Verpackung Supply Chain Kreislaufwirtschaft : Mehrweg wird zur Infrastruktur der Lieferkette
Steigende Kosten, Fachkräftemangel und neue regulatorische Anforderungen erhöhen den Druck auf Europas Lieferketten. Nach Einschätzung von Tosca führt diese Entwicklung zu einem grundlegenden Strategiewechsel: Verpackungen entwickeln sich von einem klassischen Verbrauchsmaterial zu einer wiederverwendbaren Infrastruktur für Produktion und Logistik.
Während Unternehmen weiterhin mit schwankenden Rohstoffpreisen und hohen Entsorgungskosten konfrontiert sind, verschärft sich gleichzeitig der Personalmangel. Laut Tosca berichten 76 Prozent der Führungskräfte aus Supply Chain und Logistik von fehlenden Arbeitskräften. Gleichzeitig erhöhen neue europäische Vorgaben wie die Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) sowie Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) den Druck, Verpackungen langlebiger, wiederverwendbar und besser rückverfolgbar zu gestalten.
„Verpackungen wurden lange Zeit als Verbrauchskosten betrachtet, doch dieses Modell lässt sich immer schwieriger aufrechterhalten“, sagt Laurent Le Mercier, EMEA President von Tosca. „Mit der Verschärfung regulatorischer Vorgaben sowie steigendem Kosten- und Arbeitskräftedruck entwickeln sich Mehrwegverpackungen zu einer zentralen Infrastruktur. Sie helfen Unternehmen, Abfälle an der Quelle zu reduzieren und gleichzeitig die Kosten besser planbar zu machen sowie die betriebliche Resilienz zu stärken.“
Mehrweg statt Einweg
Nach Einschätzung des Unternehmens stoßen klassische Einwegverpackungen zunehmend an wirtschaftliche Grenzen. Sie sind auf einen kontinuierlichen Materialeinsatz, manuelle Handhabung und laufende Entsorgung angewiesen. Gerade in Zeiten volatiler Rohstoffpreise und steigender Entsorgungskosten entwickeln sich diese Faktoren zu einem Kostenrisiko.
Mehrwegverpackungen verfolgen dagegen ein anderes Modell. Kunststoffladungsträger werden über viele Umläufe hinweg genutzt und verursachen kalkulierbare Kosten pro Einsatz statt pro Verpackungseinheit. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von schwankenden Materialpreisen.
Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte Pooling-Systeme. Verpackungen werden nach ihrem Einsatz gesammelt, kontrolliert, gereinigt, bei Bedarf repariert und anschließend erneut in den Kreislauf eingebracht. Für Unternehmen bedeutet das: Verpackungen werden zunehmend als Dienstleistung genutzt und nicht mehr als Einwegprodukt eingekauft.
EU-Regulierung erhöht den Handlungsdruck
Neben wirtschaftlichen Faktoren treiben vor allem regulatorische Vorgaben den Wandel voran. Die neue europäische Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) stellt höhere Anforderungen an Wiederverwendung, Haltbarkeit und Rückverfolgbarkeit von Verpackungen. Gleichzeitig entwickeln sich die Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) weiter und berücksichtigen zunehmend die Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus.
Für Unternehmen, die weiterhin auf Einwegverpackungen setzen, steigen damit nicht nur die Dokumentationspflichten, sondern auch die Kostenrisiken. Mehrweg- und Pooling-Systeme können laut Tosca dazu beitragen, Abfälle bereits an der Quelle zu vermeiden, regulatorische Anforderungen einfacher zu erfüllen und Verpackungen kontrolliert über mehrere Nutzungszyklen einzusetzen.
Darüber hinaus könnten standardisierte Mehrwegverpackungen Prozesse entlang der Lieferkette vereinfachen. Einheitliche Ladungsträger erleichtern Automatisierung, reduzieren den Handlingaufwand, verbessern die Ladungsstabilität und können Schäden an Produkten sowie Arbeitsunfälle verringern.
Verpackungen werden Teil der Supply-Chain-Strategie
Für Tosca zeigt sich damit ein grundlegender Wandel in der Logistik. Verpackungen werden nicht länger ausschließlich unter Kostenaspekten betrachtet, sondern zunehmend als Bestandteil einer resilienten Lieferkette. Ziel ist es, Materialkosten besser kalkulierbar zu machen, regulatorische Risiken zu reduzieren und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu erhöhen.
Die Analyse basiert auf dem Whitepaper „The Business Case for Reusable Transport Packaging“, in dem Tosca die Auswirkungen steigender Kosten, neuer Regulierung und veränderter Lieferkettenanforderungen auf den Einsatz von Mehrwegverpackungen untersucht.