Philipp Blum über Industriestandort : Philipp Blum: "Populismus suggeriert einfache Antworten, die es so nicht gibt"
Philipp Blum: "Ohne EU können wir morgen gleich zumachen"
- © Darko TodorovicPhilipp Blum über die wirtschaftliche Entwicklung
Weit weg vom Niveau der Spitzenzeiten aus dem Jahr 2022, jedoch stabilisiert: So fasst Philipp Blum, geschäftsführender Gesellschafter des Beschlägeherstellers aus Höchst das aktuelle wirtschaftliche Bild zusammen. Das Unternehmen könne wieder etwas zuversichtlicher auf die nächsten Monate blicken. "Die Talsohle scheint durchschritten", sagt Blum. Wenn auch die Kaufzurückhaltung längst nicht überall in Europa positiveren Aussichten gewichen sei. Westeuropäische Märkte, etwa Skandinavien, würden aktuell extrem leiden, der Osten Europas dagegen entwickle sich recht positiv. Bei den Überseemärkten zeige sich ebenfalls ein diverses Bild: "USA hilft uns massiv, in Asien läuft es ebenfalls gut", sagt Blum.
Wie es in China weitergeht
Mit Ausnahme von China. Dort spüre Blum den massiven Marktbedarfsrückgang bei hochwertigen Beschlägen. "Chinesische Lieferanten kommen dort aktuell viel eher zum Zug als wir", sagt Blum. Wann sich die Situation drehe, könne er nur mutmaßen. "Mittelfristig wird China für uns weiterhin eine wichtige Rolle spielen", sagt der Manager, der das Unternehmen mit seinem Cousin Martin in dritter Generation führt. Einstweilen tue man, was das Unternehmen auszeichne: Die Kundennähe weiter zu erhöhen und in neuen - auch digitalen - Technologien und Services "Wertschöpfung zu generieren".
Über natürliche Fluktuation angepasst
So seine Gedanken macht sich Philipp Blum dieser Tage über die Beschaffenheit des Wirtschaftsstandorts Österreich. Blum ist kein Krakeeler, der sofort mit Abwanderung droht. "Wir werden auch noch übermorgen hier sein", sagt er. Es liege ihm auch nichts ferner, als den Wirtschaftsplatz krankzujammern. Es gebe immer Möglichkeiten. So wurden an den Vorarlberger Standorten des Unternehmens in den letzten Monaten keine Kündigungen ausgesprochen, sondern es wurde im Produktionsumfeld über natürliche Fluktuation angepasst. Eine Maßnahme, die sich in einem großen Unternehmen doch bemerkbar macht. Die Zahl der Mitarbeiter liegt heute rund 400 unter der Zahl 2023.
CBAM begünstigt Mitbewerb außerhalb der EU
Mit lokalen Lieferanten, die weniger flexible Masse hätten, um mit Auftragsrückgängen zu hantieren, würde Blum versuchen, "partnerschaftliche Lösungen zu finden", sagt der Manager. Man leiste in der Lieferkette "seinen Beitrag". Doch bei den Kostensteigerungen der letzten Monate - etwa den Rohmaterialpreisen und den um ein Drittel gestiegenen Lohnkosten - und dem auch innerhalb der EU vollzogenen Bürokratieaufbau müsse auch er schlucken, sagt Blum. So würde CBAM, das neue Klimaschutzinstrument der EU, Mitbewerber von Blum, die außerhalb der EU Beschläge fertigen und diese in die EU einführen, unverhältnismäßig begünstigen."Es würde schon helfen, wenn diese Unternehmen auch in die Bepreisung fielen", meint Blum.
Absage an Populismus
"Faktenbasierte gute Lösungen" sind es also, die er sich auf europäischer Ebene wünscht. Und die er auch auf nationaler Ebene als erstrebenswert erachtet. "Mit Populismus, der Überhand nimmt und einfache Antworten suggeriert, die es so nicht gibt, tue ich mir schwer", sagt Blum. Jene Form der sozialpartnerschaftlichen Kompromissfindung, bei der die besten Ideen am Tisch liegen und verhandelt werden, habe Österreich immer gut gestanden. "Wir müssen aufpassen, dass klassenkämpferische Töne nicht das gesellschaftliche Klima vergiften", sagt Blum. Ein bloßes Lippenbekenntnis Österreichs zur europäischen Idee halte er für brandgefährlich. "Ohne EU können wir morgen gleich zumachen", so Blum.