Halbleiter : KI-Boom treibt ASML an: Anlagenbauer hebt Wachstumsziel erneut an

Die Headquarters von Maschinenbauer und Chipausrüster ASML in Veldhoven, Niederlande, Chip export on China equipment

Die Headquarters von Maschinenbauer und Chipausrüster ASML in Veldhoven, Niederlande

- © A ansems, Gemeinfrei

Die anhaltend hohe Nachfrage nach besonders leistungsfähigen Computerchips hat ASML im ersten Quartal ein unerwartet kräftiges Umsatzwachstum beschert. Der niederländische Spezialmaschinenbauer hob daraufhin seine Wachstumsziele für das Gesamtjahr bereits zum zweiten Mal binnen weniger Monate an. "Die Chip-Nachfrage übersteigt das Angebot", sagte Konzernchef Christophe Fouquet am Mittwoch. "Als Reaktion darauf treiben unsere Kunden ihre Pläne zum Ausbau der Produktionskapazitäten voran."

 

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Für 2026 erwartet das Unternehmen nun Erlöse von 36 bis 40 Milliarden Euro, nachdem bisher 34 bis 39 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 8,77 Milliarden Euro. Der Reingewinn erhöhte sich um mehr als 17 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro. Für das laufende Quartal stellt Fouquet Erlöse von 8,4 bis 9 Milliarden Euro in Aussicht.

Erwartete Prognoseanhebung

An den Märkten war die neuerliche Anhebung der Prognose nach mehreren positiven Entwicklungen der vergangenen Monate bereits erwartet worden, wie Börsianer erklärten. ASML hatte sich zuletzt unter anderem milliardenschwere Aufträge von den Chipkonzernen SK Hynix und Samsung gesichert. Dennoch trennten sich einige Anleger von ASML-Aktien. Auf der Handelsplattform Tradegate gaben die Titel vorbörslich um rund drei Prozent nach. In den Tagen zuvor hatten sie insgesamt etwa 15 Prozent gewonnen.
 

ASML: Europas mächtigste Superwaffe im eskalierenden Chipkrieg


Fouquet betonte, dass der Ausblick mögliche Einbußen durch die geplante weitere Verschärfung der US-Beschränkungen für Hochtechnologie-Exporte nach China bereits einbeziehe. Die USA wollen damit den technologischen und militärischen Aufstieg der Volksrepublik bremsen. Auf Druck aus Washington hatte die niederländische Regierung ASML bereits den Export der neuesten Maschinengeneration nach China untersagt. 

Künftig könnten auch ältere Modelle unter das Verbot fallen. Zudem könnte der Konzern bereits verkaufte Maschinen dann nicht mehr warten. Im vergangenen Jahr erzielte ASML ein Drittel seines Umsatzes in China. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang dieses Anteils auf 20 Prozent. Sollten die US-Pläne umgesetzt werden, könnte Schätzungen zufolge rund die Hälfte des verbleibenden Geschäfts in der Volksrepublik wegfallen.

Weltweit führender Anbieter

ASML gilt als weltweit führender Anbieter von Lithographie-Maschinen, mit denen Leiterbahnen für Computerchips auf Siliziumscheiben belichtet werden. Das wichtigste Produkt des Konzerns sind sogenannte EUV-Anlagen. EUV steht für extrem ultraviolettes Licht. Mit dieser Technologie lassen sich mikroskopisch feine Strukturen erzeugen, die für leistungsstarke Prozessoren erforderlich sind. Die Maschinen erreichen die Größe eines Doppeldeckerbusses und kosten pro Stück mehrere hundert Millionen Euro.