Smart Glasses : Datenbrillen bei Andritz: Virtuos virtuell
Einsatz der Hololens-Datenbrille bei Andritz
- © Jan BrueggemannEine Welt ohne Viruspandemie ist eine bessere Welt. Das findet auch Klaus Glatz, er bildet in dem Punkt selbstredend keine Ausnahme. Bei seinem Brötchengeber, Glatz ist CDO beim Grazer Anlagenbauer Andritz, der weltweit über 280 Standorte betreibt, hat man sich an die neuen Umstände freilich angepasst: Anlagen werden remote in Betriebnahme genommen, Schulungen erfolgen virtuell, Servicetechniker schickt man nur mehr in Ausnahmefällen zu den in der ganzen Welt domizilierten Produktionsanlagen, um Hand anzulegen. Möglich macht das eine Technologie, die wie für eine Pandemie gemacht scheint: Holografische Geräte, die interaktiv 3D-Projektionen in der direkten Umgebung darstellen. Oder einfacher: Datenbrillen samt ihrem dazugehörigen Framework. Doch die Pandemie war nicht einmal die Triebfeder der Grazer, auf Equipment der Extended Reality (XR), also mobiler Visualisierungssysteme zur virtuellen Anreicherung der Realität, zu setzen. Der Wunsch und Wille, ohne viel Herumreiserei und den damit verbundenen größeren zeitlichen Kosten agieren zu können, war schon 2019 geboren. "Für uns war immer klar, uns entlang der Kundenbedürfnisse entwickeln zu wollen", sagt Glatz. Und das natürlich global.
Erprobt
Heute, mehr als zwei Jahre später, kann der Anlagenbauer im Bereich Zellstoff auf erstaunliche Erfahrungen im Einsatz von X-Reality verweisen. "Andritz war mit dem Projekt 2019 extrem früh dran", beobachtet Wolfgang Leindecker, Director Solution Sales bei Microsoft. Schon 2018 wurden Anwender in einem Projekt in eine Cloud-Umgebung auf Basis von Microsoft365 migriert (Micosoft Cloud for Manufacturing). Heute sind mehr als 130 Datenbrillen des Typs Holoens - auch schon welche der Version Zwei - bei Andritz im Einsatz. Microsoft ist also der Partner der Wahl, mit Dynamics 365 Remote Assist ist man nun in der Lage, jeden Experten über Microsoft Teams "direkt in eine HoloLens-Anwendung zu schalten", heißt es im Projekt. Etwa dann, wenn ein Kunde mit Sitz in China ohne Präsenz am Standort in der Slowakei eine Inspektion vornehmen will. Oder ein 3D-Modell des Equipments potenziellen Kunden vorgeführt werden soll. Selbst die für eine Verrechnung von Projekt-Meilensteinen essentiellen Abnahmen von Anlagenteilen können in hoher Qualität per remote durchgeführt werden – in Zeiten einer globalen Pandemie ein geschäftskritischer Vorteil. Nicht mehr der Techniker oder Verkäufer muss also durch die Weltgeschichte fliegen - nur die Brille selbst.
Wie CDO Glatz einräumt, werde die Lösung von den Anwendern angenommen und findet wohl auch nach Fertigstellung der in Bau befindlichen zwei großen Zellstrofffabriken in Brasilien Anwendung. Die Technologie bietet auch weiteres Potenzial für die Zukunft - Stichworte sind die Integration neuer Datenpunkte über die Modellierung und Einbindung neuer Informations- und Kommunikationsströme bis hin zur Workforce Transformation. "Unser Kunde und wir haben viele Ideen", sagt Leindecker. Am Ende ließe sich die wohl auch entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette breiter ausrollen, sagt Andritz-CDO Glatz.