E-Commerce Paketlogistik Fulfillment : So wächst die Post über Österreich hinaus

Post-Paket-Vorstand Peter Umundum
© Österreichische Post AG

Wie ist der aktuelle Stand der Expansion der Österreichischen Post als Unternehmensgruppe? 
Peter Umundum In unserer Strategie gibt es zwei Stoßrichtungen. In Österreich expandieren wir auf der Produktseite: Vor sechs Jahren haben wir mit der bank99 gestartet, dieses Jahr haben wir mit YELLLOW die Ergänzung Richtung Mobilfunk gemacht und voraussichtlich noch im Herbst bieten wir in unseren Filialen Post ENERGIE powered by VERBUND an. Hier geht es um die Erweiterung unserer Rolle als Grundversorgerin. Die zweite Stoßrichtung betrifft die internationale Expansion beim Thema E-Commerce. Unser Fokus liegt auf Süd- und Südosteuropa sowie der Türkei und darüber hinaus. Dort möchten wir insbesondere die Erweiterung in der Wertschöpfungskette im E-Commerce-Bereich vertiefen, unter anderem mit der Akquisition von euShipments.com. Wir sind derzeit in 15 Ländern aktiv und erreichen mit unseren eigenen Netzen 150 Millionen Empfängerkunden.

Was ist der Hintergrund für die Akquisition von euShipments.com?
Umundum euShipments.com wurde in Bulgarien gegründet und ist von dort aus als Anbieter für Fulfillment und Cross-Border-Logistik in zahlreichen europäischen Ländern tätig. Wir sind mit 70 Prozent daran beteiligt und Anfang August hat euShipments.com die slowakische FHB Group dazugekauft. Wir sprechen hier von rund 100 Millionen Umsatz, die über diese Akquisitionen hereinkommen, mit einer sehr attraktiven Marge. 
Die Übernahme ist in zweifacher Hinsicht eine gute Ergänzung: Einerseits geografisch, weil die FHB Group sehr stark in der Slowakei agiert und euShipments.com bisher in Südost- und Osteuropa. Andererseits ist die FHB Group mit zwei großen, auch technologisch sehr gut ausgebauten Fulfillment-Zentren nahe Bratislava aktiv, was wir als gute Ergänzung sehen.
Wir haben uns auch vorgenommen, den Footprint von euShipments.com zu erweitern. Dafür nutzen wir die Infrastruktur unserer Post Systemlogistik in Österreich und arbeiten an weiteren grenzüberschreitenden Lösungen. Bisher war euShipments.com auf den EU-Raum fokussiert. Wir bereiten Schritte Richtung Serbien und Türkei vor – also dorthin, wo wir bereits eigene Paketnetze betreiben. Insgesamt haben wir mit euShipments.com Zugang zu 27 europäischen Ländern.

„Wir bereiten Schritte Richtung Serbien und Türkei vor – also dorthin, wo wir bereits eigene Paketnetze betreiben.“
Peter Umundum, Vorstand Post

Wie groß ist der Markt in diesen Ländern?
Umundum Wir haben dort bereits rund 1.500 Kunden und theoretisch ist jeder E-Commerce-Anbieter in der Region ein potenzieller Kunde. Tendenziell sind es eher kleinere Kunden, die mit einer Standardschnittstelle durch euShipments.com einen Zugang in mehrere Länder finden. Zusätzlich bekommen sie, wenn sie es brauchen, auch die Fulfillment-Lösung und die Option, aus zahlreichen Paketlogistikanbietern auszuwählen.

Welche Lösungen funktionieren in Österreich gut, die in andere Länder „exportiert“ wurden?
Umundum Es geht in beide Richtungen. In Österreich sind wir sehr weit, was Strukturen in den Logistikzentren, Robotik, autonomes Fahren im Inhouse-Bereich oder automatisierte Entladelösungen betrifft. Von diesen Lösungen profitieren auch unsere Partner. Wir sind auch beim Thema Automatisierung auf der letzten Meile sehr weit. Dazu zählen der breite Einsatz von Abhol- und Versandstationen und Empfangsboxen genauso wie IT-Lösungen in diesem Umfeld.
Auch im Bereich der E-Mobilität sind wir in Österreich sehr gut aufgestellt. Da ist sowohl bei der Fahrzeug- als auch bei der Ladetechnologie sehr viel Know-how vorhanden.
Auf der anderen Seite lernen wir etwa von euShipments.com, wie sie kleineren Kunden die Transformation ermöglichen, um in ganz Europa ihre Produkte anzubieten. Wir haben außerdem bei unserer großen Beteiligung in der Türkei, der Aras Kargo, die Aras Digital ausgegründet, die sich auf digitale Paketlogistiklösungen fokussiert. Diese Lösungen haben wir in der Türkei entwickelt und möchten diese bei all unseren Beteiligungen in südosteuropäischen Ländern einsetzen, um einen Standard zu schaffen.

Wie ist der aktuelle Stand bei der Elektrifizierung der Flotte?
Umundum Der nächste Schritt in Österreich ist, auch im Schwerverkehr E-Mobilität einzusetzen. Hier haben wir die ersten sechs Fahrzeuge im Einsatz, die eher im Nahverkehr unterwegs sind, aber immer weitere Strecken schaffen. Das klassische Beispiel sind Pendelverkehre, etwa zwischen dem Flughafen Wien und dem Paket-Logistikzentrum in Wien-Inzersdorf.

Welche Rolle spielen die Paketzentren in diesem Nachhaltigkeitsszenario?
Umundum Insofern eine große Rolle, als dass ein Teil unserer Standorte mit Photovoltaikanlagen ausgestattet ist und wir damit auch Stromproduzenten sind. Mit in Summe etwa 20 Megawatt-Peak betreiben wir sozusagen ein kleines Kraftwerk. Fast ein Drittel der Energiemenge, die wir verbrauchen, produzieren wir rechnerisch selbst. Wir beginnen auch mit den ersten Pufferspeichern zu arbeiten.

© Österreichische Post AG

Welche Vorteile bietet shöpping.at für Händler?
Umundum shöpping.at hat ein sehr breites Angebot. Seit etwa zwei Jahren bieten wir auch an, dass Händler nach Deutschland verkaufen können. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir unseren Kunden die österreichische Paketsteuer ersparen, weil sie Unternehmen mit Umsatz größer als 100 Millionen betrifft. Da liegen wir mit shöpping.at noch darunter. Zusätzlich haben wir mit PostPay auch eine neue Lösung für die Bezahlung: Hier wird die Zahlung erst nach dem Kauf abgewickelt, um unter anderem dem Abbruch von Checkout-Prozessen entgegenzuwirken.

Wie sieht die Zustellung der Zukunft aus? Welche Rolle spielen Drohnen oder autonomes Fahren?
Umundum Zum einen ist momentan die flexible Zustellung ein Megatrend. Kunden können angeben, wohin sie beliefert werden wollen, und das auch kurzfristig steuern. Nach wie vor ist das Service „Abstellen lassen“ die beliebteste Variante in Österreich. Ein Trend, der sich sehr schnell entwickelt, betrifft auch die Automatisierung bei den Versand- und Abholstationen. Woran ich nicht glaube, ist die Drohnenzustellung im Massengeschäft. Hier wird es eher punktuelle Lösungen geben. Das autonome Fahren wiederum wird schon zu einer Revolution werden. Auch in der Inhouse-Logistik kommen solche Lösungen bereits zum Einsatz. Wir haben in der Hoflogistik auch schon Tests mit dem Rangieren von Wechselaufbaubrücken durchgeführt, das sehe ich als nächsten Schritt. Und auch auf der letzten Meile gibt es Potenzial, das kann man bereits in China sehen, wo Abholstationen autonom unterwegs sind.