Winkhaus : Warum elektronische Schließsysteme in der Industrie weiter zulegen
Winkhaus-Zutrittslösung: "Das Thema Zutritt wird auf C-Level gehoben"
INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Zeintl, wenn Unternehmen über NISG sprechen, geht es meist um IT-Sicherheit. Warum gehört physischer Zugang trotzdem auf diese Agenda?
Otmar Zeintl: Sicherheit war immer Aufgabe eines Unternehmers, sowohl im Bereich Cybersecurity als auch beim physischen Zugang. Neu ist, dass es nun gesetzliche Vorgaben gibt. NISG legt den Fokus zwar stark auf IT- und Cybersicherheit, physische Sicherheit ist jedoch ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts.
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Aus unserer Sicht beginnt Sicherheit nicht erst im Netzwerk, sondern bereits an der Tür: Die beste IT-Infrastruktur nützt wenig, wenn jeder unkontrolliert ein- und ausgehen kann.
Was bedeutet das konkret für ein Industrieunternehmen?
Zeintl: Es beginnt beim ersten Zutritt auf das Grundstück und reicht bis ins Gebäude. An der Außenhaut geht es um Einbruchschutz und geregelten Zugang. Im Inneren stehen Berechtigungen, Komfort und Dokumentation im Vordergrund. Ein Serverraum muss anders abgesichert sein als Bürobereich oder Kantine. In sensiblen Bereichen ist entscheidend, nachvollziehen zu können, wer wann Zutritt hatte - oder wer ihn unberechtigt versucht hat.
Ist das Thema damit nicht mehr nur Sache des Facility Managements?
Zeintl: Das Thema wird auf C-Level gehoben. Zutrittssicherheit ist längst nicht mehr nur operative Aufgabe des Facility Managements, sondern Teil der unternehmerischen Gesamtverantwortung. Geschäftsführungen müssen sich aktiv damit auseinandersetzen – nicht zuletzt, weil regulatorische Vorgaben und potenzielle Sanktionen deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Im Ernstfall zählt die nachvollziehbare Antwort auf die Frage, ob ein Unternehmen organisatorisch und sicherheitstechnisch ausreichend vorbereitet war.“
Wo stoßen mechanische Schließsysteme an Grenzen?
Zeintl: Mechanische Systeme werden weiterhin ihre Berechtigung behalten – nicht jede Anwendung muss elektronisch sein. Dort, wo Unternehmen flexibel und rasch reagieren müssen, ist Elektronik aber klar im Vorteil. Berechtigungen lassen sich in Echtzeit anpassen, Zutritte dokumentieren und verlorene Schlüssel sofort deaktivieren. Bei rein mechanischen Anlagen kann ein Schlüsselverlust dagegen schnell aufwendig und kostenintensiv werden, etwa wenn Zylinder oder ganze Schließanlagen getauscht werden müssen.
Mechanische Schließanlagen und das NISG - das gibt es zu beachten
Heißt das: Unternehmen, die unter NISG fallen, sollten mechanische Anlagen ersetzen?
Zeintl: Unternehmen mit rein mechanischen Schließanlagen sollten sich jedenfalls mit elektronischen Lösungen auseinandersetzen – insbesondere mit Blick auf zukünftige Anforderungen. Gerade bei Neuinvestitionen empfehlen wir daher, frühzeitig in Richtung elektronischer Zutrittsorganisation zu denken. Wichtig ist dabei: Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Anforderungen, Abläufe und Sicherheitsbedürfnisse. Deshalb braucht es keine Standardlösung, sondern individuell abgestimmte Zutrittskonzepte, die sowohl aktuelle als auch zukünftige Anforderungen berücksichtigen. Elektronischer Zutritt bedeutet dabei nicht automatisch, dass jede Tür neu verkabelt werden muss. Winkhaus bietet dafür praxisorientierte Lösungen mit batteriebetriebenen Zylindern, die sich besonders einfach in bestehende Türen integrieren lassen.
Elektronische Systeme sind in der Anschaffung teurer. Wann rechnet sich das?
Zeintl: In der Erstanschaffung sind elektronische Systeme im Vergleich zu mechanischen Lösungen zwar kostenintensiver. Über den gesamten Lebenszyklus relativiert sich dieser Unterschied jedoch deutlich, da sich die Vorteile der Elektronik im laufenden Betrieb zunehmend bemerkbar machen. Schlüsselverlust, neue Mitarbeiter oder geänderte Berechtigungen lassen sich wesentlich flexibler, schneller und einfacher organisieren.
Welche Rolle spielt die aktuelle Baukonjunktur? Weniger Neubau müsste mechanische Systeme stärker treffen.
Zeintl: Die Auswirkungen des rückläufigen Wohnungsneubaus spüren wir vor allem im mechanischen Bereich. Weniger Neubau bedeutet auch weniger klassische Schließsysteme, etwa für Wohnanlagen oder Genossenschaften. Im Bereich der elektronischen Zutrittsorganisation entwickelt sich der Markt hingegen anders.
Was unterscheidet Ihre Zutrittslösung blueEvo zum Wettbewerb?
Zeintl: Wir arbeiten mit einem elektronischen Zutrittssystem, das Anwendungen von der Außenhaut bis in den Innenbereich umfassend abdecken kann. Eine Besonderheit ist dabei die Mifare® DESFire® EV3 Technologie direkt im Schlüssel. Viele Systeme arbeiten mit Karten oder sichtbaren Drehknöpfen – wir setzen bewusst auf einen vertrauten Schlüssel und flächenbündige Zylinder. Gerade bei Sanierungen oder in denkmalgeschützten Gebäuden spielt diese unauffällige Integration eine wichtige Rolle, weil sich moderne Zutrittsorganisation umsetzen lässt, ohne die bestehende Architektur oder Optik zu verändern.
Wie das System blueEvo flexibel erweitert werden kann
Welche Anwendungen sind in der Industrie besonders gefragt?
Zeintl: Zunächst geht es meist um den physischen Zutritt – also um Außenhaut, Eingänge und sensible Bereiche. Danach wachsen die Systeme gemeinsam mit den Anforderungen des Unternehmens: Serverräume, Produktion, Maschinenzugänge, Zeiterfassung, Kantine, Druckerfreigaben oder Wallboxen. Mitarbeiter melden sich dabei mit einem einzigen Medium an und können je nach Berechtigung unterschiedliche Funktionen nutzen. Im Projektverlauf entstehen oft zusätzliche Anforderungen. Genau dafür ist unser System blueEvo ausgelegt, weil es flexibel erweitert und an neue Bedürfnisse angepasst werden kann.
Das heißt, Zutrittskontrolle wird Teil eines breiteren Sicherheits- und Organisationssystems?
Zeintl: Es geht nicht mehr nur allein um den Zylinder in der Tür. Bei elektronischen Anlagen sind heute auch IT-Verantwortliche, HR-Abteilungen und Systemadministratoren eingebunden. Themen wie Daten, Schnittstellen, Berechtigungen und das Zusammenspiel unterschiedlicher Systeme gewinnen immer mehr an Bedeutung. Früher waren häufig die Architekten die zentralen Ansprechpartnern, heute sind es Elektroplaner und IT-Verantwortliche die bereits früh in die Planung integriert werden.
Welche Schnittstellen spielen dabei eine Rolle?
Zeintl: Ein Beispiel sind ERP- oder HR-Systeme. Größere Unternehmen wollen Mitarbeiterdaten nicht mehrfach anlegen. Sind Stammdaten bereits vorhanden, sollen relevante Informationen auch für die Zutrittsorganisation genutzt werden können – etwa für Berechtigungen oder die Zeiterfassung.
Welche Bedeutung hat Österreich in der Geschichte von Winkhaus?
Zeintl: Österreich war die erste Auslandsniederlassung der Winkhaus Gruppe. Mit ihrer Gründung im Jahr 1969 begann die internationale Ausrichtung des Unternehmens. Von Österreich aus betreut Winkhaus heute mit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weitere 15 Märkte in Süd- und Südosteuropa. Winkhaus selbst wurde bereits 1854 gegründet und wird mittlerweile in fünfter Generation als Familienunternehmen geführt.
DIESER ARTIKEL ENTSTAND IN KOOPERATION MIT WINKHAUS.
ZUR PERSON, ZUM UNTERNEHMEN
ZUR PERSON
Otmar Zeintl, gebürtiger Oberösterreicher, verantwortet seit drei Jahren den Ausbau der österreichischen Winkhaus-Vertriebsniederlassung. Mit langjähriger Markterfahrung, hoher Kundenorientierung und einem partnerschaftlichen Ansatz positioniert er Winkhaus Austria als verlässlichen Anbieter moderner Zutritts- und Sicherheitslösungen sowie innovativer Systemlösungen für Fenster und Türen.
ZUM UNTERNEHMEN
Winkhaus entwickelt und produziert seit 1854 hochwertige Systemlösungen für Fenster und Türen sowie moderne Sicherheits- und Zutrittslösungen für unterschiedliche Anwendungen. Im Mittelpunkt stehen individuelle Konzepte statt Standardlösungen – von einzelnen Türen bis hin zu komplexen Schließanlagen. Die Systeme verbinden Sicherheit, Komfort und Flexibilität.
Winkhaus Austria ist die Vertriebsorganisation der Gruppe in Österreich mit rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Von Österreich aus werden zudem weitere Märkte in Süd- und Südosteuropa betreut.