Sandoz Stellenabbau : Sandoz in Tirol: Trotz Millionen-Investition folgt jetzt die nächste Stilllegung

ABD0168_20240321 - KUNDL - ?STERREICH: ++ HANDOUT ++ ZU APA0296 VOM 21.3.2024 - Abf?llung und Verpackung von oralen Penicillinen, aufgenommen in der neuen Produktionsanlage des Generika-Herstellers Sandoz in Kundl. Der Generika-Hersteller Sandoz mit Sitz im Tiroler Kundl (Bezirk Kufstein) hat am Mittwoch, 21. M?rz 2024 eine weitere Anlage zur Herstellung von Antibiotika er?ffnet. Mit der 50 Mio. Euro teuren Produktionsst?tte soll die Kapazit?t um 20 Prozent gesteigert werden. - FOTO: APA/SANDOZ - ++ WIR WEISEN AUSDR?CKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GR?NDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DEM ANGEF?HRTEN ZWECK UND REDAKTIONELL ERFOLGEN DARF - VOLLST?NDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND ++

Bei Sandoz in Tirol kommt es nach dem bereits bekannten Stellenabbau in Kundl nun zum nächsten Einschnitt: In Langkampfen/Schaftenau wird die Thyronin-Produktion bis Ende 2026 eingestellt.

- © APA/SANDOZ

Beim Pharmakonzern Sandoz in Tirol wird nach dem bereits bekannt gewordenen Stellenabbau in Kundl nun eine weitere, wenn auch deutlich kleinere Stilllegung konkret: Am Standort Langkampfen/Schaftenau im Bezirk Kufstein wird die Produktion des Wirkstoffs Thyronin eingestellt. Nach Unternehmensangaben sind davon 30 Beschäftigte betroffen. Für einen größeren Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien bereits alternative Positionen gefunden worden, für die übrigen liefen Gespräche mit dem Betriebsrat. Sandoz hofft nach eigenen Angaben, bis Ende 2026 eine Lösung zu finden. Die Belegschaft sei schon vor rund einem Jahr darüber informiert worden, dass die Thyronin-Produktion mit Ende 2026 auslaufen werde.

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Das Unternehmen begründet die Entscheidung mit der wirtschaftlichen Lage des Produkts. Bei Thyronin handle es sich um einen vergleichsweise kleinen Produktionsstrang mit geringem Volumen. Zugleich seien Nachfrage und Preise auf dem Weltmarkt zurückgegangen. In Verbindung mit hohen Fixkosten sei die Herstellung daher „wirtschaftlich nicht mehr tragbar“. Stillgelegt werden sollen nach diesen Angaben nicht nur die Produktionsanlagen selbst, sondern auch Lagertanks und dazugehörige Nebenräume. Thyronin ist eine Grundsubstanz für verschiedene Schilddrüsenhormone.

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Sandoz in Tirol: Nach Kundl wächst der Druck weiter

Die neuerliche Ankündigung fällt in eine Phase, in der der Tiroler Sandoz-Standort ohnehin unter besonderer Beobachtung steht. Bereits Mitte März war bekannt geworden, dass das Development Center in Kundl geschlossen werden soll. Nach Darstellung des Unternehmens betrifft dieser Schritt die Entwicklungsorganisation für generische Arzneimittel, nicht jedoch den Antibiotika-Produktionsstandort. Sandoz sprach damals von rund 100 betroffenen Beschäftigten. Der Betriebsrat nannte hingegen eine deutlich höhere Zahl und warnte, insgesamt könnten 170 bis 190 Stellen auf dem Spiel stehen. Das Unternehmen bestätigte diese höhere Schätzung nicht, wies aber auf laufende Gespräche mit dem Betriebsrat hin.

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Als Begründung für die Schließung des Development Centers nannte Sandoz die Notwendigkeit, wettbewerbsfähig zu bleiben und die Organisation zukunftsorientiert aufzustellen. Gerade dieser Verweis auf wirtschaftliche Zwänge sorgt in Tirol jedoch für politischen Widerspruch. Hintergrund ist, dass der Konzern in den vergangenen Jahren erhebliche öffentliche Unterstützung für den Standort erhielt und zugleich massiv in die Antibiotikaproduktion in Kundl investierte. Die Kritik von SPÖ und Gewerkschaft entzündete sich deshalb vor allem an der Frage, wie ein Unternehmen, das öffentliche Mittel für den Standort erhalten hat, parallel Stellen abbauen könne.

Der Sandoz-Standort in Tirol steht erneut im Fokus: Nach dem Stellenabbau in Kundl wird nun auch in Langkampfen/Schaftenau eine Produktion eingestellt.

- © Novartis

200 Millionen Euro für Kundl – und trotzdem neue Unruhe

Tatsächlich zählt Sandoz weiterhin zu den wichtigsten Industriebetrieben des Landes. Laut Unternehmensangaben beschäftigt Sandoz in Österreich rund 2.700 Menschen an den Standorten Kundl, Kufstein und Wien; allein in Kundl arbeiten demnach etwa 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Tiroler Standort spielt zudem für die europäische Arzneimittelversorgung eine strategische Rolle. Sandoz verweist darauf, in Europa über das einzige große vertikal integrierte Produktionsnetzwerk für Penicilline zu verfügen. Kundl gilt damit als Schlüsselstandort für die Versorgung mit essenziellen Antibiotika.

Noch im März 2024 hatte Sandoz in Kundl eine neue Antibiotika-Produktionsanlage eröffnet. Diese Erweiterung ist Teil eines Investitionspakets von insgesamt 200 Millionen Euro für den Standort. Nach Unternehmensangaben sollte damit die Penicillin-Wirkstoffproduktion modernisiert und die Kapazität bei fertigen Antibiotika erhöht werden. Sandoz sprach damals davon, Patientinnen und Patienten in mehr als 100 Ländern zu versorgen; die jüngste Investition von 50 Millionen Euro sollte die jährliche Produktionskapazität von 200 auf 240 Millionen Packungen steigern.