Regieren mit Kickl : Ohneberg: "Die ÖVP muss sich neu erfinden"
Unternehmer Martin Ohneberg: In Europa und speziell Österreich vermisst er industriepolitische Akzente
- © Matthias HeschlOhneberg: "Abgegebenes Bild frustrierend"
Wenn Martin Ohneberg dieser Tage in den Flieger steigt, liegt das nicht am Zustand der heimischen Politik und dem Umstand, dieser den Rücken zu kehren. Wenngleich das Bild, das die Politik abgebe, "frustrierend ist", sagt der Unternehmer. Mitte Jänner eröffnet Henn Indo-Pacific in Chennai einen neuen Montagestandort. Ein kleines, feines Werk mit 2000 Quadratmetern Fläche für 30 bis 40 neue Mitarbeiter. Produziert sollen hier für die Region einschließlich Thailands, Südkoreas oder Japans automobile Verbindungstechnologien - Kunststoffkupplungen für Anwendungen der E-Mobilität - werden. Ohnebergs Mannschaft wird das Projekt in wenigen Tagen feierlich eröffnen. Der Vertrieb ist schon vor Ort domiziliert.
In einem ebenfalls neuen Technikzentrum in Pune wird gerade die Zahl der Entwickler in die Höhe geschraubt. Auch in Mexiko will das Unternehmen zum Ende des ersten Halbjahres 2025 mit einem Assemblingwerk vertreten sein. Internationalisierungsmaßnahmen, die Chancen böten, aber auch eine "Riesenchallenge" seien, sagt Ohneberg. "Local content" sei dort, "wo eine echte Industriepolitik verfochten wird, zwingend erforderlich".
Henn: 20 Stellen in Deutschland abgebaut.
In Europa und speziell Österreich vermisse er industriepolitische Akzente. Doch ist Henn dank der Diversifizierung in den globalen Märkten nicht ohnehin fein heraus? 2024 konnte das Vorjahresniveau gehalten werden. "Wir waren nicht unerfolgreich", sagt Ohneberg. Knapp 158 Millionen Euro Umsatz wurden erwirtschaftet. Wachstum in USA und Mexiko (plus 26 Prozent) sowie Korea (plus 18 Prozent) sorgten bei einem Dämpfer im Deutschland-Geschäft (minus 10 Prozent) unterm Strich für Wachstum im Segment Automotive.
"Ergebnisseitig lagen wir aber hinter den Plänen", so derUnternehmer. Dafür führt er eine Kombination aus überhöhten Standortkosten in Westeuropa und Investitionen in die Produkttransformation ins Treffen. "Wir haben tolle Aufträge und tolles Kundenfeedback, was aber auch heißt, die neuen Mobilitätslösungen einmal industrialisieren zu müssen", sagt Ohneberg. Sprich: Trotz globaler Handelshemmnisse erfolgreich zu lokalisieren und Kostennachteile im Headquarter im Rheintal in den Griff zu bekommen. Dort wurde zuletzt Personal aufgebaut, während in Deutschland da und dort angepasst wurde und 20 Stellen wegfielen.
"Großes Gemeinsames durch Kickl?"
Für Ohneberg sei nun in den Stunden der Regierungsfindung die Frage: Welche Standortkonzepte könnten Blau-Schwarz präsentieren? "Stellt Herbert Kickl ein großes Gemeinsames in den Vordergrund", so der Unternehmer. Der Staat müsse jedenfalls schlanker werden. Dieser sei "super im Input und schlecht im Output". "Wir haben kein Einnahmenproblem", sagt Ohneberg.
Der sich wundert: "Vom Menschen verlange man eine Transformation, bei den Kammern, Parteien und Bünden selbst sei diese Überzeugung jedoch noch nicht angekommen", sagt er. Die ÖVP sieht er in Regierungsverantwortung – um eine Neuerfindung werde diese aber nicht umhinkommen.