Automobilzulieferer

Polytec-CEO Markus Huemer: „Ein notwendiger Prozess“

Polytec-CEO Markus Huemer hat frühzeitig auf Überkapazitäten im Automobilmarkt reagiert. Sein Unternehmen sieht er wandlungsfähiger denn je aufgestellt.

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Markus Huemer, CEO Polytec: „Zu 75 Prozent ein Portfolio, bei dem wir uns nicht fragen müssen, welcher Antrieb morgen genutzt wird"

Dieselskandal, Überkapazitäten, Preiskampf. Damit hat sich Markus Huemer arrangiert. „Die Automobilbranche war nie einfach“, sagt Huemer, der 2019 seinem Vater Friedrich an die Spitze des Hörschinger Automobilzulieferers Polytec gefolgt ist. Früher als andere in der Branche nahm der Zulieferer Anpassungen vor, getragen von der Zuversicht, die Organisation schneller und wandlungsfähiger zu machen. Mit der Netzwerkorganisation, der Einführung crossfunktionaler Teams und Digitalisierung stellte man die Weichen.

Auch kapazitiv folgten Maßnahmen: Zwei Werke wurden heuer geschlossen, jenes im türkischen Aksaray sowie Ende Juni das deutsche Werk Rastatt. Ein dritter Standort, das niederländische Werk Putte, wird bis Jahresende heruntergefahren. „Ein notwendiger Prozess“, sagt Huemer, der „schon angenehmere Entscheidungen“ zu treffen hatte. 

Divers aufgestellt

Die Coronapandemie hat im Planungshorizont der Oberösterreicher nicht unbedingt Entspannung gebracht. „Vor einigen Jahren hatten wir noch geringe Unsicherheiten bei der Umsatzplanung“, sagt er. Wegen schwankender Abrufe sei die Planbarkeit aktuell schwierig: „Über die genauen Schichtpläne der nächsten drei, vier Wochen kann man nur mutmaßen“, so Huemer. Dennoch gibt es für Huemer beim Blick ins Unternehmen (O-Ton: „Wir waren vor Corona in der Phase der Bereinigung auf einem guten Weg“) durchaus große Zuversicht zu schöpfen.

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Da wäre etwa das außergewöhnlich breit diversifizierte Technologie- und Produktportfolio des Zulieferers. „Wir haben zu 75 Prozent ein Portfolio, bei dem wir uns nicht fragen müssen, welcher Antrieb morgen genutzt wird“, sagt Huemer. Noch stärker habe man sich zuletzt als Lösungsanbieter für Kunststofftechnologien positioniert, Vertrieb und Entwicklung wurden gestärkt. „Bei der Technologiekombination, etwa von Spritzguss und Composites, sind wir heute um einiges breiter aufgestellt“, sagt Huemer. 

Investitionsklima muss zurückkehren.

Mit Struktur- und Leichtbauteilen wie Batterieabdeckungen sei man auch bei Anwendungen der Elektromobilität gut aufgestellt. Ein schrittweises Überdenken der Kurzarbeit bei Polytec bis zum Herbst ist nun geplant. Mitarbeiter, die in normalem Ausmaß arbeiteten, zeigten sich durch Gehaltsverzicht in den letzten Wochen solidarisch. Nun brauche es laut Huemer weiter vertrauensbildende Maßnahmen der Politik, damit der Konsum zurückkehre. Dass die Gastgärten wieder offen stünden, sei „erfreulich“.

Für Investitionen aber müsse weiterhin „Vertrauen geschaffen“ werden. 

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