KI : AI Factory Austria AI:AT: Das war die Eröffnung des AI:AT Coworking Hub
AI Factory Austria AI:AT eröffnet AI:AT Coworking Hub (v.l.n.r.:) Henriette Spyra (Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Sektionschefin Sektion III „Innovation und Technologie“), Andreas Kugi (Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology und Mitglied des AI Factory Austria Governance Boards), Kilian Gross (Director in DG Connect for the Directorate C „Enabling and Emerging Technologies”), Mara Weinblatt (AI Factory Austria AI:AT), Innovation Ecosystem & Partnerships Lead), Wolfgang Kastner (Vizerektor der TU Wien und Mitglied des AI Factory Austria Governance Boards), Innovations- und Infrastrukturminister Peter Hanke (Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur), Nikolaus Hautsch (Vizerektor der Universität Wien und Mitglied des AI Factory Austria Governance Boards), Karl Kugler, Markus Stöhr (Co-Lead AI Factory Austria AI:AT), Ann-Sophie Brenk (AI Factory Austria AI:AT, AI Business Lead), Alexander Balatka (Geschäftsführer Advanced Computing Austria [ACA])
- © AIT/APA-Fotoservice/Krisztian JuMit der Eröffnung des AI:AT Coworking Hub im SOLARIS-Gebäude in Wien-Landstraße Dienstagabend ist Österreichs nationale AI Factory einmal mehr sichtbar geworden: Als Infrastrukturprojekt, Vernetzungsplattform und Versuch, die bislang stark fragmentierten Kräfte des heimischen KI-Ökosystems zu bündeln. Rund 300 Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Start-ups, öffentlicher Verwaltung sowie aus mehreren europäischen AI-Factories nahmen an der Veranstaltung teil. Im Zentrum des Diskurses standen der Aufbau souveräner KI-Fähigkeiten, der Zugang zu europäischen High-Performance-Computing-Ressourcen im EuroHPC-Netzwerk sowie die Überführung anspruchsvoller Anwendungen in wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzung.
Innovationsminister Peter Hanke bezeichnete die Initiative als „Meilenstein für die Stärkung von Österreichs digitaler Souveränität“. Unternehmen, insbesondere KMU und Start-ups, erhielten Zugang zu KI-Hardware und Kompetenzen, die bislang häufig nur großen internationalen Akteuren offen standen. Gleichzeitig fungiert die AI Factory AT als Trainingszentrum mit Angeboten von Einsteiger- und Executive-Programmen bis zu technischen Spezialschulungen.
Physisches Zentrum für anspruchsvolle KI-Projekte
Konzeptionell versteht sich die AI Factory Austria als marktneutraler Zugangspunkt für anspruchsvolle KI-Vorhaben. Infrastruktur, Expertise, Qualifizierung und Vernetzung sollen Organisationen entlang der gesamten „KI-Reise“ begleiten, von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Karl Kugler, Co-Lead AI Factory Austria AI:AT, bezeichnete den Standort als „physisches Zuhause für KI-Fragen“ in Österreich. Ziel sei es, konkrete Probleme zu lösen und Projekte mit messbarem Nutzen umzusetzen. Innovation dürfe sich nicht auf Forschung und Publikationen beschränken. Entscheidend sei der praktische Impact.
Die AI Factory Austria unterstütze Kunden als unabhängiger, vertrauenswürdiger Partner dabei, KI wirksam einzusetzen. Der AI:AT Coworking Hub im SOLARIS sei ein Ort, an dem Infrastruktur, Expertise und Zusammenarbeit zusammenkommen. "Unser Auftrag ist es, wissenschaftliche Exzellenz in Anwendung, Wertschöpfung und gesellschaftlichen Nutzen zu überführen“, sagte Kugler. Und ergänzte: „Wenn wir wollen, dass Österreich bei KI gestaltet und nicht nur beobachtet, dann braucht es starke Ökosysteme und Orte wie diesen, an denen sie zusammenkommen".
Bis der Wiener Supercomputer voraussichtlich Ende 2027 ans Netz geht, erfolgt der Zugang zum europäischen Hochleistungsrechnen (HPC) über den Supercomputer Leonardo mit Standort in Bologna, Italien. Mit einer Rechenleistung von über 250 Millionen Milliarden Berechnungen pro Sekunde zählt Leonardo zu den leistungsstärksten Computern der Welt.
Die Initiative bringe angewandte Forschung, Industrie, Start-ups und öffentliche Verwaltung zusammen, um vertrauenswürdige KI unter realen Bedingungen zu entwickeln und die Hemmschwelle für ihren Einsatz zu senken. Gerade komplexe, herausfordernde Anwendungen - auch nicht standardisierte Lösungen - stünden im Fokus.
Dabei setzt die Initiative bewusst auf Kooperation statt Dominanz. Die AI Factory Austria wolle kein neuer „Platzhirsch“ im österreichischen KI-Ökosystem sein, sondern ein verbindendes Element, das bestehende Kompetenzen zusammenführt, betonte Kugler. Man sehe sich demnach „als Teil des Rudels“: Standardisierte Lösungen würden ohnehin von anderen Anbietern bereitgestellt, während die Factory dort ansetzen solle, wo Projekte besonders komplex, risikoreich oder organisationsübergreifend sind.
Zugang zu Supercomputing ohne Einstiegshürden
Der Standort in Wien ist als Arbeits- und Community-Ort konzipiert. Projektteams, Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollen dort gemeinsam arbeiten, Veranstaltungen durchführen und Kooperationen entwickeln. Aktuell nutzen 67 Personen aus 28 Organisationen und fünf Branchen die Einrichtung, insgesamt stehen 94 Arbeitsplätze zur Verfügung. Ziel ist eine kritische Masse an Expertise an einem Ort, während das Netzwerk gleichzeitig bundesweit aktiv bleibt und mit Initiativen im gesamten Land kooperiert.
Ein zentrales Element ist der Zugang zu europäischen Supercomputern. Für viele Organisationen sind entsprechende Systeme finanziell und organisatorisch nicht realisierbar.
Markus Stöhr, Co-Lead AI Factory Austria AI:AT, betonte, dass dieser Zugang möglichst einfach gestaltet werden müsse. Unternehmen sollen Hochleistungsrechner nutzen können, ohne eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Gleichzeitig wird eine enge Vernetzung mit europäischen Systemen angestrebt, perspektivisch mit einheitlichen Zugangsmechanismen zu mehreren Supercomputern. Besonderes Gewicht liegt auf Datensouveränität: Sensible Daten sollen innerhalb Österreichs verarbeitet werden können, Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen müssen gewahrt bleiben. Langfristig ist eine Infrastruktur geplant, die den gesamten KI-Lebenszyklus im Inland unterstützt.
„Über die EuroHPC-Systeme wird Hochleistungsrechnen heute breiter zugänglich, auch für KMU, Start-ups, Industrie und öffentliche Verwaltung. In der AI Factory Austria ist es unser Ziel, diesen Zugang mit möglichst geringen Hürden zu ermöglichen und Organisationen bei der praktischen Nutzung zu begleiten. Parallel dazu schaffen wir die Grundlage dafür, dass in Österreich künftig der gesamte KI-Lebenszyklus auf moderner Infrastruktur unterstützt werden kann, mit hohen Anforderungen an Datensouveränität und Sicherheit“, sagte Stöhr.
Leistungen für Start-ups und öffentliche Hand kostenfrei
Ein wesentlicher Bestandteil des Angebots sind Unterstützungsleistungen für Organisationen, die selbst keine umfangreichen Ressourcen für KI-Projekte besitzen. Für Start-ups sowie Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung werden zentrale Leistungen derzeit kostenfrei bereitgestellt. Ziel ist es, den Einstieg in KI-Projekte zu erleichtern und Experimentierräume zu schaffen, ohne hohe Anfangsinvestitionen zu erfordern. Für Unternehmen ist parallel eine nationale Förderschiene in Vorbereitung. Ein Programm unter Federführung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) soll künftig die Nutzung der Angebote finanziell unterstützen und den Transfer in industrielle Anwendungen beschleunigen.
Aus wissenschaftlicher Sicht liegt die größte Hürde weniger in der Technologie selbst als in ihrer Integration in bestehende Systeme und Organisationen. Andreas Kugi, Wissenschaftlicher Leiter des AIT und Mitglied des AI Factory Austria Governance Boards, betonte, dass der Transfer selten am Algorithmus scheitere. Entscheidend seien Robustheit, Interoperabilität und organisatorische Veränderungen — von neuen Prozessen bis zu Governance-Strukturen.
Kugi: „Mit der AI Factory Austria schaffen wir eine strukturierte Brücke zwischen wissenschaftlicher Exzellenz und wirksamer Anwendung. Entscheidend ist, dass wir KI nicht nur erforschen, sondern unter realen Bedingungen skalierbar machen, mit souveräner Infrastruktur, technischer Expertise und einem starken Netzwerk aus Forschung, Industrie und öffentlicher Verwaltung. Genau darin liegt die strategische Stärke von AI:AT für Österreich und für den europäischen Kontext“.
Industrie sieht Aufholbedarf
Eine internationale Perspektive lieferte im fortgeschrittenen Abend die Keynote „How a Country Can Advance the Adoption of AI“ von Andreas Liebl, dem CEO von appliedAI.
Im Panel „Infrastructure, Transfer, and Sovereignty for Europe’s AI Competitiveness“ diskutierten Vertreter aus Industrie, Forschung, Politik und der Europäischen Kommission. Am Podium: Xenia Galkina, CEO & Co-Founder AI Baseline, Kilian Gross, Director DG Connect for the Directorate C "Enabling and Emerging Technologies", Christoph Knogler, CEO KEBA Group AG und Leiter AI Taskforce der Industriellenvereinigung, Andreas Kugi, AIT, Marta Sabou, Bilateral AI, Wirtschaftsuniversität Wien und Henriette Spyra, BMIMI, Sektionschefin Sektion III „Innovation und Technologie“.
KEBA-CEO Knogler etwa sprach von einem Rückstand bei KI-Überführung in die Praxis: Österreich liege im europäischen Vergleich „im unteren Mittelfeld — und das ist nicht dort, wo wir sein wollen“. Unternehmen seien zwar "stark bei Pilotprojekten, hätten aber Schwierigkeiten, diese in produktive Prozesse zu überführen".
Den europäischen Vernetzungsgedanken griff der Fireside Chat „AI Factories in the Network“ auf. Matteo Angelinelli (IT4LIA/CINECA), Lucia Demovičová (Antenna Slovakia), Sašo Džeroski (Slovenian AI Factory, SLAIF) und Dennis Hoppe (HammerHAI) diskutierten konkrete Erfahrungen aus dem europäischen AI-Factories-Netzwerk.
Damit wurde europäische Vernetzung nicht nur thematisiert, sondern im Rahmen der Veranstaltung auch konkret gelebt. Ergänzt wurde das Programm durch Praxisbeispiele aus dem Hub-Umfeld, darunter anyconcept, NEOALP und Sinntelligence.
Im ersten Panel „Infrastructure, Transfer, and Sovereignty for Europe’s AI Competitiveness“ diskutierten Vertreter aus Industrie, Forschung, Politik und der Europäischen Kommission; von links: Xenia Galkina, CEO & Co-Founder AI Baseline, Kilian Gross, Director DG Connect for the Directorate C "Enabling and Emerging Technologies", Christoph Knogler, CEO KEBA Group AG und Leiter AI Taskforce der Industriellenvereinigung), Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology und Mitglied des AI Factory Austria Governance Boards, Marta Sabou, Bilateral AI, Wirtschaftsuniversität Wien und Henriette Spyra, BMIMI, Sektionschefin Sektion III „Innovation und Technologie“.
- © AIT/APA-Fotoservice/Krisztian JuErste messbare Ergebnisse
Bereits vor der offiziellen Standorteröffnung hat die Initiative operative Aktivitäten entfaltet. Seit Juli 2025 wurden mehr als 20 Trainings mit über 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt, über 40 Organisationen begleitet und mehr als zehn Partnerschaften gestartet. Zusätzlich fanden rund 30 Veranstaltungen zur Community-Bildung statt. Diese Zahlen unterstreichen den Anspruch, nicht nur Infrastruktur bereitzustellen, sondern konkrete Umsetzung zu ermöglichen.
Teil einer europäischen Strategie
Die AI Factory Austria ist Teil eines europaweiten Netzwerks von AI-Factories, das ein kontinentales KI-Ökosystem aufbauen soll. Europa verfolgt dabei bewusst einen anderen Ansatz als die großen Technologiezentren in den USA oder China: Statt hochzentraler Plattformen steht eine verteilte Struktur mit starken nationalen Knotenpunkten im Mittelpunkt. Minister Hanke betonte die Bedeutung dieser europäischen Einbindung. Österreich wolle nicht nur Technologien importieren, sondern selbst aktiv zur Gestaltung beitragen und die industrielle Basis stärken. Supercomputing-Kapazitäten sollen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie wirtschaftlichen Nutzen erzeugen.
Ein eigener Hochleistungsrechnerstandort in Österreich wird perspektivisch angestrebt.
Breites Konsortium aus Forschung und Innovation
Die AI Factory Austria wird vom AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit Advanced Computing Austria geleitet und von einem landesweiten Konsortium getragen. Zu den Partnern zählen unter anderem TU Wien, Universität Wien, BOKU, TU Graz, JKU Linz, Universität Innsbruck, ISTA, Österreichische Akademie der Wissenschaften, INiTS sowie das EODC. Das Projekt ist Teil des EuroHPC Joint Undertaking und wird im Rahmen von Horizon Europe kofinanziert.
Insgesamt versteht sich die AI Factory Austria weniger als klassisches Technologiezentrum denn als orchestrierende Plattform. Infrastruktur, Qualifizierung, Vernetzung und Projektbegleitung sollen ineinandergreifen, um KI aus dem Stadium von Demonstratoren in reale Anwendungen zu überführen. Der Anspruch ist hoch: Österreich soll nicht nur Nutzer fremder Technologien bleiben, sondern innerhalb Europas zu einem aktiven Gestalter der KI-Transformation werden.