Tschechien Handelspartner Österreich : Tschechien als Wirtschaftspartner: Warum Österreich 2026 besonders nach Brünn blickt

Messe Brünn Brno

Das Messegelände in Brünn zählt zu den wichtigsten Treffpunkten für Industrie und Wirtschaft in Mitteleuropa.

- © Go To Brno

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Tschechien gehören zu den engsten innerhalb Europas. Gerade für österreichische Unternehmen spielt der Nachbar im Norden eine zentrale Rolle – als Absatzmarkt, Produktionsstandort und Innovationspartner. Angesichts der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung Tschechiens und eines umfangreichen Messeprogramms in Brünn richtet sich der Blick vieler österreichischer Betriebe auch 2026 verstärkt auf das Nachbarland.

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Stabiler Wachstumskurs in Tschechien

Die tschechische Wirtschaft konnte im Jahr 2025 ein moderates, aber solides Wachstum verzeichnen. Prognosen gehen von einem realen BIP-Anstieg zwischen etwa zwei und zweieinhalb Prozent aus. Für österreichische Unternehmen ist diese Entwicklung besonders relevant, da ein stabiler Konsum und steigende Einkommen auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus Österreich stärken.

Vor allem der private Konsum entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einem wichtigen Wachstumstreiber. Sinkende Sparquoten und steigende Realeinkommen sorgten dafür, dass die Kaufkraft der Haushalte wieder spürbar zunahm. Gleichzeitig kurbelten staatliche und private Investitionen – unterstützt durch EU-Förderprogramme – die wirtschaftliche Dynamik weiter an.

Positive Impulse kamen insbesondere aus den Bereichen Bau, Handel und Transport. Die Industrie bleibt weiterhin das Rückgrat der tschechischen Wirtschaft. Besonders die Automobilindustrie sowie der Maschinenbau zählen zu den Schlüsselbranchen und bieten auch für österreichische Zulieferbetriebe attraktive Kooperationsmöglichkeiten. Investitionen in Elektromobilität und moderne Produktionsverfahren stärken zudem die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Die Arbeitslosenquote blieb weiterhin niedrig, während sich die Inflation mit rund 2,3 Prozent wieder in Richtung des stabilen Zielbereichs bewegte. Für österreichische Investoren bedeutet dies ein vergleichsweise planbares wirtschaftliches Umfeld.

Enge Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Tschechien

Für Österreich ist Tschechien längst mehr als nur ein geografischer Nachbar. Innerhalb Mittel- und Osteuropas zählt das Land zu den wichtigsten Handelspartnern der Republik. Weltweit liegt Tschechien auf Platz sechs der österreichischen Wirtschaftspartner.

Der österreichische Außenhandel ist stark auf die Europäische Union ausgerichtet, und Tschechien gehört neben Deutschland, Italien und Polen zu den bedeutendsten Partnern innerhalb dieses Wirtschaftsraums. Gerade für österreichische Industrieunternehmen, Maschinenbauer, Bauunternehmen und Technologieanbieter bietet der tschechische Markt großes Potenzial.

Auch aus tschechischer Perspektive spielt Österreich eine wichtige Rolle. Das Land zählt sowohl bei Importen als auch bei Exporten zu den wichtigen EU-Partnern der Tschechischen Republik – auch wenn Deutschland weiterhin die dominierende Position einnimmt.

BMW am MOTOSALON in Brünn 

- © BMW

Messe Brünn: Treffpunkt für österreichische Unternehmen

Ein zentraler Ort für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ist die Messe Brünn. Für viele österreichische Firmen ist sie seit Jahren eine wichtige Plattform, um Geschäftspartner zu treffen, neue Märkte zu erschließen und Innovationen zu präsentieren.

Das Messejahr 2025 zeigte eindrucksvoll, welche Bedeutung persönliche Begegnungen in der Wirtschaft weiterhin haben. Rund 700.000 Besucher kamen nach Brünn, wo insgesamt 94 Veranstaltungen stattfanden. Mehr als 4.700 Aussteller präsentierten ihre Produkte und Technologien.

„Die Ergebnisse bestätigen, dass persönliche Begegnungen heute wichtiger denn je sind“, betonte Generaldirektor Jan Kubata. Die Messe habe sich erneut als bedeutender Ort für fachlichen Austausch und konkrete Geschäftsverhandlungen etabliert. Gleichzeitig wurde die internationale Zusammenarbeit weiter ausgebaut und neue strategische Partnerschaften geschlossen.

2026: Neue Themen und internationale Kooperationen

Für das Jahr 2026 hat sich die Messe Brünn viel vorgenommen. Das traditionsreiche Gelände, das seit fast hundert Jahren Industrie und Handel miteinander verbindet, soll noch stärker als internationale Plattform für Innovation, Technologie und wirtschaftliche Kooperationen positioniert werden.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die eigenständige Organisation der Elektrotechnikmesse AMPER durch die Messe Brünn selbst. Gleichzeitig kehren die Landwirtschaftsmessen in modernisierter Form unter dem Namen AGRISHOW zurück. Ziel ist es, traditionelle Branchen mit neuen Technologien und internationaler Vernetzung zu verbinden – ein Ansatz, der auch für österreichische Unternehmen interessante Kooperationsmöglichkeiten eröffnet.

Ein weiterer Schritt zur internationalen Vernetzung war die Teilnahme der Messe Brünn an der Weltausstellung EXPO 2025 in Osaka. Die Präsentationen waren vollständig ausgebucht und führten zu neuen Kontakten mit japanischen Unternehmen. Diese Zusammenarbeit soll künftig vor allem im Rahmen der Internationalen Maschinenbaumesse weiter vertieft werden.

Auch auf europäischer Ebene baut Brünn seine Kooperationen aus. Eine Partnerschaft mit der Messeorganisation Fira Barcelona soll künftig die Entwicklung der Smart-City-Messe URBIS stärken und sie enger mit dem international renommierten Smart City Expo World Congress verbinden.

Ein Messegelände als Innovationsplattform

Neben den Veranstaltungen selbst entwickelt sich auch das Messegelände zunehmend zu einem Ort für Innovation und Technologieentwicklung. Mit dem neu gegründeten BVV Living Lab Brno entsteht ein Netzwerk, das das Messegelände mit städtischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen verbindet.

Das Ziel: Das Areal soll als reales Testfeld für neue Technologien dienen. Innovationen können hier nicht nur präsentiert, sondern auch praktisch erprobt werden – ein Ansatz, der künftig auch internationale Partner und Pilotprojekte einbeziehen soll.

Ein dichtes Messeprogramm für 2026

Das Veranstaltungsprogramm in Brünn bleibt auch 2026 vielfältig. Für österreichische Unternehmen besonders interessant sind mehrere große Fachmessen:

Den Auftakt bildet im März der MOTOSALON, eine der größten Motorradmessen Mitteleuropas. Kurz darauf folgt die OPTA, die wichtigste Branchenveranstaltung für Augenoptik und Optometrie in Tschechien und der Slowakei.

Mit der internationalen Elektrotechnikmesse AMPER findet ebenfalls im März ein bedeutendes Treffen der Energie- und Elektronikbranche statt. Ende März widmet sich die Baumesse Brünn gemeinsam mit mehreren Partnerveranstaltungen aktuellen Entwicklungen in Bau, Architektur und Wohnen.

Im April kehrt mit AGRISHOW eine modernisierte Landwirtschaftsmesse zurück, bei der moderne Landtechnik auch in praktischen Vorführungen präsentiert wird.

Ein weiterer Höhepunkt des Jahres ist die Internationale Maschinenbaumesse (MSV) im Oktober. Sie gilt als die größte Industriemesse Mitteleuropas und präsentiert aktuelle Entwicklungen wie künstliche Intelligenz in der Produktion, autonome Maschinen oder additive Fertigung.

Den Abschluss des Messejahres bildet im November CARAVANING BRNO, die wichtigste tschechische Messe rund um Wohnmobile und mobiles Reisen.

Chancen für österreichische Unternehmen

Für österreichische Unternehmen bietet der tschechische Markt weiterhin hervorragende Perspektiven. Die räumliche Nähe, die wirtschaftliche Stabilität und die starke industrielle Basis machen das Land zu einem attraktiven Partner für Kooperationen, Investitionen und gemeinsame Innovationsprojekte.

Gerade die Veranstaltungen in Brünn bieten eine ideale Gelegenheit, bestehende Partnerschaften zu vertiefen und neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Damit bleibt Tschechien auch in den kommenden Jahren ein wichtiger wirtschaftlicher Nachbar – und Brünn ein zentraler Treffpunkt für die Wirtschaft beider Länder.

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