Diese Unternehmen sind
Gold
wert

Sie sind die ertragreichsten des Landes. Sie sind die innovativsten ihrer Branche. Sie sind die wachstumsstärksten ihrer Art. INDUSTRIEMAGAZIN präsentiert: Das Ranking der Top 250 Industrieunternehmen Österreichs. Redaktion: Sonja Gerstl

Was für ein Jahr! Erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit mussten 2017 die zumeist eh schon recht optimistischen Wachstumsprognosen von Wifo und IHS von Quartal zu Quartal sogar noch nach oben revidiert werden. Mittlerweile steht fest: Österreichs BIP wuchs im Vorjahr um beachtliche drei Prozent.

Geradezu fantastisch lief es für Österreichs Industrieunternehmen, man beendete das Jahr mit Rekordwerten. So etwa kletterte der Einkaufsmanagerindex der Bank Austria im Dezember auf ein neues Allzeithoch von 64,3 Punkten, was zugleich dem stärksten Wachstum der Industrie seit Beginn der Umfrage vor rund 20 Jahren entsprach. Sowohl die Auslandsnachfrage als auch das boomende Geschäft im Inland haben die Produktion kräftig nach oben geschraubt.

Die gute Nachricht lautet: In Österreich hält die Phase der Hochkonjunktur an, der Ausblick bleibt vorerst (noch) positiv.

Mussten 2016 noch knapp 80 Prozent der Top250-Industriebetriebe teilweise beachtliche Umsatzverluste wegstecken, präsentiert sich Österreichs produzierende Wirtschaft 2017 mit wenigen Ausnahmen nunmehr durch die Bank mit tiefschwarzen Zahlen und entsprechend stolz geschwelgter Brust. Nahezu jeder im Ranking gelistete Betrieb verzeichnete ein sattes Umsatzplus, nahezu jede Branche profitierte von der konjunkturellen Schönwetterlage.

Gemeinsam brachte man es heuer auf rund 217 Milliarden Euro kumulierte Umsätze. Das sind zehn Milliarden Euro mehr als noch im Jahr zuvor.

Es war ein gutes Jahr. Hoffen wir, dass es in der Tonart weitergeht.

Unternehmen:
voestalpine AG
Gesamtrang:
2
Umsatzplus 2017:
1,6 Milliarden
Euro

Legt für Nachfolger Herbert Eibensteiner einiges vor: voestalpine-CEO Wolfgang Eder, der im Juli 2019 den Chefsessel räumt.

Die Top-Performer

Unternehmen mit dem größten absoluten Umsatzwachstum 2017.

Für die voestalpine lief es 2017 wie geschmiert. Der Stahlproduzent konnte sowohl beim Umsatz als auch in allen Ergebniskategorien im Vergleich zum Vorjahr deutlich zulegen und damit in seiner Geschichte bislang noch nie erreichte Höchststände erzielen. Sämtliche Bereiche verbuchten räftige Zuwächse, die größte Verbesserung kam aus der Steel Division. Millionenschwere Investitionen erfolgten sowohl im In- als auch im Ausland, 2018 will man zumindest bei Ebita und Ebit auf Vojahresniveau bleiben. Mit Sorge eobachtet Noch-Chef Wolfgang Eder – im Juli 2019 räumt er für Nachfolger Herbert Eibensteiner den Sessel – jedoch die „handelspolitischen Lenkungsmaßnahmen auf internationaler Ebene“, wie etwa die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle für Importe in die USA. Potenziell negative Effekte werden allerdings frühestens mit Beginn des dritten Quartals erwartet.

Unternehmen Umsatz
voestalpine AG 1.605,50 Mio.
RHI Magnesita 1.025,80 Mio.
OMV Aktiengesellschaft 962,00 Mio.
Mondi AG 920,00 Mio.
Infineon Technologies Austria AG 710,10 Mio.

Unternehmen:
ams AG
Gesamtrang:
46
Umsatzplus 2017:
93,45 Prozent

Nach durchwachsenen Jahren setzt die ams AG unter CEO Alexander Everke nunmehr zu ungeahnten Höhenflügen an.

Die Unaufhaltbaren

Unternehmen mit der größten relativen Umsatzsteigerung 2017.

Alexander Everke, CEO des börsenotierten Sensor- und Chipherstellers ams AG, hat schon Anfang des Vorjahres „hohes Wachstumspotenzial für den Jahresumsatz“ vorhergesehen. Und er sollte recht behalten. Mit einem Umsatzanstieg im vierten Quartal 2017 von 252 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielte das steirische Unternehmen letztendlich einen rekordverdächtigen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Das entspricht einem Plus von 93,45 Prozent gegenüber 549,9 Millionen Euro im Vorjahr. Bereits 2016 erwarb ams die Heptagon Advanced Micro-Optics, ein Anbieter von Hochleistungstechnologien für optisches Packaging und Mikrooptik, um kolportierte 850 Millionen Euro. Ein paar kleinere Unternehmen folgten 2017. Bis 2019 will ams um durchschnittlich 60 Prozent pro Jahr wachsen, ab 2019 soll eine bereinigte Ebit-Marge von 30 Prozent den Geschäftsbericht aufpolieren.

Unternehmen:
OMV
Aktiengesellschaft
Gesamtrang: 1
Umsatz 2017:
20,22 Milliarden
Euro

CEO Rainer Seele hat der OMV einen harten Konsolidierungskurs verpasst. Die Mühen der Ebene dürften sich rentiert haben.

Die Giganten

Das sind die Umsatzstärksten im ganzen Land.

Portfolio umbauen, Kosten senken, Produktion steigern sowie Ergebnis und Cashflow verbessern: OMV-Boss Rainer Seele hat 2017 sämtliche Punkte auf seiner To-do-Liste abgehakt. „Wir haben die OMV in den vergangenen Jahren kerngesund gemacht. Auf dieser Basis bauen wir nun auf“, sagte der Vorstandsvorsitzende bei der Präsentation der OMV Strategie 2025. 2017 erzielte der Mineralölkonzern ein Umsatzplus von fünf Prozent, im selben Zeitraum konnte das operative Ergebnis auf knapp drei Milliarden Euro fast verdoppelt werden. Bei der Produktion hat die OMV 2017 mit 348.000 Barrel Erdöl und Erdgas pro Tag einen Höchststand seit Bestehen erreicht. Dass es heuer in derselben Tonart weitergeht, zeigen die Zahlen für das erste Quartal 2018. Durch den Erwerb eines Viertels am Juschno-Russkoje-Erdgasfeld (Kostenpunkt 1,72 Milliarden Euro) konnte die OMV ihre Produktion auf durchschnittlich 437.000 Barrel pro Tag erhöhen.

Unternehmen Umsatz
OMV Aktiengesellschaft 20.222,00 Mio.
voestalpine AG 12.900,00 Mio.
Borealis AG 7.560,00 Mio.
Mondi AG 7.096,00 Mio.
Red Bull GmbH 6.282,00 Mio.

Unternehmen:
Boehringer Ingelheim
RCV Ges.m.b.H. & Co. KG
Gesamtrang: 36
Ebit-Marge:
33,39 Prozent

Boehringer Ingelheim-Chef Philipp von Lattorff will die Forschungsaktivitäten in Wien vertiefen.

Die Ertragreichen

Die Unternehmen mit dem besten Ergebnis vom Umsatz 2017.

Mit einer Steigerung von fast 17 Prozent bei verschreibungspflichtigen Produkten blickt Philipp von Lattorff, Generaldirektor der Österreich-Tochter des deutschen Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim, auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 zurück. Positiv entwickelte sich auch die erst 2016 übernommene Tiergesundheitssparte Merial von Sanofi (plus 74,1 Prozent). Anfang 2017 startete das Unternehmen mit der Errichtung einer neuen biopharmazeutischen Produktionsanlage (Investitionsvolumen: rund 700 Millionen Euro). Diese soll 2021 in Betrieb gehen und 500 neue Arbeitsplätze in Wien schaffen. Am Standort Wien entwickelt und produziert Boehringer Ingelheim biopharmazeutische Arzneimittel sowohl aus eigener Forschung als auch für Auftragskunden. Von Wien aus werden mehr als 30 Länder der Region Mittel- und Osteuropa, Zentralasien, die Schweiz und Israel koordiniert.

Unternehmen:
WOLLSDORF LEDER
SCHMIDT & Co.
Ges.m.b.H.
Gesamtrang: 171
Umsatzplus 2017:
43,1 Prozent

Wollsdorf-LederGeschäftsführer Andreas Kindermann freut sich über volle Auftragsbücher.

Die Wachstumsstarken

Die mittelständischen Unternehmen (maximal 250 Millionen Euro Jahresumsatz ) mit der größten relativen Umsatzsteigerung 2017.

Geschäftsführer Andreas Kindermann hat allen Grund zur Freude. Für den steirischen Lederproduzenten, der 2016 sein 80-jähriges Firmenjubiläum feierte, könnte es besser nicht laufen. Beachtliche 43,1 Prozent Umsatzplus verzeichnete der Mittelständler im Geschäftsjahr 2017. Expandieren will man auch 2018. So wurden erst kürzlich 130 Leiharbeiter als Stammpersonal übernommen, weitere Mitarbeiter werden gesucht. Der Fokus des Unternehmens liegt auf den Bereichen Autoleder, Möbelleder, Flugzeugleder, Boots- und Bahnleder sowie Spezialleder, 90 Prozent der Artikel gehen in den Export. Wollsdorf Leder unterhält Vertriebsniederlassungen in den USA, Hongkong, China und Australien.

Unternehmen:
Innsbrucker
Kommunalbetriebe
Aktiengesellschaft
Gesamtrang: 229
Ebit-Marge: 19,79
Prozent

Der Vorstandsvorsitzende Helmuth Müller baut die Rolle der Innsbrucker Kommunalbetriebe als Infrastrukturdienstleister weiter aus.

Die Ergebnismaximierer

Die mittelständischen Unternehmen (bis maximal 250 Millionen Euro Jahresumsatz) mit dem besten Ergebnis vom Umsatz 2017.

Gleich zwei Energie-Unternehmen unter den Top-5-Mittelständlern! Das unterstreicht einmal mehr die Relevanz der Branche, die künftig eine noch gewichtigere Rolle in der globalen Wirtschaft spielen wird. Parallel zur Ergebnissteigerung entwickelte sich bei den Innsbruckern auch die Bereitschaft zu investieren. 44 Millionen Euro wurden 2017 in den Ausbau der Infrastruktur gesteckt, 45 Millionen sind für heuer veranschlagt. Ende 2017 erfolgte ein Austausch der Führungsebene. Zu Jahresbeginn wechselte der bisherige Vorstandsdirektor Helmuth Müller in die Rolle des Vorstandsvorsitzenden. Ihm zur Seite stehen Thomas Gasser und Thomas Pühringer.

Unternehmen:
S&T AG
Gesamtrang: 58
F&E-Ausgabensteigerung:
386,44
Prozent

CEO Hannes Niederhauser setzt mit S&T auf Innovationen im IoT- und Industrie 4.0-Bereich.

Die Wissbegierigen

Die Unternehmen mit der höchsten Steigerung der Forschungsausgaben 2017.

Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung hat sich das Linzer Systemhaus S&T im Vorjahr nicht lumpen lassen: Beachtliche 114,8 Millionen Euro wurden investiert, was einer Steigerung von 386,44 Prozent gegenüber 2016 entspricht. Der Erfolg gibt S&T recht. Der Technologiekonzern blickt auf ein Rekordjahr 2017 zurück. Heuer will man die Umsatzmilliarde knacken, bis 2023 will man diese verdoppelt haben. Wachstumstreiber der S&T-Gruppe sind die Geschäftssegmente IoT-Solutions und Industrie 4.0. Hannes Niederhauser, CEO von S&T: „Mit der TSN Echtzeitvernetzung und SUSiEtex, einer Public-Cloud-kompatiblen Middleware zur Verbindung unterschiedlicher IoT-Devices, haben wir unseren Führungsanspruch am Markt zementiert.“ Weitere hauseigene Innovationen und Zukäufe im SoftwareBereich sind in Planung.

Unternehmen F&E-Ausgaben
S&T AG 386,44 %
RAG Austria AG 111,11 %
VERBUND AG 63,64 %
EVN AG 62,50 %
ams AG 54,40 %

Unternehmen:
Infineon Technologies
Austria AG
Gesamtrang: 18
F&E-Quote 2017:
16,85 Prozent

Wird mit einer neuen Fabrik für exzellente F&E-Leistungen belohnt: Infineon-Austria-Vorstand Sabine Herlitschka.

Die Vordenker

Unternehmen mit der höchsten Forschungsquote 2017.

An der ams AG führt auch heuer kein Weg vorbei. Der Sensor- und Chiphersteller konnte seinen Führungsanspruch in puncto Forschungsquote erneut behaupten. Mit einem Anteil von 16,85 Prozent knapp geschlagen geben musste sich das Villacher Hightech-Unternehmen Infineon. Jedoch beschert die langjährige Forschungstätigkeit der Kärntner Österreich demnächst die erste vollautomatisierte Chipfabrik für die Fertigung auf 300 Millimeter-Dünnwafern. In Summe werden in den nächsten Jahren knapp 1,6 Milliarden Euro investiert, die Fertigung soll Anfang 2021 starten. Derzeit ist das Werk in Dresden der größte Infineon-Standort zur Wafer-Verarbeitung, entwickelt wurde diese Form der Fertigung allerdings in Villach. 400 zusätzliche Arbeitsplätze sollen entstehen, bei vollständiger Auslastung liegt das geschätzte zusätzliche Umsatzpotenzial durch die neue Fabrik bei rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Unternehmen:
Loacker Recycling
GmbH
Gesamtrang:
73
Mitarbeiterplus 2017:
42,70 Prozent

Sattes Mitarbeiterplus für Karl Loacker, Chef des gleichnamigen Vorarlberger Recyclingunternehmens.

Die Jobmacher

Unternehmen mit dem höchsten Mitarbeiterplus in Österreich 2017.

An sich stellt man sich unter einem Familienbetrieb etwas anderes vor. Die Vorarlberger Loacker Recycling GmbH besteht dennoch darauf, als ein solcher bezeichnet zu werden. und das, obwohl man mittlerweile mit zig Betriebsstätten in Österreich und fünf weiteren europäischen Ländern vertreten ist. 400 neue Mitarbeiter hat der Betrieb aus Götzis im Vorjahr aufgenommen, einen Großteil bedingt durch Firmenübernahmen. Die „Familie“ rund um Firmenchef Karl Loacker ist damit auf mehr als 1300 Personen angewachsen. In der Region gilt das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen als attraktiver Arbeitgeber. Vielleicht gerade deshalb: „Wir legen aber nicht nur Wert auf gute Bedingungen am Arbeitsplatz. Es ist uns auch wichtig, dass unsere Mitarbeiter und ihre Familien angemessen wohnen und sich in ihrer Freizeit gut erholen können“, heißt es auf der Firmenwebsite im Mitarbeiterbereich.

Unternehmen:
Binder Beteiligungs AG
Gesamtrang: 56
Mitarbeiterplus 2017:
87,41 Prozent

Treibt mit Firmenübernahmen die Globalisierung voran: Binder-Geschäftsführer Reinhard Binder.

Die Internationalen

Unternehmen mit dem höchsten globalen Mitarbeiterwachstum 2017.

Und schon wieder die ams AG! Mit einem internationalen Mitarbeiterzuwachs von fast 223 Prozent ist der Sensor- und Chiphersteller im Geschäftsjahr 2017 einsame Spitze. Spannend jedoch das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Zweit- und Drittplatziertem. Um hauchzarte 0,01 Prozent verfehlte RHI Magnesita Rang 2, glücklicher Sieger ist die Tiroler Binder Beteiligungs AG. Gewachsen sind übrigens beide durch Übernahmen. Im Oktober des Vorjahres hat die BinderholzGruppe das deutsche Säge- und Holzverarbeitungsunternehmen Klenk Holz AG erworben und avancierte damit quasi über Nacht zu einem der größten Schnittholzproduzenten Europas. Neben 400 Millionen Euro Umsatz übernahm das Unternehmen aus Fügen (Tirol) auch rund 1000 Mitarbeiter. Die Binder Beteiligungs AG verfügt seither über zwölf Standorte und beschäftigt in Summe über 2500 Menschen: für Geschäftsführer Reinhard Binder „ein Meilenstein in der Unternehmensgeschichte“.

Unternehmen F&E-Quote
ams AG 222,57 %
Binder Beteiligungs AG 87,41 %
RHI Magnesita 87,40 %
S&T AG 54,44 %
B&R Industrial Automation GmbH 53,11 %