3 Fragen an Austropapier-Präsident : Delfort-Chef Zahlbruckner: „Die neue Bundesregierung ist in der Pflicht, den Industrie- und Wirtschaftsstandort Österreich zu retten"
Martin Zahlbruckner, CEO der Delfort Gruppe und Präsident von Austropapier: "Die Rahmenbedingungen wurden aus
unverständlichen und unverantwortlichen Gründen erschreckend verschlechtert"
- © Daniel SchalerEnormer Aufschwung möglich - aber nicht in Österreich.
INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Zahlbruckner, wie wird es 2025 für Unternehmen Ihrer Branche laufen?
Martin Zahlbruckner: Die Weltwirtschaft und auch Teile Europas werden wirtschaftlich gesehen gar nicht so schlecht laufen. Wenn es gelingt, den Ukraine-Russland Konflikt zu beenden und wenn der Konflikt China – USA nicht eskaliert, dann können wir sogar mit einem enormen Aufschwung rechnen.
An diesem Aufschwung werden aber weder Deutschland noch Österreich aufgrund schwerer wirtschaftspolitischer Fehler in den letzten Jahren teilhaben können. Die Rezessionsszenarien werden bestehen bleiben. Für den gesamten Industriestandort Österreich und natürlich auch die Papierindustrie in Österreich ist das eine schwierige Ausgangslage.
Wenn eine neue Bundesregierung den Haushalt in Ordnung bringt, keine neuen Steuern einführt, unternehmerisches Handeln fördert, für Klarheit und Orientierung sorgt und uns einfach wieder Arbeiten lässt, dann wird es auch in Österreich wieder nach oben gehen. Dazu tragen wir gerne bei.
Österreichs Unternehmen waren lange Zeit standort-loyal.
Was zeichnet den Wirtschaftsstandort Österreich aus – und welche Rahmenbedingungen müssen sich verbessern?
Zahlbruckner: Den Wirtschaftsstandort Österreich haben schon immer vor allen die sehr gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezeichnet. Die österreichischen Unternehmen waren standort-loyal, haben viel in Österreich investiert und immer weltoffen agiert. Damit konnten wir sehr produktiv und innovativ arbeiten.
Die Rahmenbedingungen wurden aber aus unverständlichen und unverantwortlichen Gründen erschreckend verschlechtert. Regierungsseitig erfolgten überraschend und unabgestimmt und wohl auch unbedacht zu hohe Einkommens-Abschlüsse. In der EU wehrte sich Österreich nicht gegen die überbordende Explosion des Verwaltungsaufwands für alle Teile der Wirtschaft wie Klein-Unternehmen, Versicherungen, Banken, Industrie usw. und aus doktrinären Gründen unterstützte die österreichische Regierung den Anstieg der Energiekosten.
Damit haben wir uns sowohl im europäischen Umfeld als auch im internationalen Wettbewerb selbst geschadet. Die hohe Qualität unserer Produkte kann die riesigen Unterschiede bei Energie- und Lohnnebenkosten nicht mehr kompensieren. Die österreichische Papierindustrie hat eine Exportquote von knapp 90 Prozent erarbeitet. Wir sind auf Exporte angewiesen. Eine Industrie wie unsere, die so stark im internationalen Wettbewerb steht, kann diese immer weiter aufgehende Kostenschwere nicht mehr wegstecken. Wenn die nächste Bundesregierung eine funktionierende Wirtschaft mit Industrie in Österreich wünscht, bedarf es großer Kraftanstrengungen rasch die gebotenen und gar nicht so schwierigen korrektiven Maßnahmen anzugehen.
In erster Linie muss der Wirtschaftsstandort Österreich wieder wettbewerbsfähig werden. Das ist die Grundvoraussetzung, um Abwanderung und den Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern. Wir haben mit den hohen Energiekosten und der schwachen Konjunktur strukturelle Probleme, die nur durch konsequente Reformen gelöst werden können. Ein weiter so ist der Weg in ein Endszenario.
Die neue Bundesregierung soll sich weiterhin zu Klimazielen bekennen, diese müssen aber realistisch und umsetzbar sein. Unternehmen benötigen leistbare und grüne Energie. Während Industriebetriebe in anderen Ländern von Rückerstattungen überhöher Abgaben und angepassten Steuern profitieren, sind die österreichischen Standorte mit zu hohen Netzkosten, zu hohen Energiekosten und zu hohen CO₂-Steuern konfrontiert.
Von allen energieintensiven Industrien in Österreich hat die Papierindustrie mit fast 70 Prozent den höchsten Anteil an Erneuerbaren in der Produktion. Dennoch können unsere Mitbewerber in den meisten EU-Ländern mit deutlich niedrigerem Carbon Footprint und massiv niedrigeren Energiekosten produzieren als in Österreich. Hier muss sich so schnell wie möglich etwas ändern. Die neue Bundesregierung ist nun in der Pflicht, den Industrie- und Wirtschaftsstandort Österreich zu retten.
Unternehmen nehmen nachhaltige Investitionen vor.
Welche neuen Wachstumssegmente identifizieren Sie für Ihre Branche?
Zahlbruckner: In erster Linie tragen wir dafür Sorge, dass unsere Produktion immer sauberer, effizienter und kreislauffähiger wird. Hier sind wir international auf einer Alleinstellung. Dank jahrzehntelanger strategischer Investitionen in hochmoderne und umweltschonende Produktionsanlagen und bestmöglich ausgebildete Mitarbeiter:innen hat sich die heimische Branche hervorragend aufgestellt.
Wir setzen auf nachhaltige Investitionen, die nicht nur den heimischen Standort stärken, sondern auch positive Auswirkungen auf Umwelt und die Gesellschaft haben.
Wir produzieren Jahr für Jahr energieeffizienter und schließen unserer Kreisläufe mit inzwischen weniger als 1 Prozent Abfall. Nebenprodukte wie Lignin, Laugen oder Schlämme werden im Produktionskreislauf genutzt. Produktseitig lässt sich pauschal betrachtet ein klarer Trend hin zu innovativen Verpackungslösungen erkennen. Unsere Standorte haben diesen Trend frühzeitig erkannt und durch Sortenanpassungen Rechnung getragen.