Martin Ohneberg Henn Gruppe : Karriere-Kick mit 54: Warum Martin Ohneberg jetzt noch einmal richtig durchstartet
Inhalt
- Transformation unter Druck: Warum Ohneberg jetzt Führungsverantwortung radikal neu denkt
- Verantwortung vor Image: Wie Ohneberg durch Krisen und Ermittlungen steuerte
- Industrieller Klartext: Ohnebergs Abrechnung mit Reformstau und Gremienlogik
- Ohneberg: "Unternehmerisches Scheitern ist kein Verbrechen"
- „Europa auf dem Pannenstreifen“: Ohnebergs Kritik an Machtverhältnissen, Moral-Keulen und verlorenen Märkten
- „Kein unternehmerfreundliches Land“: Ohneberg über verlorene IV-Wahl, Medienkritik und politische Blockaden
"Es tut mir leid, wenn Unternehmer wie Pierer, die extrem viel für den Standort getan haben, öffentlich verurteilt werden."
Martin Ohneberg
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Nein, es gehe ihm nicht ums Prestige. Vielmehr um Schärfung seiner Rolle als Eigentümer. Mit einem Executive-Programm an der US-amerikanischen Harvard Business School hat Martin Ohneberg jeweils im September die „Schulbank“ gedrückt – im Oktober schließt er dies ab. Hier, im Kreis internationaler Unternehmer, lässt es sich trefflich über Verantwortung, Governance und langfristige Entscheidungen in einem zunehmend instabilen Umfeld reflektieren. Und das, obwohl Ohneberg - Jahrgang '71, ausgebildet an der Handelsakademie und später an der WU in Wien - ausgerechnet zu jener Generation Unternehmer gehört, die stets am liebsten gestalteten. Die nicht übernommen, sondern aufgebaut haben. Früh engagierte sich Ohneberg über die Junge Industrie, später über Jahre hinweg in der IV, deren Landespräsident in Vorarlberg er war. Aufsichtsräte, Beiräte, politische Debatten – sein öffentliches Profil wuchs parallel zum unternehmerischen.
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Transformation unter Druck: Warum Ohneberg jetzt Führungsverantwortung radikal neu denkt
Heute zieht er daraus Konsequenzen. Führung, so sein Verständnis, bedeute in seiner Lebensphase nicht Präsenz in möglichst vielen Gremien, sondern Entscheidungsfähigkeit unter Unsicherheit. „Die kommenden Jahre werden für Unternehmer besonders anspruchsvoll“, sagt Ohneberg. Geopolitische Verwerfungen, technologische Umbrüche und strukturelle Veränderungen verlangten Fokus – und die Bereitschaft, Verantwortung nicht zu delegieren.
Im Zentrum steht dabei das industrielle Kerngeschäft. Als Mehrheitseigentümer und CEO der Henn-Gruppe verantwortet Ohneberg die strategische Ausrichtung eines international tätigen Automobilzulieferers mit Standorten in Europa, den USA, Mexiko, Indien und China. Neue Produktionsstätten, Investitionen in Zukunftstechnologien und die Neuausrichtung ganzer Produktgruppen prägen den Alltag. „Transformation ist kein Projekt, sondern ein permanenter Zustand“, sagt er.
Europa sieht Ohneberg dabei strukturell am stärksten unter Druck. Fehlende gemeinsame Industrie-, Außen- und Sicherheitspolitik schwächten die Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig verschärfe sich der globale Wettbewerb: China dränge mit wettbewerbsfähigen Produkten auf den Markt, Russland sei wirtschaftlich weitgehend weggefallen, neue Allianzen entstünden andernorts.
Mit seinen Positionen eckt er dabei mitunter an. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sei klar zu verurteilen, sagt Ohneberg. Gleichzeitig warnt er davor, langfristige europäische Perspektiven auszublenden. Russland bleibe geografisch Teil Europas. Diese Haltung brachte ihm Kritik ein, etwa im Zusammenhang mit seiner damaligen Funktion als Präsident des Österreichischen Tennisverbands und der Kooperation mit Lukoil Österreich. Juristisch zulässig, politisch sensibel – letztlich wurde die Partnerschaft beendet.
Verantwortung vor Image: Wie Ohneberg durch Krisen und Ermittlungen steuerte
Risikobereitschaft prägt Ohnebergs Werdegang. Die frühe Dorotheum-Akquisition, später die Übernahme von Henn – jeweils mit hohem persönlichem Einsatz und privater Haftung – sieht Ohneberg rückblickend als notwendige unternehmerische Entscheidungen. Diese Haltung verbindet ihn auch mit seinem langjährigen Weggefährten und Freund Michael Tojner, mit dem er mehrere Projekte umgesetzt hat. Entscheidend sei für ihn stets gewesen, die Verantwortung zu behalten. Öffentliche Aufmerksamkeit, Ermittlungen der WKStA und mediale Zuspitzung begleiteten diese Nähe über Jahre. Nach Einstellung der Verfahren kommentiert Ohneberg diese Ära nüchtern: „Schnurzegal ist einem das nicht“, sagt er. Aber entscheidend sei am Ende die rechtliche Klärung – nicht die Schlagzeile.
Industrieller Klartext: Ohnebergs Abrechnung mit Reformstau und Gremienlogik
Auch die Frage der Nachfolge behandelt Ohneberg ohne Pathos. Er hat Kinder im studienfähigen Alter, keiner ist derzeit im Unternehmen tätig. Druck übt er bewusst keinen aus. Unternehmen müssten nicht zwangsläufig in der Familie bleiben. Eigentum bedeute Verantwortung, nicht Vererbung. Diese Haltung unterscheidet ihn von klassischen Familiendynastien.
Politisch bleibt Ohneberg ein aufmerksamer Beobachter. Die Kandidatur für das Präsidentenamt der Industriellenvereinigung war ein markanter Einschnitt. Die Niederlage habe er akzeptiert, sagt er, gleichzeitig habe er unterschätzt, wie schwierig es sei, "danach weiter in denselben Gremien zu arbeiten". Inhaltlich habe der Wettbewerb der Organisation jedoch gutgetan. Für die Zukunft lässt er Optionen offen, wobei der Georg (Knill, Anm.) seine Arbeit sehr gut mache.
Ohnebergs Kritik an der Standortpolitik bleibt jedoch deutlich. Reformstau bei Pensionen, Gesundheit und Föderalismus, zunehmende Bürokratie bei gleichzeitigem Ruf nach Entlastung – all das schwäche die Wettbewerbsfähigkeit. Für einen Industriestandort im globalen Wettbewerb sei das zu wenig.
Ohneberg: "Unternehmerisches Scheitern ist kein Verbrechen"
Martin Ohneberg über russisches Sponsoring, gemeinsame Laufwege mit Tojner und Lehren aus der IV-Wahl.
INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Ohneberg, wenn man sich Ihren Lebenslauf ansieht – Industriellenvereinigung, Aufsichtsräte, Unternehmertum –, drängt sich eine Frage auf: In welcher Phase Ihres Lebens stehen Sie gerade?
Martin Ohneberg: Ich habe das Gefühl, dass jetzt eine Phase beginnt, in der ich bewusster auswähle, womit ich mich beschäftige. Nicht weniger intensiv, aber fokussierter. Ich bin Jahrgang 1971, also 54, und ich habe in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel gemacht – ehrenamtlich, unternehmerisch, politisch. Von der Jungen Industrie über die Industriellenvereinigung bis zum Österreichischen Tennisverband. Irgendwann stellt man sich die Frage: Wo kann ich meine Energie in den nächsten 15 oder 20 Jahren sinnvoll einsetzen?
Das klingt nach Rückzug.
Ohneberg: Nein, ganz im Gegenteil. Ich trete nicht leiser. Ich arbeite extrem gern und ich will auch noch lange arbeiten. Aber ich glaube, die nächsten Jahre werden für Unternehmer besonders herausfordernd. Darüber hinaus wird es spannende Chancen geben und diese möchte ich gerne nutzen. Und da braucht es Fokus. Ich habe mich tatsächlich aus dem einen oder anderen Aufsichtsrat zurückgezogen, nicht aus Desinteresse, sondern weil ich meine Zeit besser einsetzen will.
Als ÖTV-Präsident haben Sie angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Warum?
Ohneberg: Weil auch Ehrenamt Zeit und Energie kostet. Ich habe im Dezember gesagt, dass ich bei der neuerlichen Wahl nnicht mehr antreten werde. Das heißt nicht, dass mir Sport oder Tennis egal geworden wären – ganz im Gegenteil – die Arbeit im Verband mit den Ländern hat mir großen Spaß gemacht. Aber man muss ehrlich zu sich selbst sein. Ich habe sehr viel gemacht: Industriellenvereinigung, Sozialversicherung, Dorotheum-Initiativen, den Tennisverband. Irgendwann ist es legitim zu sagen: Jetzt konzentriere ich mich stärker auf mich, mein Kerngeschäft und auf neue unternehmerische Aktivitäten.
Sie sprechen von neuen Aktivitäten, haben aber gleichzeitig gesagt, Sie hätten aktuell „genug Arbeit".
Ohneberg: Das stimmt auch. Henn steckt mitten in einer internationalen Transformation. Wir sind global aufgestellt – Europa, USA, Mexiko, Indien, China. Das ist nichts, was nebenbei läuft. Wir investieren massiv, wir bauen neue Produktionsstätten auf, wir transformieren Produktgruppen, insbesondere im Bereich New Mobility. Das alles passiert in einer Phase extremer Unsicherheit: geopolitisch, wirtschaftlich. Wir sind nicht in einer kurzfristigen Krise, sondern in einer nachhaltigen Veränderung unseres globalen Wirtschaftssystems.
Und trotzdem haben Sie sich für einen Lehrgang an der Harvard Business School entschieden. Warum gerade jetzt?
Ohneberg: Weil ich nach vielen Jahren der Praxis „Hunger“ auf Theorie hatte, weil ich glaube, dass die nächsten Jahre noch globaler werden und daher globale Netzwerke wichtiger werden und ich habe noch nie auf einem internationalen Campus wir Harvard studiert. Das Programm heißt Ownership & President Program. Es richtet sich ausschließlich an Unternehmer, nicht an Manager. Es geht um Eigentum, Verantwortung, Skalierbarkeit, Innovation, Governance, Langfristigkeit. Ich bin dort jeweils knapp einen Monat pro Jahr in Boston. Wir sind 180 Unternehmer aus der ganzen Welt, davon nur 14 aus Europa. Ich bin der einzige Österreicher.
Was macht das mit dem Blick auf Europa?
Ohneberg: Es relativiert vieles. Die Welt wird sich in den nächsten Jahren noch stärker in Richtung USA und Asien entwickeln. Das heißt nicht, dass ich nicht an Europa glaube. Aber ich glaube, dass die nächsten Jahre für Europa sehr schwierig werden. Wir sind nicht geeint, wir haben keine gemeinsame Industrie-, Außen- oder Sicherheitspolitik. Und das spürt man als Unternehmer jeden Tag.
Sie haben sich öffentlich zu Russland geäußert, etwa im Zusammenhang mit dem Lukoil-Sponsoring im Tennis.
Ohneberg: Und ich wiederhole das gerne auch. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist zu hundert Prozent zu verurteilen. Darüber gibt es keine Diskussion. Aber als Unternehmer und als jemand, der international tätig ist, muss man auch langfristig denken. Russland liegt in Europa. Wir werden – hoffentlich – noch jahrhundertelang auf diesem Kontinent zusammenleben. Wenn wir beginnen, ein ganzes Volk unter Generalverdacht zu stellen, wird das langfristig nicht funktionieren.
Konkret ging es um die Kooperation des ÖTV mit Lukoil Österreich.
Ohneberg: Lukoil Österreich war für uns ein Sponsor im Bereich Inklusion, konkret im Rollstuhltennis. Es gab kein anderes Angebot in dieser Größenordnung. Juristisch war die Kooperation zulässig, sie entsprach unseren CSR-Richtlinien. Als sich die geopolitische Lage weiter zugespitzt hat und der öffentliche Druck gestiegen ist, haben wir die Partnerschaft im Einvernehmen mit der österreichischen Geschäftsführung beendet. Als Verbandspräsident trägst du Verantwortung – auch für die Wahrnehmung.
Persönlich hätten Sie anders entschieden?
Ohneberg: Persönlich hätte ich es nicht zwingend für notwendig gehalten, die Kooperation sofort zu beenden. Lukoil Österreich ist eine österreichische Gesellschaft mit österreichischen Beschäftigten. Aber das ist nicht der Punkt. In meiner Funktion musste ich eine Entscheidung treffen, die dem Verband insgesamt dient.
„Europa auf dem Pannenstreifen“: Ohnebergs Kritik an Machtverhältnissen, Moral-Keulen und verlorenen Märkten
Wie sehen Sie die Rolle Europas im globalen Machtgefüge?
Ohneberg: Europa hat sich in den vergangenen Jahren ein Stück weit selbst auf den Pannenstreifen gestellt, was Wettbewerbsfähigkeit betrifft. Wir verlieren Märkte. Russland ist faktisch weggebrochen, China überschwemmt uns mit wettbewerbsfähigen Produkten, um die Türkei haben wir uns zu wenig gekümmert und Afrika lassen wir strategisch und faktisch auch den Chinesen über. Gleichzeitig sind wir intern nicht geeint – weit entfernt von einem „single-market“. 27 Länder, 14 Amtssprachen, unterschiedliche Interessen. So kannst du global nicht bestehen.
Und dann ist da noch Trump.
Ohneberg: Seine Art ist oft unter jeder Kritik. Sie ist oft sehr respektlos. Aber in manchen Punkten hat er leider sehr recht. Europa hat sich zu lange auf die USA verlassen, etwa in der Sicherheitsfrage. Europa ist in vielen Teilen stark - versucht aber die Welt durch ideologische Vorbildwirkung und die „Moral-Keule“ zu verändern – das wird „leider“ nicht funktionieren.
Was folgt daraus?
Ohneberg: Wenn Europa eine Rolle spielen will, braucht es Integration. Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik, eine gemeinsame Außenpolitik, eine gemeinsame Sicherheitspolitik. Und ja, langfristig braucht Europa Verbündete – idealerweise auch die Türkei, nicht als EU-Mitglied, aber als wirtschaftlich eng verflochtenen Partner.
Was auffällt: Sie haben als Unternehmer früh große Risiken auf sich genommen.
Ohneberg: Mein erstes großes Risiko war die Dorotheum-Akquisition. Mit 28 habe ich einen Kredit über 350.000 Euro aufgenommen und privat gehaftet. Später die Übernahme von Henn – auch da habe ich für meine damaligen Verhältnisse alles auf eine Karte gesetzt.
Seit damals sind Sie ein enger Vertrauter von Michael Tojner.
Ohneberg: Wir kennen uns sehr lange. Es gibt eine freundschaftliche und eine geschäftliche Ebene. Wir haben gemeinsam Unternehmen aufgebaut und auch wieder verkauft, etwa Hahl Pedex oder Aluflexpack.
Sie wurden über Jahre von Ermittlungen der WKStA begleitet.
Ohneberg: Das ist alles andere als angenehm. Solche Ermittlungen gehen an niemandem spurlos vorbei. Aber ich war mir von Anfang an bewusst, dass ich nichts Rechtswidriges getan habe. Und das ist am Ende auch bestätigt worden. Trotzdem: Schnurzegal ist einem das nicht.
Sehen Sie diese Nähe zu Tojner auch als eine Art Challenge?
Ohneberg: Nein. Ich sehe es als Freundschaft. Michael ist ein außergewöhnlich ehrgeiziger Unternehmer. Er ist in vielen Dingen genial. Natürlich gibt es Themen, die kritisch diskutiert werden. Aber wenn man ehrlich ist, findet man solche Themen bei vielen großen Unternehmern.
Und wer ist der bessere Tennisspieler?
Ohneberg: Da bin ich besser. Aber man muss sagen: Es gibt wenige Menschen, die mit zunehmendem Alter besser werden. Michael hat sich durch Disziplin und Ehrgeiz enorm gesteigert. Aber es reicht noch nicht (lacht).
Sie haben gesagt, unternehmerisches Leben sei immer mit Höhen und Tiefen verbunden. Im Fall von Varta waren die Tiefen für viele Aktionäre existenziell.
Ohneberg: Man darf das nicht wegwischen. Natürlich ist das bitter. Wenn Menschen Geld verlieren, vielleicht sogar ihre Ersparnisse, dann ist das tragisch. Aber gleichzeitig muss man auch ehrlich sein und die Mechanismen erklären. Das Starug-Verfahren ist kein Instrument, das sich jemand ausgedacht hat, um Aktionäre zu enteignen. Es ist ein gesetzlich vorgesehenes Instrument, das dann greift, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt. Wenn Banken auf Forderungen verzichten, müssen Eigenkapitaleigner ebenfalls verzichten. Das ist keine moralische Frage, sondern eine rechtliche.
Sie sprechen von rechtlicher Logik, viele Betroffene argumentieren emotional.
Ohneberg: Und das ist verständlich. Emotionen gehören dazu. Aber wenn man beginnt, im Nachhinein Regeln umzuschreiben, dann wird es gefährlich. Die Varta war über Jahre extrem erfolgreich, zeitweise mit rund sechs Milliarden Euro bewertet. In dieser Phase haben sehr viele Investoren sehr gutes Geld verdient. Chancen und Risiken gehören immer zusammen.
Sie haben drei Kinder. Ist die Nachfolge im Unternehmen für sie ein Thema?
Ohneberg: Ich habe zwei eigene Kinder und einen Stiefsohn. Mein Sohn ist 19 und derzeit beim Bundesheer, meine Tochter ist 21 und studiert in Madrid, mein Stiefsohn studiert an der WU. Keiner von ihnen ist aktuell im Unternehmen tätig. Und ehrlich gesagt: Ich mache da überhaupt keinen Druck.
Also kein klassisches Generationendenken?
Ohneberg: Nein. Ich habe das Unternehmen selbst übernommen, ich habe es nicht geerbt. Ich bin nicht jemand, der automatisch in Generationen denkt. Wenn eines meiner Kinder irgendwann sagt, es interessiert sie, dann schauen wir uns das an. Wenn nicht, gibt es andere Lösungen. Unternehmen müssen nicht generell in der Familie bleiben. Meine Tochter hat ein Praktikum im Unterrnehmen gemacht und sehr klar gesagt: Papa, das ist toll, was du machst, ich bin stolz auf dich, aber das ist nichts für mich. (lacht)
Ist das Kapitel IV-Präsidentschaft für Sie abhgeschlossen?
Ohneberg: Aktuell ja. Es gibt einen amtierenden Präsidenten, Georg Knill, der das sehr gut macht. Ich kenne ihn seit der Zeit in der Jungen Industrie. Dass ich das Amt gern übernommen hätte, ist kein Geheimnis. Aber er hat die Wahl gewonnen, und das ist zu akzeptieren.
„Kein unternehmerfreundliches Land“: Ohneberg über verlorene IV-Wahl, Medienkritik und politische Blockaden
Im Rückblick: War die Kandidatur ein Fehler?
Ohneberg: Ich habe unterschätzt, was es bedeutet, eine Wahl zu verlieren und danach weiter in denselben Gremien aktiv zu sein. Man hat eigene Vorstellungen, ein eigenes Programm. Wenn jemand anderer gewinnt, hätte man vieles anders gemacht. Und wenn man das äußert, klingt es schnell nach Frust. Frustriert war ich nie – ich bin Unternehmer und Sportler und daher kann ich auch verlieren.
Sehen Sie auch Positives?
Ohneberg: Ja. Für die Industriellenvereinigung war dieser Wettbewerb nicht schlecht. Es war das erste Mal seit Langem ein echter Kampf um ein Amt. Das zeigt, dass es großes Interesse an dieser ehrenamtlichen Funktion gibt. Was 2029 ist, werden wir sehen. Aber aktuell ist das kein Thema.
Sie haben sich wiederholt kritisch über den medialen Umgang mit Unternehmern geäußert – etwa im Fall Stefan Pierer oder René Benko.
Ohneberg: Wir sind in Österreich leider kein besonders unternehmerfreundliches Land. Erfolgreiche Unternehmer der ersten Generation stehen sehr schnell unter Generalverdacht. Da überwiegt oft Neid und Missgunst.
Wo ziehen Sie die Grenze?
Ohneberg: Wenn es Betrug gibt, Vorsatz, strafbares Verhalten, dann gehört das aufgeklärt – schnell und konsequent. Aber unternehmerisches Scheitern ist kein Verbrechen. Höhen und Tiefen gehören dazu. Und mir tut es leid, wenn Unternehmer wie Stefan Pierer, die extrem viel für den Standort getan haben, öffentlich verurteilt werden.
Sie haben sich auch politisch positioniert, sprachen sich für Schwarz-Blau aus.
Ohneberg: Mir geht es immer um Inhalte. Ich bin klar für ein starkes Europa. Die aktuelle Bundesregierung ist bemüht, sie arbeitet. Aber es fehlen die großen Strukturreformen – Pensionen, Gesundheit, Föderalismus. Vieles ist Klein-Klein. Man redet von Bürokratieabbau und schafft neue Komplexität. Förderungen, Abgaben, Gegenfinanzierungen – das ist nicht schlüssig. Wir haben Reformen über Jahrzehnte verschoben, und jetzt stehen wir unter massivem Druck.
Sie sind auch in der Start-up-Szene aktiv.
Ohneberg: Ja, punktuell. Ich bin etwa bei fonio.ai beteiligt, einem österreichischen AI-Start-up. Außerdem über einen internationalen AI-Fonds investiert und bei einem Sport-Start-up im Bereich Cliff Diving.