Managerinnen-Ranking 2026 : Top 145 Frauen in der Industrie: Diese starken Entscheiderinnen dominieren die Branche
Das sind Österreichs wichtigste Managerinnen 2026
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Lässt sich der Einfluss von Frauen in der Wirtschaft objektiv erfassen? Die auf netzwerkbasierte Lagebilder und Strategieanalysen spezialisierten Analysten von FAS Research haben einen Ansatz zur Objektivierung weiblichen Einflusses in der österreichischen Wirtschaft entwickelt. Basis dafür ist eine Analyse der Beziehungsgeflechte von 20.000 führenden Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern der heimischen Wirtschaft. Dafür wurden mehr als eine Million Datensätze aus den 5.000 größten Unternehmen ausgewertet und miteinander verknüpft.
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Österreichs 200 wichtigste Managerinnen 2026: Methodik
Powerfrauen: Wer ist gelistet?
Grundlage des Rankings sind die Firmenbuchdaten aller Personen in Österreichs 5000 umsatzstärksten Industriebetrieben, den zehn größten Kreditinstituten (nach Bilanzsumme) sowie den mit jenen verbundenen Privatstiftungen. Aufnahme in die Liste fanden alle in diesen Unternehmen operativ tätigen Menschen (Vorstände, Geschäftsführer) sowie die Aufsichtsrats-Vorsitzenden dieser Unternehmen.
So wird bewertet
Es gilt: Einfluss ist ein Produkt aus 1) Umsatz, 2) Vernetzung, 3) Variabilität des Netzwerkes sowie der 4) systemischen Relevanz. Weiters fließt ins Ergebnis der erstmals erstellte 5) Situational Awareness Index ein. Dieser zeigt, wie stark eine Person öffentlich sichtbar und thematisch breit aufgestellt ist. Die besten Ergebnisse wurden im Ranking berücksichtigt: Die Top 50 in diesem Index stiegen 3 Plätze auf, die Plätze 51–100 stiegen 2 Plätze auf, die Plätze 101–200 stiegen 1 Platz auf. Ausgangslage dafür war das Top-1000-Manager-Ranking.
Gesamtrang
Der Gesamtrang ergibt sich letztlich aus der Summe von 1–5 zuzüglich der gewichteten, im Firmenbuch ausgewiesenen Mitarbeiterzahlen der einer Person in Haupt- und Nebenfunktionen zugeordneten Unternehmen.
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#22 Ursula Simacek: Die Kunst-FörderinUrsula Simacek steht in nunmehr dritter Generation an der Spitze eines Familienunternehmens, dessen Leistungen meist erst dann auffallen, wenn sie fehlen: Die Simacek Holding ist eines der größten österreichischen Dienstleistungs- und Gebäudemanagementunternehmen. Vom Großvater als Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung gegründet, kamen nach und nach weitere Leistungen hinzu. Dabei war der berufliche Weg mit ihrem familiären Background "praktisch vorgezeichnet" und Simacek als junge Frau selbst in den Ferien als Reinigungskraft bei den Kunden unterwegs. Ursula Simacek prägt das Unternehmen stark mit ihrer eigenen Handschrift und hat etwa mit dem Simacek Award, einem Förderpreis für zeitgenössische Kunst, ihrer persönliche Leidenschaft für das Sammeln von Kunst Ausdruck verliehen. Seither wolle sie nicht nur Werke erwerben, so die Geschäftsführerin, sondern "künstlerische Positionen aktiv unterstützen und sichtbar machen". Dabei will sie besonders die junge Kunstszene fördern - mit dem Ziel, ihnen finanzielle Unterstützung, mediale Sichtbarkeit und nachhaltige Vernetzung zu ermöglichen. Die umtriebige Managerin wurde für ihre unternehmerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnet, darunter als EY Entrepreneur Of The Year 2019 und als Opinion Leader des Jahres 2025.
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#78 Christina Rami-Mark: Die Industrie-ErneuerinDie studierte Chemikerin Christina Rami-Mark führt die Mark Holding mit einem starken Fokus auf Technologie und Digitalisierung. Das oberösterreichische Familienunternehmen, fast 100 Jahre alt, stellte ursprünglich Schuhösen her. Als ihr Großvater ihrem Vater die Firma übergab, war er nicht sicher, ob man mit dem ursprünglichen Produkt am Markt bestehen könne - der Innovationsgeist kam also aus "Überlebenswille“, sagt Rami-Mark. Heute ist Mark Weltmarktführer in der Metallumformtechnik und produziert jährlich mehr als zwei Milliarden Teile, vor allem für die Automobilindustrie, doch nicht nur: 2024 konnte das Unternehmen durch ein überdurchschnmittliches Volumen an Neugeschäft in Branchen abseits des Automobils Rekordumsätze erzielen. Um Innovation voranzutreiben sei es außerdem wichtig, Wissen „von unten nach oben“ zu verteilen. Aus diesem Grund gebe es in der Mark-Holding eine interne Akademie, in der sich Mitarbeiter gegenseitig fortbilden. Frauen in Führungspositionen betrifft empfiehlt sie, sich "ein dickes Fell" zuzulegen, da Frauen in der Wirtschaft – oder ganz generell – "gefühlt oft doppelt so viel arbeiten" müssen, um in Führungspositionen zu kommen auch ernst genommen zu werden. Das ändere sich aber sukzessive.
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#120 Bettina Castillo: Die Schienen-AffineBettina Castillos wissenschaftliche wie auch berufliche Karriere ist vom Schienenverkehr geprägt. So betonte sie etwa beim Woman Brunch des Verein Netzwerk Logistik ihre Leidenschaft für die Schiene, die sich bereits in ihrer Ausbildung und anschließenden wissenschaftlichen Tätigkeit abgezeichnet hat: Sie forschte an der Universität St. Gallen und der University of Applied Science Vorarlberg zu den Themen Logistiknetzwerkplanung und Kombinierter Verkehr. Im Zuge ihrer Forschungstätigkeiten holte sie die Schweizer Bahn SBB in den Bereich Cargo, wo sie sechs Jahre lang auch international in verschiedenen Führungspositionen tätig war, bevor sie zum schwedischen Möbelriesen IKEA wechselte. Auch dort hatte sie als Leiterin des globalen Supply Operations Managements durch die Entwicklung und Optimierung der Güterströme mit dem Bereich Schiene zu tun, doch es sei nahezu "logisch" gewesen, wieder in die Bahnbranche zurückzukehren. Castillo verfolgt eine konkrete Vision für die Zukunft der Schienengüterlogistik: Sie soll so einfach und kundenfreundlich werden wie der Straßentransport und technische Hürden zwischen Ländern müssen durch Kooperation, Standardisierung und Innovation abgebaut werden.
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#140 Ingeborg Hochmair: Die ErfinderinAls erste Frau, die 1979 an der TU Wien im Bereich Elektrotechnik promovierte, hat Ingeborg Hochmair gemeinsam mit ihrem Mann Erwin das erste mikroelektronische, mehrkanalige Cochlea-Implantat (CI) entwickelt, das 1977 implantiert wurde. Studien gehen davon aus, dass es mittlerweile 800.000 Menschen ein CI nutzen - das Implantat gilt als eine der erfolgreichsten Neuroprothesen. 1990 gründete das Ehepaar das Unternehmen Med-el, Ingeborg Hochmair fungiert als Geschäftsführerin. Die Gründung des Unternehmens sei dabei der "Sturheit des Erfinders" geschuldet: "Man möchte das, was man erfunden hat, auch zur Anwendung bringen", so Ingeborg Hochmair. Sie veröffentlchte über 100 Fachpublikationen und ist Erfinderin bzw. Miterfinderin bei mehr als 50 Patenten und Patentanmeldungen. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten - so unter anderem das Ehrendoktorat für Medizin der TU München und der Medizinischen Universität Innsbruck, den Leonardo-da-Vinci-Preis, der Lasker-DeBakey Preis - und wurde 2014 für den europäischen Erfinderpreis nominiert. Die mehrfach promovierte Geschäftsführerin bleibt der Forschung weiter erhalten, so ist ihr Ziel, auch Implantate für andere Sinnesorgane zu entwickeln.
Österreichs 250 wichtigste Managerinnen 2026
Der Einfluss von Frauen in der österreichischen Wirtschaft nimmt stetig zu – nicht nur in Zahlen, sondern auch in Sichtbarkeit, Verantwortung und Gestaltungsmacht. Doch wer sind die Frauen, die das wirtschaftliche Geschehen im Land maßgeblich mitbestimmen?
| Rang | Person | Vernetzung Misst die Vernetzung der Personen anhand ihrer Positionen in Vorständen, Aufsichtsräten, Forschungsinstitutionen, Wirtschaftsverbänden oder Vereinen. | Umsatz Analysiert werden dabei die kumulierten Umsätze der Unternehmen, über die eine Person durch ihre Tätigkeit im Vorstand oder Aufsichtsrat Einfluss ausübt | Variabilität Aus der Zuordnung der Unternehmen zu ÖNACE-Klassen wird ein Variabilitäts-Index errechnet. Darüber hinaus wurde berücksichtigt, wie sehr die Manager die Sektoren Politik/Staat, Wirtschaft sowie Gesellschaft miteinander verbinden. | Systemrelevanz Sie stellt die Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Wertschöpfungskette dar. Für die Berechnung der systemischen Risiken wurden die Güterklassen der Input-Output-Matrix der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung verwendet. Die Gewichtung basiert auf der Bruttowertschöpfung sowohl innerhalb der einzelnen Sektoren als auch sektorenübergreifend, unter Berücksichtigung der zirkulierenden Güterflüsse in Millionen Euro. | Gesamt Die Gesamtpunktzahl ergibt sich aus der Summe aller Einzelkategorien und zeigt die Gesamtbedeutung der Person. | Booster Index für Themenintensität und Diskursbreite: Wer sich zu 13 Schlüsselthemen viel und vielseitig öffentlich äußert, steigt im Ranking auf. |
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Die 250 wichtigsten Frauen der Industrie: Sichtbarkeit in einer strukturell männlich geprägten Branche
Frauen stellen in Österreich rund 48,5 Prozent aller unselbständig Beschäftigten – doch in der Industrie spiegelt sich diese nahezu paritätische Verteilung nicht wider. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Die heimische Industrie bleibt in vielen Bereichen deutlich männlich dominiert. Gerade deshalb ist ein Ranking der 250 wichtigsten Frauen der österreichischen Industrie mehr als eine Würdigung einzelner Karrieren – es ist ein Signal für strukturellen Wandel.
Im verarbeitenden Gewerbe liegt der Frauenanteil unter 40 Prozent, im Bauwesen noch deutlich darunter. Besonders ausgeprägt ist die Unterrepräsentation in technischen Lehrberufen. In der Metallbearbeitung etwa beträgt der Anteil weiblicher Lehrlinge lediglich rund acht Prozent. Damit beginnt die Schieflage bereits am Beginn der beruflichen Laufbahn. Die geringe Präsenz von Frauen in technischen Ausbildungswegen wirkt sich langfristig auf Fachkräfteentwicklung und Führungsebenen aus.
Auch in Leitungsfunktionen zeigt sich eine klare Differenz. Frauen besetzen in Österreich insgesamt 34,9 Prozent der leitenden Positionen – doch branchenspezifische Studien weisen darauf hin, dass der Anteil in technischen und industriellen Sektoren meist noch unter diesem Durchschnitt liegt. Mit steigender Hierarchieebene sinkt die Repräsentanz weiter – ein Phänomen, das häufig als „gläserne Decke“ beschrieben wird.
Frauen in der Industrie: Hohe Teilzeitquote, strukturelle Hürden und Fachkräftebedarf prägen die Unterrepräsentation
Strukturelle Rahmenbedingungen verstärken diese Entwicklung. Nur etwa ein Drittel der Frauen arbeitet in Österreich Vollzeit. Die Teilzeitquote zählt im EU-Vergleich zu den höchsten. Rund 66 Prozent der Frauen sind vollzeitbeschäftigt, bei Männern liegt dieser Wert bei etwa 92 Prozent. Industrieberufe sind jedoch häufig auf Vollzeitpräsenz oder Schichtarbeit ausgelegt. Das schränkt Zugangsmöglichkeiten zusätzlich ein.
Die Beschäftigungsquote unterstreicht die Differenz: 2023 lag sie bei Frauen bei rund 53,9 Prozent, bei Männern bei über 63 Prozent. In industriestarken Bundesländern wie Oberösterreich oder der Steiermark ist der Bedarf an qualifizierten Fachkräften hoch – gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in technischen Berufen vergleichsweise gering.
Die Zahlen zeichnen ein konsistentes Bild: Frauen sind im österreichischen Arbeitsmarkt stark vertreten, in Industrie und Technik jedoch deutlich unterrepräsentiert – insbesondere in gewerblich-technischen Berufen, in der Produktion und auf oberen Führungsebenen. Ursachen liegen vor allem in Ausbildungsentscheidungen, Arbeitszeitmodellen, branchenspezifischen Anforderungen und tradierten Rollenbildern.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Ranking der 250 wichtigsten Frauen der österreichischen Industrie besondere Bedeutung. Es macht jene sichtbar, die sich in einem strukturell anspruchsvollen Umfeld durchgesetzt haben – und steht zugleich für das Potenzial, das in einer breiteren Integration von Frauen in technischen und industriellen Schlüsselbereichen liegt.