Casestudy : Wenn 250.000 Etiketten das Lager ordnen
Die Akar GmbH verantwortet den europaweiten Vertrieb von Produkten des türkischen Lebensmittelkonzerns Ülker. Das Sortiment umfasst schnelldrehende Konsumgüter aus mehr als 30 Warengruppen, darunter Süßwaren, Fertigprodukte und Getränke. Beliefert werden Kunden in der DACH-Region, den Benelux-Ländern und Frankreich.
Für dieses Geschäft hat Akar in den vergangenen Jahren sein europäisches Logistiknetz ausgebaut. 2019 nahm das Unternehmen in Langenbach bei München einen zentralen Hub in Betrieb. Weitere Standorte entstanden in Norderstedt, Belgien und der Schweiz, der Standort Bochum wurde reorganisiert.
Mit dem wachsenden Netz entstand eine praktische Herausforderung: Mehrere Zehntausend Stellplätze an unterschiedlichen Standorten müssen so gekennzeichnet sein, dass die Abläufe möglichst nach demselben Prinzip funktionieren. Dafür arbeitet Akar mit dem Kennzeichnungsspezialisten ONK zusammen.
Ein Schema für mehrere Standorte
Akar und ONK entwickelten ein Standardschema, das sich auf unterschiedliche Regalanlagen übertragen lässt. Die Kennzeichnung ist mit dem Lagerwirtschaftssystem und den eingesetzten Handscannern abgestimmt.
„Für die Kennzeichnungen haben wir gemeinsam ein Standardschema entwickelt, das sich per Copy and Paste auf die von uns genutzten Regalanlagen übertragen lässt“, sagt Adem Arslan, Betriebsleiter bei Akar. „Die Kennzeichnungen wachsen mit und sind auf unser Lagerwirtschaftssystem sowie die Handscanner abgestimmt.“
Zuletzt wurde das System im Kommissionierlager am neuen Standort in der Schweiz umgesetzt. Von dort aus beliefert Akar Schweizer Detail-, Groß- und ethnische Einzelhändler Just-in-Time.
Zum Einsatz kommen selbstklebende Einzelplatzetiketten. Auf ihnen sind Barcodes mit den jeweiligen Stellplatzkoordinaten auf unterschiedlichen Hintergrundfarben aufgedruckt. Die am häufigsten genutzte Lagerebene ist gelb markiert, die übrigen Ebenen sind mit dezenteren Farben gekennzeichnet.
Die Idee dahinter ist einfach: Mitarbeiter sollen die richtige Lagerebene nicht ausschließlich anhand von Zahlen und Barcodes erkennen, sondern zusätzlich über die Farbe. Nach Angaben von Akar erleichtert das die Orientierung und reduziert Suchzeiten und Fehler beim Ein- und Auslagern. Konkrete Kennzahlen dazu nennt das Unternehmen allerdings nicht.
Für beschädigte Kennzeichnungen hält Akar Ersatzetiketten vor. Muss beispielsweise nach einer Beschädigung eine Traverse ausgetauscht werden, kann auch die Kennzeichnung unmittelbar ersetzt werden.
Die Blaupause entstand in Langenbach
Das System in der Schweiz ist nicht neu. Zuvor hatte ONK bereits die Standorte in Norderstedt, Bochum und Belgien sowie das zentrale Logistikzentrum in Langenbach gekennzeichnet.
Die Blaupause dafür entstand 2019 beim Aufbau des Logistikzentrums in Langenbach. Vor der Umsetzung wurden die Lösungen vor Ort getestet und Muster eingesetzt, bevor die Kennzeichnung großflächig ausgerollt wurde.
Im Hochregallager kommen Regalzeilenschilder und barcodierte Mehrebenen-Etiketten zum Einsatz. Besonders deutlich wird die Dimension des Systems an einer anderen Zahl: Insgesamt sind dort nach Unternehmensangaben 250.000 PID-Etiketten im Einsatz.
Auch das Blocklager erforderte eine andere Lösung. Dort werden Schilder von der Hallendecke abgehängt. Ändert sich die Flächen- oder Lagerorganisation, lassen sich die Kennzeichnungen umhängen oder austauschen, ohne dass eine fest installierte Beschilderung neu aufgebaut werden muss.
Damit folgt die Kennzeichnung an den verschiedenen Standorten zwar einem gemeinsamen Schema, wird aber an die jeweilige Lagerstruktur angepasst.
Nächste Halle bereits geplant
Der Ausbau ist noch nicht abgeschlossen. Noch 2026 plant Akar nach Angaben von Betriebsleiter Arslan eine weitere Halle am Standort Langenbach. Auch diese soll mit Regalen und dem bestehenden Kennzeichnungssystem ausgestattet werden. Darüber hinaus stimmen Akar und ONK derzeit Bodenmarkierungen und Produktkennzeichnungen ab.
„Noch in diesem Jahr planen wir den Neubau einer weiteren Halle in Langenbach, die regaliert und gekennzeichnet wird“, sagt Arslan. „Aktuell stimmen wir mit ONK auch Bodenmarkierungen und Produktkennzeichnungen ab.“
Damit wird aus einer vergleichsweise unscheinbaren Komponente der Lagerlogistik ein System, das Akar mittlerweile über mehrere Länder hinweg einsetzt: Stellplatz, Barcode und Farbcodierung folgen demselben Grundprinzip – unabhängig davon, ob die Ware in Langenbach, Bochum, Norderstedt, Belgien oder der Schweiz kommissioniert wird.