Österreichs beste Unternehmen

Sie schaffen Umsatz-Steigerungen, wo andere ein Minus verzeichnen. Sie heben die Erträge, und sie stecken immer mehr Geld und Manpower in Forschung und Entwicklung. Und sie schaffen Arbeitsplätze – in Österreich wie auch international: Das sind die besten Industriebetriebe Österreichs. Redaktion: Bernhard Fragner

Wie spektakulär das Geschäftsjahr 2016 verlief, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Unter dem Strich stehen für die Top-250-Industriebetriebe kumulierte Umsätze von 207 Milliarden Euro – was ziemlich genau dem Geschäftsjahr davor entspricht. Im Detail jedoch gab es dramatische Entwicklungen quer über alle Branchen.

Gleich sieben Unternehmen schafften Umsatz-Steigerungen von mehr als 30 Prozent, weitere 35 wuchsen zweistellig. Rund 80 der Top 250 mussten Umsatzrückgänge hinnehmen, die meisten allerdings im einstelligen Prozentbereich. Besonders inhomogen zeigen sich die Branche Automotive, Chemie und Metall: In allen dreien gab es sowohl zweistellige Umsatz-Sieger als auch -Verlierer. Gut verlaufen ist das Jahr 2016 für die Maschinenbauer und vor allem die Nahrungsmittel-Hersteller, im Energiesektor gab es tendenziell Rückgänge.

Wie in jedem Jahr ragen auch 2016 wieder einige Betriebe besonders hervor: Die Infineon AG etwa, die den Umsatz dramatisch erhöhte. Verbund und Schweighofer Fiber, die Ebit-Quoten von über 20 Prozent schafften. F&E-Vorzeigeunternehmen wie FACC, ams AG und Boehringer Ingelheim. INDUSTRIEMAGAZIN holt die Industriebetriebe auf die Bühne, die 2016 Besonderes geleistet haben.

  • Bundesland Legende
  • Umsatz in Mio Euro
  • Top-250 Unter­nehmen
  • Mit­arbeiter
  • Burgenland
  • 2.330
  • 6
  • 2.500
  • Kärnten
  • 7.656
  • 13
  • 14.100
  • Niederösterreich
  • 14.533
  • 26
  • 24.900
  • Oberösterreich
  • 45.726
  • 64
  • 93.000
  • Salzburg
  • 13.519
  • 14
  • 16.400
  • Steiermark
  • 18.993
  • 32
  • 36.200
  • Tirol
  • 14.920
  • 19
  • 26.400
  • Vorarlberg
  • 12.448
  • 22
  • 22.700
  • Wien
  • 76.463
  • 54
  • 81.900
OMV-CEO Rainer Seele: „2016 war für die OMV ein Jahr der Transformation.“

Die Giganten

Unternehmen mit dem höchsten Umsatz 2016.

Gegen einen Ölpreis auf Rekordtief hatte die Umsatzentwicklung der OMV auch 2016 keine Chance. Der Konzern hielt allerdings mit allem dagegen, was er hatte: Zahlreiche Verkäufe von Beteiligungen – etwa der Anteile an Gas Connect Austria, der OMV UK und der Anteile am Öl- und Gasprojekt Rosebank – spülten rund 1,7 Milliarden Euro in die Kassen, die Investitionen wurden von 2,8 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro gedrückt. Zwölf Prozent konnte die OMV bei den Produktionskosten einsparen. Positive Ergebnisse lieferten zudem das Raffinerien- und Tankstellengeschäft sowie die Tochterfirmen Petrom und Borealis. Das laufende Kostensenkungsprogramm soll heuer ausgeweitet werden. 2016, sagt CEO Rainer Seele, hat dem Konzern vor allem eines verschafft: „Luft zum Atmen “.

Unternehmen Umsatz
OMV Aktiengesellschaft 19.260,00 Mio.
voestalpine AG 11.295,00 Mio.
Borealis AG 7.218,00 Mio.
Mondi AG 6.176,00 Mio.
Andritz AG 6.039,00 Mio.
Rechnet mit einer weiteren Aufwertung des Standorts Villach: Infineon-Chefin Sabine Herlitschka.

Die Expansiven

Unternehmen mit der größten objektiven Umsatz-Steigerung 2016.

Eigentlich war 2016 für die globale Halbleiterindustrie ja ein Jahr der Stagnation. Beim Villacher Hightech-Paradeunternehmen Infineon lief es etwas anders: Der Umsatz sprang von 1,43 auf 1,84 Milliarden Euro, und auf Konzern-Ebene gab es ein Plus von zwölf Prozent auf knapp 6,5 Milliarden Euro. Sämtliche Kennzahlen zogen 2016 nach oben, auch das Ergebnis je Aktie lag um 18 Prozent über dem Vorjahreswert. Dass der Kauf des US-Unternehmens Wolfspeed im Frühjahr scheiterte, könnte für den Standort Villach eine weitere Aufwertung bedeuten: Laut CEO Sabine Herlitschka könnte nun Villach die Rolle als Kompetenzzentrum für neue Halbleiter-Materialien übernehmen.

Unternehmen Umsatzwachstum
Infineon Technologies Austria AG 412,40 Mio.
Heinzel Holding GmbH 282,90 Mio.
WIENER STADTWERKE Holding AG 272,60 Mio.
voestalpine AG 225,80 Mio.
ZKW Group GmbH 217,50 Mio.
Führte die Getzner Textil AG durch ein „ereignisreiches und erfolgreiches Jahr“: CEO Josef Lampert.

Die Prosperierenden

Unternehmen mit der größten relativen Umsatz-Steigerung 2016.

„Ereignisreich“ nennt Getzner-CEO Josef Lampert das Geschäftsjahr 2016. Kann man so sagen: Die Bludenzer Spezialisten für hochwertige Stoffe kauften nicht weniger als fünf Unternehmen und erweiterten damit das Portfolio um Produkte wie Sitzbezüge, Sonnenschutz oder Flammschutz. Knapp 50 Millionen Euro steckte die Getzner AG in eine neue Produktionsstätte im deutschen Gera, und bis Ende 2017 wird der Hauptstandort Bludenz massiv ausgebaut. Unter dem Strich steht für 2016 ein Umsatz-Plus von knapp 40 Prozent. Weitere 20 Prozent sollen laut Josef Lampert 2017 nachgelegt werden.

Steigerte das Ergebnis 2016 trotz Umsatz-Rückgangs: Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber.

Die Ertragreichen

Unternehmen mit dem besten Ergebnis vom Umsatz 2016.

Ein ganzes Bündel an Ursachen machte 2016 zu einem äußerst ertragreichen Jahr für den Verbund. Zum einen waren da Einmaleffekte: Vor allem wurden der Streit um das Kraftwerk Mellach beigelegt und die „offenen Themen“ zwischen dem Verbund und EconGas bzw. der Energie Steiermark bereinigt. Ergebnissteigernd wirkten die hohe Wasserführung des Jahres 2016, Kostensenkungen im thermischen Erzeugungsbereich und ein gutes Ergebnis im Segment Netz. Der Zinsaufwand konnte laut Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber „deutlich“ reduziert werden – und nicht zuletzt griffen die Maßnahmen des laufenden konzernweiten Programms zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung.

ZKW-Chef Oliver Schubert plant auch für die kommenden Jahre mit mehr Mitarbeitern.

Die Jobmotoren

Unternehmen mit dem höchsten Mitarbeiterwachstum in Österreich 2016.

2016 war ein Rekordjahr für den Wieselburger Lichtsystem-Spezialisten ZKW, und das macht sich nicht zuletzt in massiver Aufstockung der Mannschaft bemerkbar. Geht es nach CEO Oliver Schubert, soll es so weitergehen: Am Standort Wiener Neustadt wird derzeit der Entwicklungskomplex erweitert – 175 weitere Mitarbeiter sollen hier demnächst Platz finden.

Unternehmen Mitarbeiter-Plus in Österreich
ZKW Group GmbH 30,50 %
Schlumberger Aktiengesellschaft 22,10 %
ENGEL AUSTRIA GmbH 16,70 %
Meusburger Georg GmbH & Co KG 13,90 %
FACC AG 13,80 %
CEO Chef Hannes Niederhauser treibt die Internationalisierung der S&T AG voran.

Die Globalisierenden

Unternehmen mit dem höchsten internationalen Mitarbeiterwachstum 2016.

Nur wenige heimische Unternehmen sind internationaler aufgestellt als die Linzer S&T AG. Neben sieben heimischen Standorten ist das Systemhaus in 25 Ländern vertreten. Und kauft kräftig zu: Zuletzt schluckten die Linzer die deutsche Kontron AG. Und erst vor wenigen Wochen kaufte die im TecDax gelistete S&T den Linux-Dienstleister Linforge.

Setzt vor allem auf Grundlagenforschung und Vorentwicklung: FACC-Vorstand Robert Machtlinger.

Die Neugierigen

Unternehmen mit der höchsten Steigerung der Forschungsausgaben 2016.

Der Fokus, betont FACC-Chef Robert Machtlinger, liege auf proprietären Eigenentwicklungen, erst in zweiter Linie gehe es um Kooperationen mit Kunden zur Optimierung von Produkten. Zehn Millionen Euro steckte der Rieder Aerospace-Zulieferer 2016 in Forschung und Entwicklung. Neben den Produkten selbst intensiviert FACC die Entwicklung bei Automatisierung und Prozess-Optimierung. Zuletzt entwickelte man in Ried ein neuartiges Prüfverfahren für Composite-Bauteile. FACC ist das weltweit einzige von Boeing zertifizierte Unternehmen, das diese Technologie im Serienbetrieb einsetzen darf.

Gab ein Viertel der Umsätze für F&E frei: ams-AG-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch.

Die Wissensdurstigen

Unternehmen mit der höchsten Forschungsquote 2016.

Sensorlösungen, Sensoren, Sensorschnittstellen: Knapp 700 Mitarbeiter forschen und entwickeln für die Kernmärkte der ams AG – und die ließ sich das im vergangenen Geschäftsjahr rund 139 Millionen Euro kosten, 30 Millionen mehr als im Jahr davor. Die Forschungsquote von über 25 Prozent toppte 2016 jene von Boehringer Ingelheim und von Infineon. Der Lohn unter anderem: die vierthöchste Zahl an Patenteinreichungen österreichischer Unternehmen beim Europäischen Patentamt.