Digitalisierung Spedition : Speditionen: Wenn Digitalisierung die Arbeit nur verschiebt

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Digitalisierung ist nicht kostenlos. Nur zahlt jemand anderes. Vor einiger Zeit habe ich hier geschrieben, dass echte Digitalisierung Arbeit verschwinden lässt. Genau deshalb beschäftigt mich auch die Kehrseite dieser Entwicklung.

Manchmal frage ich mich nämlich, ob wir den Begriff Digitalisierung inzwischen völlig falsch verwenden. Früher hatte ein Kunde einen Sachbearbeiter. Heute hat er ein Portal. Die Arbeit ist trotzdem nicht verschwunden. Sie hat lediglich den Arbeitgeber gewechselt. Statusmeldungen, POD-Uploads, Slotbuchungen: jede einzelne Anforderung dauert nur wenige Minuten. Genau deshalb wird sie selten hinterfragt.

Addiert man sie über alle Kunden, verbringt eine Spedition plötzlich Stunden damit, Prozesse anderer Unternehmen zu bedienen. Und genau dort beginnt mein Problem. Digitalisierung sollte Arbeit reduzieren. Zu oft verschieben wir sie nur. Der Auftraggeber spart Personal, der Dienstleister stellt Personal ein und beide nennen das anschließend Effizienz. 

Wenn Effizienz nur die Bilanz wechselt

Betriebswirtschaftlich ist das ein interessanter Ansatz. Wenn zwanzig Dienstleister täglich zusätzlichen Verwaltungsaufwand übernehmen, damit beim Auftraggeber Stellen eingespart werden können, wurde der Prozess nicht automatisch besser. Natürlich schaffen manche Portale echten Mehrwert: mehr Transparenz, weniger Fehler oder eine bessere Nachvollziehbarkeit. Daran gibt es nichts auszusetzen.

Viele andere tun allerdings etwas deutlich Einfacheres. Sie verlagern Arbeit. Nur stehen die Kosten anschließend auf einer anderen Bilanz. Das Verrückte daran ist, dass wir diesen Aufwand inzwischen fast widerspruchslos akzeptieren. Jedes neue Portal wird begrüßt, jede zusätzliche Uploadpflicht als Standard hingenommen und jede Sonderlösung als Digitalisierung verkauft.

Dabei ist ein Portal noch keine Digitalisierung. Eine Schnittstelle auch nicht. Und ein PDF-Upload schon gar nicht. Digitalisierung beginnt für mich erst dort, wo insgesamt weniger Arbeit entsteht. Nicht dort, wo dieselbe Arbeit einfach jemand anderes erledigt.

Deshalb lohnt sich eine unbequeme Frage: Wird der Prozess wirklich effizienter – oder hat nur jemand anders die Rechnung bekommen? Denn manchmal sitzt der digitale Sachbearbeiter nicht mehr beim Auftraggeber. Er sitzt längst beim Dienstleister.

Über den Autor

Thomas Kogler ist Geschäftsführer der Spedination GmbH mit Sitz in Langkampfen in Tirol. Das Unternehmen ist im Bereich Spedition, Logistik, Transport und Fracht tätig.

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