Hilscher : Hilscher-CEO: Warum die vernetzte Industrie neue Lösungen braucht

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„Wir übernehmen die komplette Verantwortung für die industrielle Kommunikation.“ Sebastian Hilscher, CEO Hilscher

- © Hilscher

Maschinen, Sensoren, Antriebe und Steuerungen müssen Daten zuverlässig austauschen über unterschiedliche industrielle Netzwerke und Protokolle hinweg. Genau auf diese Aufgabe hat sich die Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH spezialisiert. 

 

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Das Unternehmen entwickelt Technologien für die industrielle Kommunikation und begleitet seine Kunden dabei von der Hardware über die Software bis zur Vernetzung mit Cloud-Anwendungen. Herzstück ist die Multiprotokoll- Technologie netX. Rund 25 Millionen Netzwerkknoten hat das Unternehmen bereits mit netX-Technologie im Feld vernetzt. 

Die heutige Position des Unternehmens ist das Ergebnis mehrerer technologischer Richtungswechsel. Gegründet wurde Hilscher vor rund 40 Jahren von Sebastian Hilschers Vater Hans-Jürgen Hilscher, seit 2020 führt der Sohn das Unternehmen in zweiter Generation. „In dieser Zeit hat sich Hilscher im Prinzip alle zehn Jahre neu ausgerichtet“, sagt Sebastian Hilscher. Begonnen habe das Unternehmen mit einem reinen Projektgeschäft rund um Bus-Kommunikation und die Entwicklung erster Bus-Verbindungen. Danach folgte der Schritt zu eigenen Produkten und Bus-Systemen für die industrielle Vernetzung. Hilscher entwickelte sich zum Marktführer bei industriellen PCKarten und reagierte anschließend auf die zunehmende Notwendigkeit, Industrie-PCs direkt mit der Sensorik zu verbinden. Der nächste Entwicklungsschritt führte zum eigenen Multiprotokoll- Chip, der unter anderem in Sensorik und Antrieben eingesetzt wird. „Mit der netX-Technologie haben wir neue Maßstäbe in der Industriekommunikation gesetzt“, sagt Hilscher. Die technologische Idee dahinter: Eine einheitliche Plattform soll unterschiedliche industrielle Kommunikationsprotokolle abdecken und damit Herstellern die aufwendige Beschäftigung mit einzelnen Kommunikationsstandards abnehmen. 

Zu den Kunden zählen vor allem Hersteller von Sensoren, Steuerungen und Antrieben. Deren Entwicklungsarbeit konzentriere sich in erster Linie auf die Funktion und Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte, während die Kommunikation zwischen den Komponenten nicht zum eigentlichen Kerngeschäft gehöre. „Genau hier kommen wir ins Spiel: Wir sorgen dafür, dass die Daten zuverlässig dort ankommen, wo sie gebraucht werden“, erklärt Hilscher. 

Dabei verfolgt das Unternehmen einen umfassenden Ansatz. Hilscher liefert nach eigenen Angaben nicht nur Kommunikationschips, sondern auch die dazugehörige Hard- und Software sowie ergänzende Services, z.B zur Zertifizierung von Kommunikationslösungen. „Uns unterscheidet vom Wettbewerb, dass wir die komplette Verantwortung für die industrielle Kommunikation übernehmen“, sagt Hilscher. Ein Motorenhersteller solle sich beispielsweise auf die Entwicklung seines Antriebs konzentrieren können, während Hilscher dafür sorgt, dass dieser zuverlässig mit anderen Systemen kommuniziert. Besondere Bedeutung gewinnt dieses Zusammenspiel beim Thema Cybersecurity. Sicherheit könne nicht isoliert auf Ebene einzelner Komponenten betrachtet werden, sondern entstehe durch das abgestimmte Zusammenspiel von Hardware und Software. Hilscher versteht seinen Ansatz deshalb ausdrücklich nicht als Lieferung einzelner Bausteine, sondern als Gesamtlösung für eine sichere und zuverlässige industrielle Vernetzung. Zusätzlichen Druck erzeugen regulatorische Anforderungen. „Ein großes Thema ist aktuell Security, vor allem mit Blick auf den Cyber Resilience Act in der EU“, sagt Hilscher. 

netX schafft eine einheitliche Plattform für die industrielle Kommunikation

- © Hilscher

Nachfrage zieht wieder an

Parallel dazu verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Unternehmen registriert zunehmenden Preisdruck aus China sowie neue Herausforderungen durch Zölle und veränderte Lieferketten. Produktionsstandorte und Lieferwege müssten deshalb flexibler organisiert werden. Unternehmen seien stärker als früher darauf angewiesen, kurzfristig auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Hilscher verbindet damit seinen One-Stop-Shop-Ansatz. Gerade weil industrielle Kommunikation stark von Standards geprägt sei, biete sie den Geräteherstellern selbst nur geringe Möglichkeiten zur Differenzierung. „Unsere Aufgabe ist es, diese Standards zuverlässig abzudecken“, sagt Hilscher. Kunden könnten unterschiedliche Kommunikationsprotokolle einsetzen, ohne die technische Komplexität dahinter selbst beherrschen zu müssen. „Sie können sich auf ihre eigentlichen Innovationen konzentrieren und wir sorgen dafür, dass die Kommunikation einfach funktioniert.“ 

Operativ hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren deutliche Ausschläge erlebt. Hilscher beschäftigt aktuell mehr als 400 Mitarbeiter weltweit und erzielt einen Umsatz zwischen 70 und 100 Millionen Euro. Von 2020 bis 2023 wuchs der Umsatz nach Angaben des CEO jährlich bis zu 30 Prozent. Die damalige Entwicklung war stark von der Sorge um knappe Bauteile geprägt. Kunden bauten Lagerbestände auf, anschließend waren die Lager voll. Mittlerweile verzeichnet Hilscher wieder eine deutlich anziehende Nachfrage. Besonders deutlich zeigte sich das zu Jahresbeginn. Nachdem im Januar und Februar erneut über eine mögliche Verknappung bei einigen Bauteilen berichtet worden war, hätten Kunden ihre Bestellungen erheblich ausgeweitet. „Insgesamt verzeichnen wir dieses Jahr allerdings ein sehr robustes Wachstum“, sagt Hilscher. 

Rund 25 Millionen Netzwerkknoten hat das Unternehmen bereits mit netX-Technologie im Feld vernetzt.

- © Hilscher

Wachstum jenseits der Fabrikautomation

Neue Wachstumsmöglichkeiten sieht der CEO zugleich außerhalb des klassischen Kernmarktes. Dieser liegt bislang in der Fabrikautomation, wo die Lösungen weltweit in Antrieben, Sensoren und Steuerungen eingesetzt werden. Technologien, die dort seit Jahrzehnten etabliert sind, finden nach Hilschers Beobachtung zunehmend Eingang in andere Branchen – darunter Prozessautomatisierung, Medizintechnik und Defense. Der verbindende Faktor ist der steigende Bedarf an Vernetzung und Digitalisierung. Viele dieser Märkte greifen dabei auf Kommunikationstechnologien zurück, die sich in industriellen Anwendungen bereits über lange Zeit bewährt haben. 

Langfristig erwartet Hilscher eine weitere Annäherung bislang getrennter Märkte. „In der Fabrikautomatisierung haben wir viele Herausforderungen hinsichtlich Kommunikationstechnologie bereits bewältigt. Davon können diese Märkte nun profitieren.“ Gleichzeitig werde Security weiter an Bedeutung gewinnen. Intern liegt der Fokus deshalb auf einer engeren internationalen Zusammenarbeit. Hilscher hat dafür nach Angaben des CEO seine Strukturen weiterentwickelt und will die weltweiten Standorte stärker miteinander vernetzen. Ziel ist es, global tätige Kunden einheitlich zu unterstützen und die eigene Technologie in weiteren Märkten zu etablieren.

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ZUM UNTERNEHMEN

Die Hilscher Gesellschaft für Systemautomation wurde 1986 in Hattersheim am Main gegründet und beschäftigt heute mehr als 400 Mitarbeiter an zwölf Standorten weltweit. Das Unternehmen entwickelt und produziert Technologien für die industrielle Kommunikation. Kern ist die multiprotokollfähige netXPlattform mit einheitlichen Schnittstellen und Konfigurationsprogrammen. Mit netFIELD bietet Hilscher zudem eine IIoT-Dateninfrastruktur samt Managementplattform vom Gerät bis in die Cloud. Zum Portfolio zählen außerdem PC-Karten, Embedded-Module, Gateways und Edge Gateways, Analyse- und Datenerfassungstools, Software, Betriebssysteme und Security-Applikationen.

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