Junge Talente im Maschinenbau : Simon Wendelin: Überraschender Einblick, wie er drei Eigentümerfamilien bei Erema zusammenhält
Simon Wendelin ist Erema-Aufsichtsrat und Miteigentümer in einem Familienunternehmen mit drei Familienstämmen
- © Erema/Georg Schmidinger16 Mitgesellschafter aus den drei Familien Bacher (45 Prozent der Anteile an Erema, Anm.), Schulz (zehn) und Wendelin (45), deren Interessen er als Aufsichtsratsmitglied bei Erema auszugleichen hat: Simon Wendelin, selbst Mitgesellschafter beim Maschinenbauer, hat es bei den Eigentümertreffen mit einem bunten Strauß an Viten zu tun. Eigentlich. Denn zum Glück, erzählt der 33-jährige, "sind wir, was das Unternehmen und unsere Vorstellungen zu dessen Fortgang betrifft, mit einer sehr homogenen Truppe gesegnet". Sein Großvater Georg gründete mit Helmut Bacher und Helmuth Schulz 1983 das Unternehmen, sein 2012 verstorbener Vater Gerhard setzte den Wachstumskurs fort.
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Gemäß Familienkodex gab es schließlich die Übereinkunft, in der dritten Führungsgeneration "ein familienfremdes Management zu bevorzugen", sagt Wendelin. Der einfache wie einleuchtende Gedanke dahinter: Bei einer derart zergliederten Eigentümerstruktur sei es als operativer Vertreter eines Familienstrangs wohl gar nicht so leicht, stets satisfaktions- und mehrheitsfähig zu bleiben. Eine Nachfolge wurde mit einer Doppelspitze in Person von Manfred Hackl, seit den 90ern an Bord des Maschinenbauunternehmens und Horst Wolfsgruber, seit 2015 im Unternehmen, gefunden. Seither ist Erema stetig - und steil - gewachsen.
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Simon Wendelin: Sein Weg zwischen Familienunternehmen und eigener Karriere
"Geh deinen Weg", sagte der Vater seinem ältesten Sohn Simon immer, der nicht ausschließt, dass sich im Kreis der Eigentümer mittelfristig "Fähigkeiten und Ambition" finden, bei Erema operativ mitzumischen. Denn alle hätten vom jeweiligen Opa oder Papa das Unternehmergen mitbekommen. Wer sich als Eigentümer ausschließlich auf Dividenden verlässt, anstatt unternehmerisch breit aufgestellt zu bleiben, setzt seine Unabhängigkeit aufs Spiel und wirdverliere "die Freiheit, auf eigenen Beinen zu stehen", sagt er.
Freilich: Wendelin erlebte als Heranwachsender auch die Anspannungen, wenn sein Vater und Großvater abends oder am Wochenende über das Unternehmen sprachen. Extrameilen ging auch Simon Wendelin in seiner bisherigen Laufbahn - wenngleich er sich als dreifacher Vater auch bewusst Rückzugsräume und Zeit für und mit seinen Kindern schafft. Er absolvierte die Tourismusschule Bad Ischl mit dem Schwerpunkt Hotelmanagement, schob als Barmann nach dem Grundwehrdienst im Linzer Marriott Nachtdienste und ging nach seiner Ausbildung am MCI (Studiengang Management und Recht; O-Ton seines Vaters: "Jus schadet nie") als Regionalverkaufsleiter durch die harte Hofer-Schule.
An einer US-Uni absolvierte er seinen MBA, ehe er bei Ebner Industrieofenbau als Assistent des CFO anheuerte. Als Co-Founder von Daniel Grunenberg verhalf er dem Korneuburger Startup SpeedPox - spezialisiert auf Epoxidharzsysteme - zum Durchbruch, an dem er heute noch beteiligt ist. Schließlich managt Simon Wendelin seit 2020 gemeinsam mit seiner Kollegin das Family Office . Mit unter anderem auch dem Beteiligungsmanagement und dem ehrenamtlichen Vorstandsvorsitz bei der NGO World Vision Österreich liegen dann eine Vielzahl von Themen am Tisch des gebürtigen Linzers.
Simon Wendelin: Warum Eremas Eigentümerstruktur in Krisenzeiten zum Vorteil wird
Der ohnehin den Eindruck gewinnt, dass die Gesellschaft mit Künstlicher Intelligenz "auf einem Schnellzug" sitzt, dessen disruptive Kraft vielen noch nicht bewusst ist. Besonders die rasante Entwicklung hin zu menschenähnlicher Künstlicher Allgemeiner Intelligenz (AGI) stellt eine tiefgreifende Herausforderung und zugleich Chance dar. Auch Europas Identitätskrise sorge ihn. "Wir sind zu zerstritten, finden keine gemeinsamen Nenner", sagt Simon Wendelin. Zugleich würden Unternehmer durch Direktiven wie CSRD "entmündigt". Gerade deshalb - und auch als Antwort auf die Disruptionen in der Geopolitik - sei die Eigentümerstruktur "trotz fehlender Blutsverwandschaft" in der Erema mit ihren rund tausend Mitarbeitern so wohltuend. "Wir handeln nicht ruckartig, sondern folgen langfristigen Visionen", sagt Wendelin.