Herbert Kickl als Kanzler : Helmut Schwarzl über Kickl-Koalition: "Ohne echte Reformen sehe ich schwarz"

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Helmut Schwarzl, Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Präsidiumsmitglied der IV Niederösterreich, hatte auf ein Zustandekommen der "Zuckerlkoalition" gehofft. 

- © FCIO/APA-Fotoservice/Reither

Helmut Schwarzl: Auf "Zuckerlkoalition" gehofft.

Bis zuletzt hatte Helmut Schwarzl auf ein Zustandekommen der "Zuckerlkoalition" gehofft. Doch es sollte nicht sein. Ist die SPÖ also unter Andreas Babler zu weit links abgedriftet? "Wenn du lautstark Pflöcke einschlägst, ist es schwer, davon in Verhandlungen abzurücken", sagt der niederösterreichische Unternehmer. Jetzt steht Blau-schwarz vor der Tür. Für die Industrie scheint das ein Segen zu sein. Gespannt ist Schwarzl, wie Herbert Kickl als "Volkskanzler" für die breite Masse den Staatshaushalt konsolidieren werde, ohne sein eigenes Klientel zu verärgern. 

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Sorgen macht sich Schwarzl um das Image unseres exportorientierten Landes, das international Schaden nehmen könnte, wenn sich Österreich kraft Kickl und Konsorten nun in EU-kritische Länder wie Ungarn einreihe. "Das wäre in jeder Hinsicht schlecht", sagt Schwarzl. Doch mit der Verantwortung wachse "vielleicht die Vernunft", hofft er.

Standort gibt ernüchterndes Bild ab

Was nach fast drei Jahren Rezession von Österreichs Industrie bleibe? Schwarzl spricht von einem ernüchternden Bild. Die Unternehmen werden einen langen Atem brauchen. "Wer nicht robust genug aufgestellt ist und Reserven geschaffen hat, wird es schwer haben", sagt er. Die Mischung aus gesunkenem Aufragsbestand und dem Abrutschen in den Standortrankings - vor allem internationale Konzerne schielen darauf - sei toxisch. 

Die rekordhohe Steuer- und Abgabenlast mitLohnnebenkosten weit über dem EU-Schnitt, dazu die musterschülerhafte Rolle Österreichs beim Bürokratieaufbau - "das alles ist besonders für Mittelständler nicht mehr bewältigbar", sagt Schwarzl. Hohe Lohnabschlüsse, wie in den letzten Jahren, kommen in diesen Krisenzeiten außerdem einem "Todesstoß" gleich. Er fragt sich, warum es andere Länder geschafft haben, unter der Inflation abzuschließen und damit verantwortungsvoll für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Standortes zu handeln.

Flexibilisierung ist Gebot der Stunde

Immerhin: Niederösterreich sei nicht so automobilindustrielastig und mithin weniger stark verflochten zur schwächelnden deutschen Automobilindustrie und deren herausfordernder Transformation zur E-Mobilität. "Allein die Idee, die Autoherstellerüber CO2-Flottenwerte zu massiven Investitionen für die Transformation zwingen zu können, obwohl die Rahmenbedingungen für einen entsprechenden Absatz noch nicht gegeben sind, gibt es nirgendwo sonst als in Europa", sagt Schwarzl. 

Flexibilität ist für Unternehmen und deren Belegschaften das Gebot der Stunde. "Fix an einem angestammten Arbeitsplatz zu arbeiten wird es in Zukunft nicht mehr geben", glaubt Schwarzl. Mitarbeitende werden multifunktional und zeitlich flexibler arbeiten müssen, damit Unternehmen über kritische Phasen und den volatilen Auftragseingängen ohne Freisetzungen hinwegkommen.

Über nächste Wahl hinausdenken

Schwarzl erwartet von den kommenden Regierungsparteien eine klare Kante zugunsten des angeschlagenen Wirtschaftsstandorts. "Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten bei aller Unterschiedlichkeit der Lager und Interessen den Mut haben, über die nächste Wahl hinauszudenken und echte Reformen auf den Weg bringen", sagt Schwarzl. 

Sonst sehe er "schwarz". Es sei - wie nicht nur IV-Präsident Georg Knill sagte - fünf vor zwölf. "Es braucht politisches Leadership mit einer Gesamtverantwortung für unser Land".