IV Knill Industriestrategie : IV-Präsident Knill: "Wachstum ist kein Selbstläufer"

IV Knill Georg

IV Präsident Georg Knill: „Wer Wachstum, Investitionen und Beschäftigung will, muss den Mut haben, ineffiziente Strukturen zu reformieren“ 

- © IV

Die österreichische Industrie steht vor einem weiteren herausfordernden Jahr. Steigende Energiepreise, hohe Lohnstückkosten, zunehmende Regulierung und ein verschärfter internationaler Wettbewerb setzen Unternehmen von mehreren Seiten unter Druck. Die IV nutzt den Auftakt des 80-jährigen Bestandsjahres, um wirtschaftspolitische Forderungen zu formulieren. 

 

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Trotz der angespannten Lage bekennt sich IV-Präsident Georg Knill ausdrücklich zum Standort. „Wir bekennen uns ganz klar zum Standort Österreich“, betont er und verweist auf die historische Rolle der Industrie als Wohlstandsmotor. Seit Jahrzehnten habe sie mit gut bezahlten Arbeitsplätzen, Innovationen und Wertschöpfung maßgeblich zum Aufbau des Landes beigetragen. Dieses Engagement wolle man fortsetzen. Gleichzeitig macht Knill klar, dass Standorttreue keine Einbahnstraße sei: „Diese Standorttreue braucht auch eine Standortpolitik. Eine Politik, die zur Industrie steht“, sagt er. Denn Wachstum sei kein Selbstläufer.

Industriestrompreis als Standortfrage

Einen Schwerpunkt legt Knill auf die Energiekosten. Die Ankündigung Deutschlands, einen Industriestrompreis einzuführen, habe in Österreich für erhebliche Unruhe gesorgt – insbesondere in stromintensiven Branchen. „Ein wettbewerbsfähiger Industriestrom ist kein Sonderwunsch der Industrie, sondern eine zentrale Standortfrage“, sagt Knill. Vor diesem Hintergrund begrüßte er die rasche Reaktion der österreichischen Bundesregierung, einen vergleichbaren Mechanismus einzuführen und die Strompreiskompensation zu verlängern. Das sei ein wichtiges Signal für Planbarkeit und Investitionssicherheit.

Forschung darf kein Sparposten sein

Positiv bewertet der IV-Präsident auch das politische Bekenntnis zu Forschung, Technologie und Innovation. Das Ziel, die Forschungsquote bis 2030 auf vier Prozent zu steigern, sei „wichtig und richtig, um die Innovationskraft der Zukunft abzusichern“. Knill erinnert daran, dass rund zwei Drittel der Forschungsaufwendungen vom Unternehmenssektor getragen werden. Auch die Weiterentwicklung der Forschungsprämie müsse so erfolgen, dass deren internationale Attraktivität erhalten bleibe. „Dieser Standort-USP darf nicht eingeschränkt werden“, so Knill. Mittelfristig sei zudem der im Forschungsfinanzierungsgesetz vorgesehene Wachstumspfad wieder aufzunehmen, um die Innovationsfähigkeit nicht nachhaltig zu schwächen.

Fehlende Strukturreformen

Ein weiteres zentrales Anliegen der IV ist die Senkung der Lohnnebenkosten. Zwar ortet Knill hier ein grundsätzliches Bekenntnis der Politik, verweist aber auf offene Fragen in der konkreten Ausgestaltung. Entscheidend seien Details, Zeitpläne und die Finanzierung. Deutlich kritischer äußerte er sich zu den steigenden Staatsausgaben. Bei einer Quote von über 55 Prozent vermisse die Industrie echte Strukturreformen. „Wer Wachstum, Investitionen und Beschäftigung will, muss den Mut haben, ineffiziente Strukturen zu reformieren“, sagte Knill. Eine Gegenfinanzierung über zusätzliche Belastungen oder höhere Unternehmenssteuern sei „standortpolitisch definitiv der falsche Weg“.

Sechs Punkte für eine wirksame Industriestrategie

Über die bisherigen Eckpunkte der Industriestrategie hinaus formuliert Knill sechs konkrete Forderungen. Erstens brauche es klare Zielbilder für das Industrieland Österreich und messbare Leistungsindikatoren - KPIs. Zweitens forderte er „Investitionsanwälte“, etwa in Form erweiterter Innovationsbooster oder befristeter Superabschreibungen, um Investitionen zu beschleunigen. Drittens verlangte die IV ein Berichtspflichtmoratorium bis 2029 und eine spürbare Entbürokratisierung. „Weniger Verwaltung, mehr Wertschöpfung. Keine Lippenbekenntnisse, sondern echte Entlastung“, so Knill.

Viertens sieht die IV in der öffentlichen Beschaffung einen Hebel für Innovation und industrielle Skalierung. Der Staat könne hier vom Regulator zum Innovationspartner werden. Fünftens plädiert Knill für eine stärkere Nutzung industrieller Kooperationen im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich, um Wertschöpfung und Beschäftigung zu sichern. Und schließlich brauche es einen leistungsfähigen Kapitalmarkt, der ergänzend zur Bankenfinanzierung langfristiges Kapital für Transformation, Digitalisierung und Dekarbonisierung bereitstellt.