Suezkanal : Comeback im Roten Meer: Was Maersks Rückkehr für Frachtraten und Logistik bedeutet
Die dänische Reederei Moller‑Maersk erwartet für das Jahr 2026 einen deutlichen Rückgang ihrer Erträge. Das Unternehmen hat angekündigt, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten (EBITDA) voraussichtlich zwischen 4,5 und 7 Milliarden US‑Dollar liegen wird. Damit könnte sich der Gewinn im schlechtesten Fall mehr als halbieren im Vergleich zu 2025. Die Ursache: sinkende Frachtraten infolge der erwarteten Rückkehr zur kürzeren Route durch das Rote Meer. Maersk hatte zuvor erfolgreiche Testfahrten durch die Meerenge Bab al‑Mandab abgeschlossen. Die Aktie verlor daraufhin rund fünf Prozent an Wert.
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Huthi-Angriffe zwingen Reedereien zur Umleitung
Seit Ende 2023 kam es vermehrt zu Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer. Die Gruppe attackierte gezielt Schiffe mit Verbindungen zu Israel oder westlichen Staaten. Zahlreiche Reedereien, darunter Maersk, Hapag-Lloyd und MSC, mieden deshalb die Passage durch den Suezkanal und steuerten stattdessen die längere Route um das Kap der Guten Hoffnung an.
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Diese Umleitung führte zu Laufzeitverlängerungen von bis zu zwei Wochen und verursachte massive Zusatzkosten. Laut dem Kreditversicherer Coface nahm die Containerbewegung durch den Suezkanal in Spitzenzeiten um bis zu 90 Prozent ab. Dies verknappte das verfügbare Schiffsangebot und trieb die Frachtraten auf vielen Strecken in die Höhe – teilweise über 80 90 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau.
Rückkehr trotz Risiken: Hapag-Lloyd und Maersk starten Fernost-Dienst im Roten Meer
Mit einer zwischenzeitlichen Stabilisierung der Sicherheitslage wagt Maersk nun mit Partner Hapag-Lloyd den Wiedereinstieg. Ab Mitte Februar 2026 soll der gemeinsame IMX-Dienst (India Middle East Express) wieder planmäßig durch das Rote Meer und den Suezkanal geführt werden. Der Dienst verbindet wichtige Häfen in Indien und dem Nahen Osten mit Europa. Begleitet werden die Schiffe von militärischem Schutz – Details zur Herkunft des Begleitschutzes nannte Maersk jedoch nicht.
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Den Auftakt machen die „Albert Maersk“ auf Westkurs und die „Astrid Maersk“ auf Ostkurs. Auch andere Reedereien wie CMA CGM prüfen eine Rückkehr, wenn Sicherheitsgarantien bestehen. Simon Heaney von Drewry Shipping Consultants erwartet eine schrittweise Rückkehr zur Normalität bis Ende 2026 – warnt jedoch vor der anhaltenden Unvorhersehbarkeit der Sicherheitslage.
Suezroute zurück im Spiel: Markt droht Überkapazität und Druck auf Frachtraten
Die Rückkehr zur Suezroute könnte den Markt erheblich verändern. Niels Rasmussen, Chefanalyst bei BIMCO, prognostiziert, dass sich durch die kürzere Route die Nachfrage nach Tonnage um bis zu 10 % verringern könnte. Schätzungen zufolge reduziert sich durch die Rückkehr der Schiffe auf die alte Route die durchschnittliche Fahrtdauer um bis zu zehn Tage – bei gleichzeitiger Freisetzung erheblicher Schiffskapazitäten.
Das erhöht den Druck auf einen ohnehin gesättigten Markt. Viele Reedereien hatten in den letzten Jahren massiv in Neubauten investiert. Nun treffen diese Kapazitäten auf eine potenziell sinkende Nachfrage – ein Szenario, das die Frachtraten nachhaltig belasten könnte.
Maersk reagiert mit Sparmaßnahmen und Stellenabbau
Angesichts der Prognosen kündigte Maersk ein umfangreiches Sparprogramm an. Weltweit sollen rund 1.000 Stellen in der Verwaltung wegfallen – etwa 15 Prozent der dortigen Belegschaft. Damit erhofft sich das Unternehmen Einsparungen von jährlich 180 Millionen US-Dollar. Ergänzend startet Maersk ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von einer Milliarde US-Dollar.
Diese Maßnahmen sollen helfen, die Profitabilität in einem sich verändernden Marktumfeld zu sichern. Neben sinkenden Frachtraten sieht sich die Reederei mit steigenden Betriebskosten, Unsicherheiten in geopolitischen Fragen und veränderten Kundenerwartungen konfrontiert.