Dass die Versicherungsfrage inzwischen auch in der operativen Logistik angekommen ist, bestätigen österreichische Logistiker, die international tätig sind, auf Dispo-Anfrage.
Der Logistikdienstleister Cargo-Partner erklärt, dass für Transporte in besonders betroffene Regionen derzeit teilweise gar keine Versicherungsdeckung verfügbar ist. „Bei Transporten in den Persischen Golf und den Golf von Oman bietet unser Versicherer derzeit keine Absicherung an – falls wir in die vom Konflikt betroffenen Länder liefern, haben wir keine Versicherungsdeckung“, so das Unternehmen.
Das gelte nicht nur für Seefracht, sondern auch für Lufttransporte in Lufträume, die derzeit gesperrt oder nur eingeschränkt geöffnet sind, etwa Iran, Israel, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Kuwait.
Auch Dachser weist darauf hin, dass Transportaufträge grundsätzlich nicht automatisch gegen alle Risiken abgesichert sind. In der Speditionsbranche werde üblicherweise auf Basis der Allgemeinen Österreichischen Spediteurbedingungen (AÖSp) gearbeitet. Diese sehen zwar eine gesetzlich geregelte Haftung vor, schließen außergewöhnliche Risiken wie kriegerische Ereignisse jedoch weitgehend aus. Kunden könnten jedoch zusätzliche Transportversicherungen abschließen oder eigene Versicherer nutzen. Gerade in geopolitisch angespannten Zeiten empfehle man Verladern, diese Absicherung aktiv zu prüfen.
Dachser erhebe keine pauschalen, eigenständigen „Krisen- oder Nahostzuschläge“, sondern gibt ausschließlich jene Kosten weiter, die durch externe Leistungspartner – insbesondere Reedereien – tatsächlich verursacht werden. "Die Zuschläge werden von den Reedereien vorgegeben und sind nicht im Einflussbereich von Dachser. Wichtig ist uns dabei volle Transparenz: Kunden werden frühzeitig informiert, sobald sich Kosten oder Laufzeiten ändern, und individuell beraten, welche Optionen für ihre Supply Chain sinnvoll sind", heißt es auf Anfrage.
Auch Cargo-Partner gibt, "wie üblich, alle zusätzlichen Aufschläge wie War Risk oder Emergency Bunker Surcharges 1 zu 1 an unsere Kund:innen weiter", so das Unternehmen auf Dispo-Anfrage. Das Unternehmen selbst implementiere keine eigenen Zusatzkosten. "Auch in der Luftfracht kann es derzeit von Seiten der Carrier selbstverständlich zu diversen Zuschlägen wie Congestion Surcharges oder Treibstoffzuschlägen kommen, welche wir ebenfalls weitergeben müssen. Auch in diesem Bereich heben wir klarerweise keine eigenen Zusatzkosten ein."