten und für die Zukunft vorzubereiten. Das war also kein Start ohne Basis, wir hatten zu Beginn schon 511 Mitarbeitende. Mittlerweile sind wir bei 1100 Mitarbeiter:innen angelangt.
Was waren die größten Herausforderungen in den ersten Jahren?
Janecek Ein wesentlicher Punkt war, die Mitarbeiter:innen mit auf den Weg zu nehmen, die aus der voestalpine kamen und nun für ein Logistikunternehmen arbeiten sollten – mit allen Fragen, die sich in so einem Prozess stellen: Verdienst, Arbeitsplatzsicherheit etc. Das war für mich eines der Kernerlebnisse damals, diesem Prozess haben wir sehr viel Zeit gewidmet.
LogServ und in weiterer Folge CargoServ wurden als eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) gegründet. Was war der Grund für diesen Schritt?
Schinko 2001 hat LogServ als erstes privates EVU die Verkehrsgenehmigung in Österreich bekommen. CargoServ wurde zeitgleich mitgegründet. Der erste private Güterzug auf dem öffentlichen Schienennetz fuhr damals unter der Marke CargoServ. Dieser Schritt hat sich mit Kostenoptimierung und Qualitätsverbesserungen rasch bestätigt. Deshalb haben wir uns 2011 für ein konsequentes Wachstum entschieden und CargoServ mit Personal, Lokomotiven und allem, was dazugehört, ausgestattet. Seit 2011 hält CargoServ die Verkehrsgenehmigung. Angesichts der aktuellen Infrastrukturprobleme in ganz Europa ist es wichtiger denn je, als privates EVU positiv darauf einzuwirken, Kapazitäten sicherzustellen.
Wie verändert sich die Logistik durch die grüne Transformation in der Stahlbranche?
Schinko Die Transformation der Stahlindustrie ist ein wichtiges Thema, an dem wir intensiv mitarbeiten. 2027 wird der erste Elektrolichtbogenofen in Linz in Betrieb gehen, das verändert die Mengenströme massiv. Rohstoffseitig entsteht ein massiver Bedarf an Schrott, das heimische Eisenerz wird weniger und zusätzlich kommt auch Eisenschwamm zum Einsatz. Intern sind die Transporte massiv betroffen, weil beim Elektro-Ofen natürlich auch der gesamte Produktionsfluss anders aussieht. Es braucht neue, größere Fahrzeuge für die innerbetrieblichen Schrott- und Schlacketransporte.
Janecek Für das Handling und die Logistik am Standort ist die Umstellung herausfordernd. Es ist ein Unterschied, ob man Kohle oder Erz lagert oder Schrott in unterschiedlichen Qualitäten. Diese Fläche haben wir nicht, deshalb arbeiten wir mit Vorsortierung und externen Hubs. Es braucht gänzlich andere logistische Konzepte.
Wie schwierig oder einfach ist die durchgängige Rohstoffverfügbarkeit?
Schinko Der Bahnverkehr vom heimischen Erzberg nach Linz läuft stabil – quasi wie ein Förderband. Diese Rohstofftransporte, die wir über Jahrzehnte entwickelt haben, werden komplexer. Transformationsprozesse laufen in der gesamten Stahlbranche. Würden alle zeitgleich umstellen, gäbe es zu wenig Schott. Hier sind wir mit vielen Projekten, die unseren Bedarf sicherstellen, einen Schritt voraus – mit Partnern, die uns auf diesem Weg begleiten. Eines ist die Entwicklung von Schrotthubs im Umfeld von Linz. Für innovative Logistikkonzepte wie z.B. das Rundlaufkonzept „Bayernshuttle“ haben wir 2021 den deutschen Logistikpreis erhalten. Damit versorgen wir die deutsche Automobilindustrie mit hochqualitativer Fertigware und nehmen den dort anfallenden Schrott zurück. Klingt banal, ist aber hochkomplex und funktioniert seit vielen Jahren sehr professionell. Solche Konzepte sichern gewisse Schrottmengen ab und positionieren uns als Partner für die Automobilindustrie, der Schrott nachhaltig und zuverlässig abnimmt.
Was sind Ihre persönlichen Highlights der letzten 25 Jahre?
Janecek Es gibt natürlich einzelne Themen, die persönlich emotional bewegen. So wie die Verleihung des Deutschen Logistikpreises. Das Wichtigste ist aber die erfolgreiche Entwicklung, die wir gemeinsam durchlebt haben. Dass es uns gelungen ist, diesen erfolgreichen Weg gemeinsam mit über 1.000 Menschen zu gehen, ist wohl das beste Highlight. Oft ist es nicht hohes Management, sondern natürliche Dinge, die uns dorthin gebracht haben: Dass wir den Mitarbeitenden vermitteln, dass uns Sicherheit und Gesundheit wichtig ist, dass sie wertvoll sind und nicht nur eine Ressource oder Personalnummer. Ich habe nichts von einer neuen Lok, wenn es keine:n Lokführer:in gibt, der sie gut bedient.
Schinko Was mir in Erinnerung bleibt, ist, wie wir die Krisen gemanagt haben. Wir haben es immer wieder geschafft, gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Wir waren immer die Ersten, die lieferfähig waren, die die Produktion, die Logistik hochgefahren haben und wir haben immer darauf geachtet, unsere Mitarbeiter:innen zu halten. Für mich persönlich waren das die schönsten Momente, zu sehen, dass es wieder aufwärts geht und wir darauf vorbereitet sind.