Zühlke : CTO Circle Austria: Quo vadis Produktentwicklung?
Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion am CTO Circle Austria: Über die Frage, wie die industrielle Produktentwicklung in Österreich fit für die Zukunft wird, diskutierten (v. li.) Wolfgang Knotz, CTO Durst Group, Alexander Fleischanderl, CTO Primetals Technologies, Lena Schacherleitner, Geschäftsführerin SEMA Maschinenbau, Daniel Tomaschko, CTO Plasser & Theurer und Andreas Pfleger, Managing Director Industrial & Consumer Products Zühlke. Moderation (ganz links): Maria Wedenig, Managing Partner bei ikp Wien.
- © Zuehlke Engeneering GmbHDie österreichische Industrie steht unter Druck: Die konjunkturelle Lage bleibt angespannt, Energie- und Standortkosten belasten die Margen, und zugleich drängen vor allem chinesische Wettbewerber mit hoher Entwicklungsgeschwindigkeit und aggressiven Preisen auf die Weltmärkte. Wer im Maschinen- und Anlagenbau bestehen will, muss seine Produktentwicklung daher grundlegend neu denken. Wie das gelingen kann, war die zentrale Frage des ersten CTO Circle Austria, zu dem der Innovationsdienstleister Zühlke gemeinsam mit dem Mechatronik-Cluster und dem INDUSTRIEMAGAZIN am 30. Juni 2026 ins LIT Open Innovation Center in Linz lud. Im Zentrum stand die Erkenntnis: Hardware, Software und Geschäftsmodell lassen sich in der Produktentwicklung nicht länger getrennt denken – sie müssen strategisch zusammenwachsen.
Impulse aus Studie und Praxis
Nach der Begrüßung durch Rainer Steinlesberger, CEO von Zühlke Österreich, Beatrice Schmidt, Geschäftsführerin FM FORUM Industrie Medien und Wolfgang Steiner, Manager Mechatronik-Cluster Business Upper Austria, machte eine Keynote von Christian Titze, Chefanalyst und Forschungsleiter Lieferketten, Technologie und Märkte bei Gartner den inhaltlichen Auftakt. Titze machte mit aktuellen Zahlen den Wandel der industriellen Produktentwicklung greifbar: Durch die Entkopplung von Hardware und Software wird eine parallele Entwicklung möglich, die die Markteinführung um bis zu 40 Prozent beschleunigt – zwischen 2026 und 2030 werden rund 30 Prozent der Hersteller PLM-basierte digitale Threads nutzen. Zugleich steht der Aufstieg agentenbasierter KI bevor: Koordinieren halbautonome KI-Agenten heute erst zwei Prozent der Produktionsabläufe sowie Qualitäts- und Wartungsanwendungen, werden es bis 2030 bereits zehn Prozent sein.
Die Umstellung auf autonome KI hat allerdings ihren Preis: Bis zum Ende des Jahrzehnts ist mit einem geschätzten Anstieg der Kosten für Kernsysteme um 40 Prozent zu rechnen, da Anbieter „Maschinenbenutzer“ in ihre Preismodelle einbeziehen.
Wie sich Produktentwicklung verändern muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben, zeigte anschließend Andreas Pfleger, Managing Director Industrial & Consumer Products Zühlke im Vortrag „Quo vadis Produktentwicklung“ gemeinsam mit Wolfgang Knotz, CTO Durst, am Best Practice Beispiel der Durst Group: Das Südtiroler Unternehmen feiert heuer 90 Jahre Ingenieurskunst – und steht zugleich an der Schwelle zur nächsten Evolutionsstufe. Sie trägt den Namen Kyveris™, die KI-gestützte Intelligenz für die digitale Produktion. Durst möchte den digitalen Druck und die additive Fertigung transformieren, indem Dateien, Maschinen, Software, Daten und KI zu einem autonomen Produktionssystem vereint werden, das kontinuierlich lernt, die Leistung optimiert, Ausschuss reduziert und die Effizienz im industriellen Maßstab steigert.
Podiumsdiskussion: Produktentwicklung der Zukunft
Bei der anschließenden, hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion diskutierten Lena Schacherleitner, Geschäftsführerin SEMA Maschinenbau, Wolfgang Knotz, CTO Durst Group, Daniel Tomaschko, CTO Plasser & Theurer, Alexander Fleischanderl, CTO Primetals Technologies und Andreas Pfleger (Zühlke) unter der Moderation von Maria Wedenig, Managing Partner bei ikp Wien über die Produktentwicklung der Zukunft. In der lebendigen Diskussion ging es um die Frage, wie die industrielle Produktentwicklung in Österreich fit für die Zukunft wird. Die Diskutantinnen und Diskutanten gaben offene Einblicke in ihre Praxis – von den aktuellen Pain Points am Standort über den wachsenden Softwareanteil im Produkt bis zur Frage, welche KI-Use-Cases tatsächlich messbaren Impact liefern. Deutlich wurde dabei das Spannungsfeld zwischen strategischem Anspruch und operativer Realität, in dem sich viele Unternehmen derzeit bewegen. Heiß diskutiert wurde auch, wo künftig der größte Wert industrieller Produkte entsteht und wie europäische Hersteller auf die preisaggressive Konkurrenz aus Asien reagieren können – etwa indem Systeme künftig weniger über Qualität und Funktionsumfang punkten, sondern darüber, wie schnell sie lernen und sich anpassen.
„Die Produktentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau steht an einem Wendepunkt: Wer Hardware, Software und Geschäftsmodell weiterhin getrennt denkt, verliert an Geschwindigkeit – und damit an Wettbewerbsfähigkeit. Die gute Nachricht ist: Österreichs Industrie hat das technologische Know-how und den Innovationswillen, diesen Wandel aktiv zu gestalten“, betont Andreas Pfleger, Managing Director Industrial & Consumer Products Zühlke.
Austausch auf Augenhöhe
Beim anschließenden Networking nutzten die Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Mit dem CTO Circle Austria hat Zühlke eine Plattform geschaffen, auf der Technologieverantwortliche der österreichischen Industrie Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam Antworten auf die strategischen Fragen der Produktentwicklung finden.
Der CTO Circle Austria
Der CTO Circle Austria
Die von Zühlke Österreich initiierte Plattform bringt Technologieverantwortliche der österreichischen Industrie zusammen, um zentrale Herausforderungen der Produktentwicklung zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Premiere war am 30. Juni 2026 im LIT Open Innovation Center in Linz, Mitveranstalter waren der Mechatronik-Cluster und das INDUSTRIEMAGAZIN.
Führungskräfte aus Technologie und Produktentwicklung teilen Einblicke aus der Praxis, diskutieren Best Practices und entwickeln gemeinsam Ansätze für eine wettbewerbsfähige industrielle Produktentwicklung am Standort Österreich.