Ein Reinraum wirkt auf Außenstehende surreal: Ganzkörperanzug, Haube, Handschuhe, keine Spur von Alltagskleidung. Für Johanna Pessentheiner war es beim ersten Mal eine surreale Erfahrung – heute ist es Routine. Fünf Jahre verbrachte sie in dieser Welt. „Am Anfang dachte ich: Was für eine andere Welt. Heute gehört es für mich zum Alltag, wenn wir Prozesse von der Idee bis in die Produktion begleiten“, erzählt sie.
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Die 36-Jährige, die in Feldkirchen lebt, leitet bei Infineon in Villach zwei Teams mit insgesamt elf Ingenieuren. Ihre Aufgabe: die Einzelprozessentwicklung für die Volumenfertigung neuer Halbleiterprodukte. Konkret bedeutet das: Chemikalien auswählen, Prozessschritte optimieren, Machbarkeitsstudien durchführen – und am Ende einen stabilen Ablauf schaffen, der im weltweiten Fertigungsnetzwerk von Infineon funktioniert.
Ihr Weg dorthin war nicht selbstverständlich. Nach der Matura überlegte sie, Veterinärmedizin zu studieren, oder Psychologie, oder technische Mathematik. „Es gab viele Optionen“, sagt sie rückblickend. Schließlich entschied sie sich für Chemie und Biochemie an der TU Graz. „Ich wollte in Graz bleiben – und die Naturwissenschaften waren für mich eine spannende Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis.“ 2016 bewarb sie sich initiativ bei Infineon. Schon das Vorstellungsgespräch überzeugte sie: keine steifen Hierarchien, sondern offene Atmosphäre.