Steuerliche Außenprüfung : Betriebsprüfung ohne Bauchweh – Praxistipps für Geschäftsführer
Betriebsprüfungen werden oft als Einbahnstraße wahrgenommen – Fokus auf Mehrergebnisse und Nachzahlungen. Tatsächlich sind Prüfer jedoch verpflichtet, Sachverhalte ergebnisoffen zu würdigen.
- © vivoo - stock.adobe.comWas ist eine Betriebsprüfung?
Die Betriebsprüfung (steuerliche Außenprüfung) ist eine systematische Kontrolle durch das Finanzamt. Geprüft wird, ob steuerliche Pflichten – etwa bei Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer oder Forschungsprämie – vollständig und korrekt erfüllt wurden. In der Praxis umfasst eine Prüfung meist mehrere vergangene Jahre und beginnt in der Regel mit einer schriftlichen Ankündigung. Nach Durchsicht der Unterlagen folgt am Ende eine Schlussbesprechung, auf deren Basis neue Abgabenbescheide erlassen werden können.
Praxistipps aus der Beratung
1. Ruhe bewahren – Struktur gewinnt
Hektik ist der schlechteste Ratgeber. Eine Betriebsprüfung folgt klaren gesetzlichen Abläufen. Klare Zuständigkeiten, ein definierter Ansprechpartner und strukturierte Unterlagen schaffen von Beginn an Vertrauen. Auch eine klare Dokumentation welche Unterlagen übermittelt bzw Fragen beantwortet wurden sollte erfolgen.
2. Prüfungsauftrag genau lesen
Welche Abgabenarten? Welche Zeiträume? Der Prüfungsauftrag gibt den Rahmen vor. Alles außerhalb dieses Rahmens sollte gezielt hinterfragt werden – sachlich, aber bestimmt und im Zweifel auch zurückgestellt werden.
3. Vorbereitung schlägt Verteidigung
Eine saubere Buchhaltung, nachvollziehbare Prozesse und vollständige Dokumentationen (zB zu Verrechnungspreisen, Förderungen oder Rückstellungen) sind der beste Schutz. Nacharbeiten „unter Zeitdruck“ erhöhen das Fehlerrisiko deutlich.
4. Kommunikation steuern
Nicht jede Frage muss sofort beantwortet werden. Sachverhalte dürfen – und sollen – geprüft werden, bevor Auskünfte erteilt werden. Unkoordiniertes „Nebenbei-Reden“ kann unnötige Probleme schaffen. Eine Abstimmung mit einem Steuerberater schafft Klarheit für Sie und ihr Unternehmen.
Checkbox
Vor der Prüfung
□ Prüfungsauftrag prüfen
□ Selbstanzeige erforderlich
□ Ansprechpartner bestimmen
□ Unterlagen & Daten vorbereiten
□ Internen Plausibilitätscheck durchführen
Während der Prüfung:
□ Strukturierte Übergabe der Unterlagen (Sichtung VOR Übermittlung)
□ Rückfragen systematisch beantworten
□ Fristen im Blick behalten
□ (steuerliche) Auswirkungen der Feststellungen im Auge behalten
Abschluss der Prüfung:
□ Entwurf der Feststellungen kritisch prüfen
□ BP-Bescheide & BP-Bericht prüfen
5. Zu Lasten und zu Gunsten
Betriebsprüfungen werden oft als Einbahnstraße wahrgenommen – Fokus auf Mehrergebnisse und Nachzahlungen. Tatsächlich sind Prüfer jedoch verpflichtet, Sachverhalte ergebnisoffen zu würdigen. Das bedeutet: Auch steuerliche Vorteile für den Steuerpflichtigen sind zu berücksichtigen. In der Praxis geschieht das aber nur, wenn entsprechende Informationen, Unterlagen und Argumente aktiv eingebracht werden. Wer etwa bislang nicht genutzte Abschreibungspotenziale, falsch behandelte Rückstellungen oder zu vorsichtige Steuerpositionen sachlich darlegt, kann die Prüfung nicht nur entschärfen, sondern mitunter sogar steuerlich verbessern. Passive Zurückhaltung verschenkt hier Potenzial.
6. Schlussbesprechung aktiv nutzen
Die Schlussbesprechung ist kein Formalakt. Sie ist die letzte Gelegenheit, Argumente einzubringen, Missverständnisse aufzuklären und Feststellungen einzuordnen. Hier entscheidet sich oft, ob aus Abweichungen Nachzahlungen oder nur Klarstellungen werden. Auch hier ist eine gute Vorbereitung Pflicht, der Spielraum muss vorher intern abgesteckt sein und der Verhandlungsspielraum geklärt sein. Unternehmen sollten sich auch vor der Schlussbesprechung im klaren sein, wie hoch potentielle Nachzahlungen ausfallen könnten.
Fazit
Die Betriebsprüfung ist kein Misstrauensvotum, sondern Teil des unternehmerischen Alltags. Wer sie professionell vorbereitet und begleitet, reduziert Risiken, spart Kosten – und signalisiert steuerliche Compliance auf Augenhöhe.
Autor: Andreas Mitterlehner, MSc. LL.B. ist Steuerberater und Partner der ICON Wirtschaftstreuhand GmbH, Linz und Wien
Hektik ist der schlechteste Ratgeber. Eine Betriebsprüfung folgt klaren gesetzlichen Abläufen. Klare Zuständigkeiten, ein definierter Ansprechpartner und strukturierte Unterlagen schaffen von Beginn an Vertrauen.
Andreas Mitterlehner, Steuerberater und Partner ICON Wirtschaftstreuhand
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