Stahlindustrie

Fusion von Thyssen und Tata bringt Möglichkeiten für Zukäufe

Bis Juni will die EU-Kommission über die jüngsten Vorschläge von Thyssenkrupp und Tata Steel entscheiden, wie eine zu hohe Marktkonzentration bei der geplanten Fusion vermieden werden kann. Weil Anlagen zum Verkauf angeboten werden sollen, bieten sich anderen Stahlherstellern in Europa neue Kaufgelegenheiten.

Die Stahl-Fusionspläne von Thyssenkrupp und Tata Steel könnten der Konkurrenz Möglichkeiten für Zukäufe eröffnen. "Wir würden uns das ganz gewiss mit Interesse anschauen", sagte Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann am Rande der Hannover Messe. Als sicher gilt, dass auch ArcelorMittal ein Auge darauf werfen wird. Deutschland-Chef Frank Schulz hatte sich dazu nicht äußern wollen.

Am Montag lief die Frist der EU für Vorschläge der Fusionspartner ab, von welchen Geschäften sie sich im Gegenzug für eine Freigabe der Pläne trennen wollen.

Die Papiere seien eingereicht worden, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Thyssen und Tata wollen den zweitgrößten europäischen Stahlkonzern nach ArcelorMittal schmieden.

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Vier Anlagen sollen verkauft werden

Hierfür müssen sie sich voraussichtlich von Geschäften in drei Bereichen trennen: Verpackungsstahl, Auto- und Elektrostahl. Thyssenkrupp hatte Insidern zufolge einen Verkauf seiner Verpackungsstahl-Tochter Rasselstein abgelehnt, so dass hier wohl Tata etwas anbieten müsste. Der Partner hatte zudem bereits Geschäfte im Bereich Elektrostahl ins Schaufenster gestellt.

Offen war die Frage des Autostahls. Thyssen und Tata hätten den Verkauf von Teilen ihrer Autoblech-Produktion angeboten, berichtete das "Handelsblatt". Dabei soll es sich unter anderem um die spanische Thyssenkupp-Tochter Galmed handeln. Der Konzern wollte sich hierzu nicht äußern.

Aktuelle Details dazu:
Vor Fusion: Thyssen und Tata bieten Brüssel den Verkauf von vier Anlagen an >>

"Es bringt uns nicht um, wenn Fusion nicht stattfindet"

Unklar ist ohnehin, ob der Kommission die Zugeständnisse reichen. Sie hat bis Juni Zeit, diese zu prüfen. Vorstandschef Guido Kerkhoff hat inzwischen auch mit den Aufspaltungsplänen den Weg zu neuen Ufern beschritten, für die, wie er sagt, das Stahl-Joint-Venture keine Voraussetzung ist. Er will den Mischkonzern mit seinen rund 160.000 Mitarbeitern in eine Industrial AG und eine Materials AG aufspalten. Kerkhoff strebt das Joint Venture zwar nach eigener Aussage weiter an, betont aber: "Bringt es uns um, wenn es nicht stattfindet? Nein." (reuters/apa/red)

Zu den Plänen bei Thyssenkrupp:
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