Reploid : Industrielle Insektenmast: So bleiben biologische Ressourcen im Kreislauf

Mastcontainer und Wanne Reploid

Mastcontainer und Wanne: Die Anlage verarbeitet täglich rund 40 Tonnen organische Reststoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.

- © FABIAN FALLEND

Die Technologie der Steinberger ReFarmUnit stammt vom oberösterreichischen Unternehmen Reploid. Die Anlage befindet sich in einer 24 mal 60 Meter großen Halle und verarbeitet täglich rund 40 Tonnen organische Reststoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. Etwa eine halbe Milliarde Larven der Schwarzen Soldatenfliege verwerten diese Materialien. 

Proteine aus Reststoffen

Die Larven liefern tierische Proteine und Fette, während ihre Ausscheidungen die Basis für den organischen Dünger AgriVio bilden. Die ReFarmUnit ist modular und dezentral konzipiert; die benötigten Reststoffe stammen aus einem Umkreis von rund 50 Kilometern. Für Reploid markiert die Anlage einen wichtigen Entwicklungsschritt. „Die Eröffnung in Burghausen ist ein Meilenstein für unser Unternehmen. Sie zeigt, was durch Ausdauer und Teamarbeit möglich ist“, sagt Gründer und CEO Philip Pauer. Die Lösungen des Unternehmens seien inzwischen international gefragt, entsprechend arbeite man an einer weiteren Skalierung der Technologie. 

Politische Unterstützung 

Auch die Politik bewertet das Projekt als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger verweist auf die wirtschaftliche Nutzung bislang ungenutzter Reststoffe. Angesichts knapper Ressourcen und großer Mengen an Lebensmittelabfällen eröffne die Verwertung organischer Nebenprodukte neue Perspektiven für die Landwirtschaft. Im Rahmen des Förderprogramms BayBioökonomie-Scale-UP überreichte er dem Hauptgesellschafter der Steinberger ReFarmUnit, Simon Steinberger, eine Förderurkunde über 880.000 Euro. Die Förderung ist Teil der bayerischen Bioökonomiestrategie „Zukunft.Bioökonomie.Bayern.“, die darauf abzielt, biologische Ressourcen stärker im Kreislauf zu führen und regionale Wertschöpfungsketten auszubauen.

Impulse aus Österreich

Oberösterreichs Agrarlandesrätin Michaela Langer- Weninger betont, dass Landwirtschaft traditionell auf Kreislaufprinzipien basiert. Entscheidend sei nun, dieses Wissen mit technologischen Innovationen zu verbinden. Dass eine solche Lösung aus Oberösterreich stammt, unterstreiche die Rolle des Bundeslands als Agrar- und Industriestandort. Für die Stadt Burghausen sieht Bürgermeister Florian Schneider in der Anlage ein Beispiel für moderne Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung. Aus Reststoffen entstehe ein international gefragter Rohstoff – ein Schritt, der zeige, dass nachhaltige Landwirtschaft, wirtschaftlicher Erfolg und technologische Entwicklung miteinander vereinbar sind.

ZUM UNTERNEHMEN

Reploid stellt hochwertige Proteine und Fette sowie biologischen Dünger aus der Aufzucht von Larven der Schwarzen Soldatenfliege her. In den für ihre Kunden errichteten Mastanlagen – den Reploid ReFarmUnits – erhalten vom Unternehmen gelieferte Junglarven eine auf den jeweiligen Standort abgestimmte Futtermischung aus Reststoffen der regionalen Lebensmittel-Wertschöpfungskette. Nach erfolgter Mast übernimmt Reploid die Larven zur zentralen Vermarktung. Reploid wurde im Jahr 2020 gegründet und hat ihren Sitz in Wels. Die Gruppe beschäftigt rund 80 Mitarbeiter.