Infrastruktur : Koralmtunnel im Rohbau fertig. Wie geht es weiter?
Licht im Tunnel: Koralmtunnel ist gut auf Schiene
- © Peter MartensDer 33 Kilometer lange Koralmtunnel ist im Rohbau fertiggestellt. Das gaben die ÖBB am Dienstag bekannt. Ab nun werde auch die Kärntner Seite des Tunnels mit moderner Bahntechnik versorgt, hieß es. Auf der steirischen Seite werden bereits seit dem vergangenen Jahr Gleise verlegt.
Auf Kärntner Seite geht es zunächst mit dem Erstellen des Tunnel-Randweges und des Banketts. Ab dem Spätsommer werden dann auch hier die ersten Gleistragplatten verlegt. Jede einzelne ist gut fünf Meter lang, bis zu 2,1 Meter breit und wiegt mehr als fünf Tonnen. Darauf werden die 120 Meter langen Schienenstücke befestigt. Insgesamt 66 Kilometer Gleise müssen verlegt werden, laut ÖBB-Projektleiter Klaus Schneider sind mehr als 20 Kilometer bereits geschafft.
Derzeit sind bis zu 400 Menschen beim Koralmtunnel im Einsatz. Bis zu zehn Triebfahrzeuge bringen die Mannschaften und das Material täglich in den Tunnel - sieben Tage die Woche im Mehrschichtbetrieb. Die Anlieferung der Gleistragplatten erfolgt dabei per Schiene. Die Betonteile werden bei der Produktionsstätte in Niederösterreich verladen und per Zug über die steirischen Portale direkt in den Koralmtunnel gebracht.
Die Verlegung der Schienen soll im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein. Danach werden zahlreiche technische Anlagen eingebaut, für den Erschütterungsschutz, den Lärmschutz, der Tunnelsicherheit, die Kommunikationseinrichtungen, die Signalisierung, elektronische Stellwerke und Technikgebäude. "Zum Schluss kommt die Oberleitung mit innovativer Deckenstromschiene. Sie sorgt dafür, dass Züge per Bahnstrom und mit bis zu 250 km/h unterwegs sein können", sagte Schneider.
Die Koralmbahn wird im Endausbau rund 130 Kilometer lang sein, inklusive 47 Tunnelkilometern, über 100 Brücken sowie 23 Haltepunkte. Die Inbetriebnahme ist für den Fahrplanwechsel 2025 vorgesehen. Die Koralmbahn zwischen Graz und Klagenfurt ist Teil der neuen Südstrecke und eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Europas. Ihr Herzstück ist der 33 Kilometer lange Koralmtunnel. Die Kosten des Gesamtprojekts belaufen sich auf rund 5,4 Mrd. Euro. Die Reisezeit zwischen Wien und Klagenfurt beträgt nach der Inbetriebnahme drei Stunden 30 Minuten. Ist erst der Semmering-Basistunnel 2028 fertig, reist man nur zwei Stunden und 40 Minuten.
Lesen Sie hier: Rückschlag für Seidenstraße? ÖBB verabschieden sich von Breitspurausbau
Semmering weit hinter Plan
Weniger planmäßig geht es beim Bau des zweiten großen Tunnels in Österreich zu. Seit April ist die Entstehungsgeschichte des Semmering-Basistunnels (SBT) jedenfalls um ein Kapitel reicher. Wie bekannt geworden ist, verschiebt sich die Inbetriebnahme auf 2030. Grund ist laut ÖBB ein "komplizierter Gebirgsaufbau", konkret eine geologische Störzone im Grassberg beim Vortrieb in Gloggnitz. Eine Verlängerung der Bauzeit sei unausweichlich. Das Projektvolumen erhöht sich auch aufgrund der Kostensteigerung für Material und Energie von 3,5 auf 3,9 Mrd. Euro.
Bisher war von einer Inbetriebnahme des SBT im Jahr 2028 ausgegangen worden. Der nunmehr neue Zeitplan fuße auf "eingehender Evaluierung der baulichen, technischen und geologischen Aspekte des Großprojektes", hieß es in einer Aussendung.
Die Prognose, dass die im Vorjahr beschlossenen und dann umgesetzten Sondermaßnahmen im Bereich Grassberg die technischen und geologischen Herausforderungen umfassend lösen würden, habe sich nicht erfüllt. Nun sei klar geworden, dass weitere Schritte gesetzt werden müssten. Verlängert werden die bisherigen Injektionsmaßnahmen im betroffenen Bauabschnitt. Dies geschehe, "bis eine stabile Durchquerung der Störzone mittels Bagger- und Sprengvortrieb sicher erfolgen kann".
Rund 23 der insgesamt 27,3 Kilometer des zweiröhrigen Tunnels wurden bereits gegraben, rechneten die ÖBB vor. Der SBT wird von fünf Stellen und 14 gleichzeitigen Vortrieben aus gebaut, vier der Vortriebe (alle im Fröschnitzgraben) sind bereits abgeschlossen.
Bereits 2020 startete der sogenannte Innenausbau der Tunnelröhren. Diese werden dabei mit einer Betoninnenschale ausgekleidet. Finaler Schritt ist die bahntechnische Ausrüstung mit Gleisen, Leitungen und technischen Anlagen.