Künstliche Intelligenz Supply Chain : Die nächste Stufe operativer Intelligenz beginnt im laufenden Prozess

Screenshot von Aura Observer
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In vielen logistischen Prozessen entsteht die eigentliche Herausforderung nicht dort, wo Systeme bereits klare Rückmeldungen liefern, sondern in dem Moment davor. Ein Fahrzeug erreicht planmäßig das Werksgelände, steht aber länger als vorgesehen an der Rampe. Bewegungen verdichten sich an einzelnen Übergabepunkten, Wege werden kurzfristig blockiert, Material staut sich an Stellen, an denen im System zunächst noch kein kritischer Zustand erkennbar ist. Solche Veränderungen gehören zum operativen Alltag, werden jedoch häufig erst dann systemisch greifbar, wenn ihre Auswirkungen bereits an anderer Stelle spürbar werden.

Gerade deshalb reicht die reine Verfügbarkeit von Prozessdaten heute in vielen Bereichen nicht mehr aus. Entscheidend wird zunehmend die Fähigkeit, operative Informationen im richtigen Zusammenhang zu lesen und Entwicklungen frühzeitig einzuordnen. Genau an diesem Punkt setzt EPG AURA an.

AURA ist als AI-native Umgebung für Supply Chain Execution konzipiert. Das bedeutet: Künstliche Intelligenz wird nicht nachträglich auf bestehende Prozesse aufgesetzt, sondern bildet von Beginn an die Grundlage dafür, unterschiedliche Informationsquellen in Echtzeit zusammenzuführen, zu interpretieren und im operativen Kontext nutzbar zu machen. Daten aus Ausführungssystemen, aktuelle Prozesszustände und zusätzliche reale Signale werden innerhalb einer gemeinsamen Logik so verknüpft, dass Anwender daraus ein präziseres Bild des laufenden Betriebs erhalten, ohne sich mit der zugrunde liegenden Technologie beschäftigen zu müssen.

Aus Bildern werden Entscheidungen – Der AURA Observer

Ein zentraler Bestandteil dieser Wahrnehmungsebene ist EPG AURA Observer. Der Observer nutzt IVA, also Intelligent Video Analytics, um kamerabasierte Informationen in strukturierte operative Ereignisse zu überführen und damit erstmals systematisch für die Prozesssteuerung nutzbar zu machen.

Kameras sind in Lager- und Logistikumgebungen seit Jahren Teil der Infrastruktur. Neu ist jedoch, dass ihr Bildmaterial nicht mehr nur zur Beobachtung oder Sicherheit dient, sondern innerhalb der AI-nativen Logik von EPG AURA aktiv ausgewertet wird. Der AURA Observer erkennt Bewegungen, Zustände und Veränderungen in Echtzeit und ordnet diese entlang definierter operativer Fragestellungen ein. Dadurch entsteht aus einem visuellen Signal eine Information, die sich aus logistischer Sicht direkt einordnen und im Prozesskontext nutzen lässt. Besonders relevant ist das überall dort, wo sich Abweichungen zunächst physisch zeigen, lange bevor sie in klassischen Systemmeldungen eindeutig sichtbar werden. Typische Anwendungsfälle sind zum Beispiel:

  • verlängerte Standzeiten von Fahrzeugen an Toren oder Rampen
  • blockierte Verkehrs- oder Übergabeflächen im innerbetrieblichen Materialfluss
  • ungewöhnliche Verdichtungen von Material an definierten Prozesspunkten
  • erkannte Rückstaus in Kommissionier- oder Bereitstellungsbereichen
  • Abweichungen bei Bewegungsmustern von Flurförderzeugen
  • sicherheitsrelevante Situationen wie blockierte Notwege oder unzulässige Flächennutzung
  • Auffälligkeiten bei manuellen Abläufen, etwa wenn Prozessschritte ungewöhnlich lange dauern
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Im Gespräch mit Peter Bollinger, CEO der EPG: Warum sich operative Systeme durch AURA grundlegend verändern

Herr Bollinger, worin unterscheidet sich AURA aus Ihrer Sicht von vielen aktuellen KI-Initiativen im Markt?
Peter Bollinger Mit AURA sprechen wir nicht über ein Zukunftsbild, sondern über eine bereits jetzt einsatzfähige Umgebung, aus der bereits konkrete Produkte und Use Cases für die Logistik entstanden sind. Genau das ist aus meiner Sicht entscheidend. Am Ende interessiert unsere Kunden nicht, welche Technologie im Hintergrund arbeitet, sondern ob ein reales operatives Problem  gelöst wird.
Deshalb verfolgen wir einen klaren Ansatz: Wir „verstecken“ KI dort, wo sie keine zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen muss, und entwickeln Lösungen, die unmittelbar an konkreten Kundenbedarfen ansetzen. Wenn AURA Situationen schneller erkennt, operative Zusammenhänge einordnet oder Entscheidungen wirksamer unterstützt, dann entsteht daraus ein direkter Nutzen im laufenden Betrieb. Gerade in der Logistik zählt, dass Anwender sich auf ihre Prozesse konzentrieren und ihr logistisches Wissen einsetzen können, ohne dafür IT- oder KI-Kenntnisse mitbringen zu müssen.

Mit AURA sprechen Sie bewusst von einer AI-nativen Umgebung und nicht von einer klassischen KI-Erweiterung bestehender Systeme. Wo liegt für Sie der entscheidende Unterschied in diesem Ansatz?
Viele KI-Anwendungen entstehen heute dadurch, dass einzelne Funktionen nachträglich an bestehende Systeme angebunden werden. AURA verfolgt bewusst einen anderen Ansatz.  Die Logik künstlicher Intelligenz ist nicht als additive Komponente konzipiert, sondern von Beginn an integraler Bestandteil der Systemarchitektur. Die Lösung kann autark als Stand-alone-Umgebung betrieben werden und lässt sich zugleich flexibel in bestehende Softwarelandschaften integrieren. Dadurch ist eine nahtlose Interaktion mit unterschiedlichen Drittsystemen – etwa WMS-, ERP-Systemen oder Automatisierungstechnologien – gewährleistet.  Das ermöglicht, unterschiedliche Informationsquellen aus verschiedenen Systemen gleichzeitig so zu verknüpfen, dass daraus ein ganzheitliches, intelligentes und unmittelbar nutzbares Gesamtbild entsteht. Genau deshalb sprechen wir von einer AI-nativen Umgebung. 

Der Markt diskutiert derzeit intensiv über den praktischen Nutzen von KI in der Logistik. Wo sehen Sie heute die Bereiche, in denen AI-native Systeme bereits einen realen operativen Unterschied machen können?
Gerade dort, wo viele unterschiedliche Informationen gleichzeitig verfügbar gemacht, eingeordnet und schnell in eine belastbare Entscheidung überführt werden müssen, entsteht der eigentliche Mehrwert. Das kann die kamerabasierte Analyse realer Prozesssituationen ebenso betreffen wie die Vereinfachung komplexer Aufgaben, etwa bei Konfigurationen im System oder bei der intelligenten Bereitstellung operativer Informationen.
Dies betrifft grundsätzlich die gesamte Supply Chain. Mit EPG AURA bieten wir ein breites Spektrum an KI-Services und Capabilities, die entweder ganzheitlich auf die Anwendung, Steuerung oder Orchestrierung der Supply Chain wirken, etwa durch den AURA Orchestrator oder Communicator, oder gezielt einzelne logistische Prozesse optimieren. 

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Dieser Artikel ist zuerst in Dispo-Ausgabe 02/2026 in Kooperation mit EPG erschienen.