Derzeit arbeitet das Unternehmen daran, die nächste Zertifizierungsstufe zu erreichen – den Schritt in die „Q3-Klasse“. Damit wäre Winkelbauer für nahezu alle Defence-Projekte innerhalb der EU und insbesondere in Deutschland zugelassen. „Wir sind schon mittendrin im Prozess“, sagt Winkelbauer. Das Material wird getestet, beschossen, die Mitarbeiter werden geschult. Der bürokratische Aufwand ist groß: Jedes Materiallos, das für Defence-Komponenten verarbeitet wird, wird von einem Vertreter der deutschen Bundeswehr in Schweden abgenommen und erhält eine individuelle Nummer. Diese Rückverfolgbarkeit zieht sich über den gesamten Fertigungsprozess. „Das verlängert die Lieferzeiten“, sagt Winkelbauer. „Wenn wir Material ohne Bundeswehrfreigabe bestellen, dauert es halb so lange“, sagt er. Dennoch sieht das Unternehmen die strengen Anforderungen nicht als Hindernis, sondern als strategische Investition.
Was in Deutschland längst Realität ist, steckt in Österreich noch in den Anfängen. Winkelbauer kritisiert, dass es hierzulande keine eigenständige Prüfinstanz für Defence-Zertifizierungen gibt. „Bis vor kurzem musste jeder österreichische Betrieb einen deutschen Auditor einfliegen lassen“, erklärt er. „Erst jetzt dürfen in Österreich die ersten Stellen die Einstiegsstufe der DIN 2303 abnehmen – aber auch nur diese“, sagt er. Der Mangel an nationalen Strukturen betrifft auch Förderprogramme. „Wenn man bei Förderstellen anruft und das Wort ‚Rüstung‘ erwähnt, ist das Gespräch meist schnell vorbei“, sagt Winkelbauer. Wie viele österreichische Defence-Zulieferer sieht auch Winkelbauer in industriellen Kooperationen und Gegengeschäften den entscheidenden Hebel. „Andere Länder fordern klare Prozentsätze, was im Land produziert werden muss. Österreich tut das nicht – und verschenkt damit Wertschöpfung“, so Winkelbauer.
Die enge Partnerschaft mit dem schwedischen Stahlproduzenten und die jahrzehntelange Erfahrung im Maschinenbau machen den Familienbetrieb zu einem gefragten Partner – auch für internationale OEMs. „Wir arbeiten seit Jahren mit Liebherr, Siemens und Caterpillar zusammen“, sagt Winkelbauer. Diese OEM-Erfahrung helfe, mit den großen Defence-Konzernen auf Augenhöhe zu agieren. Und: „Wir sind es gewohnt, in unplanbaren Märkten zu arbeiten“, meint Winkelbauer mit Blick auf die Baukonjunktur. Verglichen damit sei der Defence-Sektor "fast planbar".