Nahostkrieg Frachtraten globale Logistik : Frachtraten im Krisenmodus: Wie der Nahostkrieg Container- und Öltransporte verteuert

Global business logistics import export background and container cargo freight ship transport concept. Ai generative
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Der Krieg im Nahen Osten verändert derzeit nicht nur die Sicherheitslage auf zentralen Seewegen, sondern auch die Preislogik im Welthandel. Sobald Versicherungen teurer oder gar nicht mehr verfügbar sind, Schiffe umgeleitet werden und Energiepreise steigen, schlagen sich geopolitische Risiken direkt in den Frachtraten nieder. Besonders deutlich ist das im Öl- und Containerverkehr zu beobachten. Die Schifffahrt reagiert damit in Echtzeit auf eine Krise, deren Folgen weit über die Region hinausreichen.

Luftfracht unter Druck: Kapazität bricht ein, Preise steigen weltweit

Neben der Seefracht zeigt auch der Luftfrachtmarkt bereits deutliche Marktreaktionen. Mehrere Airlines mussten ihre Flugrouten zwischen Asien und Europa anpassen, nachdem Lufträume im Nahen Osten geschlossen wurden oder aus Sicherheitsgründen gemieden werden.

Das führt zu längeren Flugzeiten und reduziert die verfügbare Kapazität auf wichtigen Handelsrouten. Laut Branchenanalysen sind die Luftfrachtraten zwischen Südostasien und Europa innerhalb weniger Tage um mehr als sechs Prozent auf rund 3,82 Dollar pro Kilogramm gestiegen, während die Preise von Südasien nach Europa ebenfalls spürbar anzogen.

Gleichzeitig verzeichnet die Branche eine strukturelle Kapazitätsreduktion. Daten der Luftfahrt- und Logistikberatung Evian zeigen, dass die militärische Eskalation im Nahen Osten die globale Luftfrachtkapazität zwischen dem 28. Februar und dem 3. März um rund 22 Prozent reduziert hat. Besonders betroffen ist der Verkehr zwischen Asien und Europa über Nahost-Drehkreuze wie Doha oder Dubai.

Insgesamt ist die Kapazität auf der wichtigen Route Asien – Nahost – Europa sogar um 39 Prozent eingebrochen, während Airlines versuchen, ihre Flüge auf alternative Korridore umzuleiten.

Logistikexperten warnen daher vor möglichen Engpässen in den kommenden Wochen. Stefan Paul, CEO des Logistikkonzerns Kühne+Nagel, erklärte, dass bereits kurzfristig Engpässe in Südostasien und China für Waren entstehen könnten, die für Europa oder die USA bestimmt sind. 

Nahostkonflikt trifft Schifffahrt: Wenn Versicherer aussteigen, geraten Lieferketten unter Druck

Luftfracht boomt plötzlich: Unternehmen flüchten aus dem Seeverkehr

Einige Marktsegmente reagieren jedoch auch mit steigender Nachfrage. Laut einer Analyse des Branchenportals Modaes ist der Lufttransport durch die Krise zeitweise um bis zu 50 Prozent gestiegen, da Unternehmen versuchen, Verzögerungen im Seeverkehr auszugleichen. Gleichzeitig beginnen sich maritime Transportströme nach der ersten Schockphase neu zu organisieren.

Die aktuelle Situation zeigt damit erneut, wie stark Unternehmen bei globalen Lieferketten zwischen verschiedenen Transportmodi wechseln müssen, wenn geopolitische Krisen einzelne Korridore blockieren.

Ölpreise treiben Transportkosten: Energie wird zum Krisentreiber der Logistik

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung sind steigende Energiepreise. Die Märkte reagieren sensibel auf mögliche Störungen im Persischen Golf, über den ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird.

Analysten beobachten, dass jede Eskalation in der Region unmittelbare Auswirkungen auf die Energiemärkte hat. Laut Berichten der Financial Times reagierten die Ölpreise unmittelbar nach den Angriffen mit starken Ausschlägen, weil Händler mögliche Versorgungsstörungen im Golf fürchten.

Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf Transportkosten aus. Höhere Rohölpreise treiben sowohl die Treibstoffkosten für Schiffe als auch für Flugzeuge und Lkw nach oben.

Für die Logistikbranche bedeutet das eine doppelte Belastung: längere Transportwege aufgrund von Umleitungen und gleichzeitig steigende Energiekosten.

Nahostkrieg lässt Luftfrachtkapazitäten einbrechen – entdeckt die Logistik den Straßentransport neu?

Tankerpreise explodieren: Öltransporte erreichen Sechsjahreshoch

Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Frachttarife sind gravierend. Die Kosten für Öltransporte vom Nahen Osten nach Asien – im Fachjargon als „TD3C“ bezeichnet – haben sich seit Jahresbeginn verdreifacht und Sechsjahreshochs erreicht. Ein Schiffsmakler bezifferte die Spot-Rate für einen sehr großen Rohöltanker auf der Strecke vom Nahen Osten nach China am 2. März auf mindestens 12 Millionen US-Dollar.

„Die Raten für TD3C stiegen bereits vor den Angriffen exponentiell an und dürften hoch bleiben, da die Länder sich bemühen, ihren Energiebedarf zu decken.“ Auch die Finanzmärkte beobachten diese Entwicklung aufmerksam. Analysten erwarten, dass ein länger anhaltender Konflikt im Nahen Osten den Ölpreis deutlich erhöhen könnte. 

Containerpreise schießen nach oben: Reedereien führen Krisenzuschläge ein

Auch in der Containerschifffahrt sind die Preissprünge massiv. Der Brancheninformationsdienst Freightwaves berichtete, dass CMA CGM einen Notfallzuschlag von 4.000 US-Dollar pro 40-Fuß-Container für Fahrten in die Region erhebt.

Hapag-Lloyd kündigte einen Kriegsrisikozuschlag von 1.500 US-Dollar pro 20-Fuß-Container an – ein Betrag, der ungefähr dem aktuellen Preis für einen normalen Containertransport von China nach Europa entspricht.

Consultant Lars Jensen von Vespucci Maritime illustriert die Geschwindigkeit der Preisanpassungen: „Vor drei Tagen sprach MSC noch von einem Anstieg von 200 bis 400 Dollar pro FEU vom Fernen Osten nach Europa ab dem 15. März. Nun wurde das zurückgezogen und durch neue FAK-Raten ersetzt, die einem Anstieg von 1.000 Dollar pro FEU entsprechen. Ebenso hat Hapag-Lloyd Erhöhungen von 900 bis 1.400 Dollar pro FEU angekündigt.“

Die neuen FAK-Raten beider Carrier liegen bei 4.000 Dollar pro FEU – doppelt so hoch wie der aktuelle Marktindex WCI und dreimal so hoch wie der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI).

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Hafenstau im Persischen Golf: 150 Containerschiffe suchen Schutz

Zusätzlichen Druck erzeugt die Situation in den Häfen. Nach Angaben des Frachtanalyseunternehmens Xeneta suchten rund 150 Containerschiffe im Persischen Golf Schutz, nachdem Versicherungsprobleme und Sicherheitsrisiken den Transit durch die Straße von Hormus erschwerten.

Diese Situation führt zu Hafenüberlastungen und verzögerten Umläufen von Containern. MarineTraffic spricht davon, dass Kriegsrisikoprämien für Schiffe derzeit „aggressiv neu bewertet“ werden.

Solche Störungen können sich über Wochen oder Monate in globalen Lieferketten fortpflanzen.

Nahost-Konflikt belastet globale Lieferketten – Reedereien reagieren mit Umleitungen und Sicherheitsmaßnahmen

Steigende Transportkosten treffen auch Österreich

Dass die steigenden Energie- und Transportkosten auch nationale Volkswirtschaften treffen, zeigt eine aktuelle Warnung aus Österreich. Das Logistikunternehmen Müller Transporte sieht bereits deutliche Auswirkungen auf Preise entlang der gesamten Lieferkette. Geschäftsführer Fritz Müller warnt vor einem möglichen Ölpreisschock für Wirtschaft und Bevölkerung.

„Neben der Sicherstellung der Versorgungssicherheit muss die Bundesregierung bei den Treibstoffpreisen rasch gegensteuern, um einen Ölpreisschock für die gesamte Bevölkerung und erneute Höchstwerte bei der Inflation zu verhindern.“

Die sprunghaft gestiegenen Rohöl- und Treibstoffpreise hätten bereits dazu geführt, dass Transporte deutlich teurer werden. Diese Kostensteigerungen wirken sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus – von Logistikunternehmen über Industrie und Handel bis hin zu landwirtschaftlichen Betrieben und privaten Haushalten.

Unterstützung kommt auch aus der Landwirtschaft. Josef Peck, Vorstand der Gemüse-Erzeugergenossenschaft LGV Sonnengemüse, betont: „Gemüse muss täglich frisch vom Feld in den Handel transportiert werden. Steigende Treibstoffpreise wirken sich daher umgehend auf Lebensmittelpreise für die Endverbraucher aus.“