Frachtverkehr : Speditionen: Der Papierstapel im Lkw verschwindet
Im europäischen Güterverkehr wird sehr viel Papier bewegt. Das österreichische Mobilitätsministerium geht davon aus, dass in 99 Prozent aller Lieferketten Papier zum Einsatz kommt. Mit der europäischen eFTI-Verordnung soll sich das ändern.
eFTI steht für „electronic Freight Transport Information“. Gesetzlich vorgeschriebene Frachtinformationen sollen damit nach einheitlichen Regeln digital bereitgestellt und kontrolliert werden können. Ab 9. Juli 2027 müssen Behörden in allen EU-Mitgliedstaaten elektronische Frachtinformationen akzeptieren, sofern Unternehmen sie über zertifizierte eFTI-Plattformen entsprechend den Standards bereitstellen.
Für Unternehmen besteht zunächst keine Pflicht zum Abschied vom Papier. Die Nutzung von eFTI bleibt freiwillig. Verpflichtet sind die Behörden, den digitalen Weg zu ermöglichen.
Österreich testet über die Grenze
Österreich gehört zu neun EU-Staaten, die im Projekt eFTI4EU an der praktischen Umsetzung arbeiten. Bei einem österreichisch-italienischen Praxistest wurden dabei bei einem realen Straßengütertransport elektronische Frachtinformationen grenzüberschreitend bereitgestellt und von österreichischen und italienischen Behörden kontrolliert.
Dabei wurden auf österreichischer Seite zentrale Komponenten der künftigen Infrastruktur erprobt: die eFTI-Plattform beziehungsweise der „eFTI Playground“, das eFTI-Gate und Anwendungen für Kontrollorgane. Laut dem Dachverband Austrian Logistics funktionierte auch der bidirektionale Datenaustausch mit Italien.
eFTI ist dabei mehr als ein digitalisierter Frachtbrief. Unternehmen sollen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Transportdaten auf zertifizierten Plattformen bereitstellen können. Behörden erhalten Zugriff auf jene Informationen, zu deren Prüfung sie berechtigt sind. Über Schnittstellen sollen sich die Plattformen mit bestehenden ERP- oder Transportmanagementsystemen verbinden lassen.
eFTI ist nicht eCMR
Wichtig ist die Abgrenzung zum elektronischen Frachtbrief: eFTI und eCMR sind nicht dasselbe. Der eCMR betrifft in erster Linie den elektronischen Frachtbrief und damit das Vertragsverhältnis zwischen den am Transport beteiligten Unternehmen. eFTI schafft dagegen den europäischen Rahmen für die elektronische Bereitstellung gesetzlich vorgeschriebener Frachtinformationen gegenüber Behörden.
Wer bereits mit eCMR arbeitet, ist deshalb nicht automatisch eFTI-konform. Für Unternehmen stellt sich bis 2027 vielmehr die Frage, welche relevanten Transportdaten bereits strukturiert vorliegen, in welchen Systemen sie gespeichert sind und welche Schnittstellen für eine eFTI-konforme Bereitstellung benötigt werden.
Webinar: Vom Papier zum eCMR
Wie lässt sich der elektronische Frachtbrief in bestehende Systeme integrieren? Editel zeigt in einem Webinar, was Unternehmen bei der Einführung beachten sollten.
Im Mittelpunkt stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen, digitale Signaturen und die Integration von eCMR in ERP-, TMS-, WMS- oder Dock-&-Yard-Systeme. Praxisbeispiele und eine Live-Demo zeigen einen durchgängigen digitalen Frachtbriefprozess.
Termin: 22. Oktober 2026, 10 Uhr
Anmeldung: eCMR in der Praxis