Instandhaltung : Modernisieren, ohne die Produktion auszubremsen
Ein Industriebetrieb lässt sich nicht beliebig lange stilllegen, nur weil Rohrleitungen erneuert oder Anlagen erweitert werden müssen. Viele Unternehmen nutzen deshalb geplante Wartungsfenster, Wochenenden oder Revisionszeiten für größere Arbeiten. Innerhalb dieser Zeit muss alles funktionieren: Die alten Leitungen werden entfernt, neue Rohrleitungsabschnitte installiert, geprüft und rechtzeitig wieder in Betrieb genommen.
Besonders anspruchsvoll sind solche Projekte in bestehenden Produktionsanlagen. Dort müssen Montageteams mit beengten Platzverhältnissen, vorhandener Infrastruktur und betrieblichen Sicherheitsvorgaben zurechtkommen. Gleichzeitig sollen die Eingriffe möglichst wenig Einfluss auf den Produktionsablauf haben.
Wie wichtig diese Anforderungen für Industrieunternehmen sind, bestätigt auch Christian Rüsche, Geschäftsführer von Viega Österreich. Im Interview mit INDUSTRIEMAGAZIN verweist er darauf, dass Unternehmen vor allem Sicherheit und verlässliche Lösungen erwarten. Geschwindigkeit sei neben Verfügbarkeit, Qualität und Innovationskraft ein wesentliches Merkmal für die Industrie.
Neue Rohrleitungen an einem Wochenende
Wie sich eine Modernisierung in ein begrenztes Zeitfenster einpassen lässt, zeigt ein Beispiel aus der Lebensmittelindustrie. In einem Betrieb mussten veraltete verzinkte Trinkwasserleitungen durch Edelstahlleitungen ersetzt werden.
Für die Arbeiten stand ein geplantes Revisionswochenende zur Verfügung. Eine längere Unterbrechung des Produktionsbetriebs sollte vermieden werden.
Die ausführenden Fachkräfte setzten auf die kalte Pressverbindungstechnik im Zusammenspiel mit vorgefertigten Leitungsabschnitten. Dadurch konnten wesentliche Vorbereitungsschritte bereits vor der eigentlichen Montage erledigt werden. Die Leitungen ließen sich anschließend innerhalb des vorgesehenen Zeitfensters installieren.
Nach Angaben von Viega wurde die Modernisierung vollständig am Revisionswochenende abgeschlossen. Eine Ausführung mit Schweißverbindungen hätte bei gleicher Leitungslänge voraussichtlich deutlich mehr Zeit benötigt.
Das Beispiel zeigt, welchen Einfluss die Planung auf die Dauer eines Umbaus haben kann. Wer Leitungsabschnitte vorfertigt, benötigte Materialien rechtzeitig bereitstellt und die einzelnen Arbeitsschritte aufeinander abstimmt, kann die verfügbare Montagezeit besser nutzen.
Gerade in sensiblen Produktionsumgebungen kommt hinzu, dass nicht jedes Verfahren unter denselben Bedingungen eingesetzt werden kann. Neben der Geschwindigkeit müssen deshalb auch die Anforderungen an Hygiene, Werkstoffe und Betriebssicherheit berücksichtigt werden.
Wenn Schweißarbeiten zum Sicherheitsrisiko werden
Auch der zweite Praxisfall zeigt die die Bedeutung des gewählten Montageverfahrens: In einem Produktionsumfeld, in dem mit Farbstoffen gearbeitet wird, sollte eine rund 300 Meter lange Rohrleitung installiert werden. Dabei lag die Herausforderung hier nicht allein in der Leitungslänge.
Aufgrund der vorhandenen Gefahrstoffe bestanden besondere Brand- und Explosionsrisiken. Schweißarbeiten wären deshalb nur mit erheblichem organisatorischem Aufwand und zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen möglich gewesen.
Stattdessen wurde geprüft, ob sich eine kalte Pressverbindungstechnik einsetzen lässt. Nach einer Werkstoffprüfung und der entsprechenden Freigabe konnte die Installation ohne die ursprünglich vorgesehene Schweißausführung erfolgen. Damit ließ sich damit der Aufwand für Heißarbeiten vermeiden und die Produktion aufrechterhalten.
Der Fall macht deutlich, dass bei Modernisierungen nicht automatisch das bisher übliche Verfahren die beste Wahl sein muss. Vor allem in Bereichen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen lohnt es sich, mögliche Alternativen bereits in der Planungsphase zu prüfen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Pressverbindungen grundsätzlich für jede industrielle Anwendung geeignet sind. Entscheidend bleiben die Anforderungen des jeweiligen Mediums, die Betriebsbedingungen sowie die technischen Freigaben und geltenden Vorschriften.
Die entscheidenden Fragen stellen sich vor dem Umbau
Bei Modernisierungen im Bestand werden Probleme häufig erst dann sichtbar, wenn die Arbeiten bereits begonnen haben. Leitungen sind schwerer zugänglich als angenommen, vorhandene Absperrungen funktionieren nicht wie vorgesehen oder die verfügbare Montagezeit reicht nicht aus.
Umso wichtiger ist es, die bestehende Infrastruktur vorab genau zu erfassen. Dazu gehört auch die Frage, welche Produktionsbereiche während der Arbeiten weiterlaufen müssen und welche Leitungen tatsächlich außer Betrieb genommen werden können.
Ebenso sollte frühzeitig geklärt werden, welche Werkstoffe und Rohrverbindungstechniken für den konkreten Einsatzbereich geeignet sind. Bei sicherheitskritischen Anwendungen können zusätzliche Prüfungen und Freigaben erforderlich sein.
Die beiden Praxisbeispiele zeigen unterschiedliche Wege, mit diesen Anforderungen umzugehen. Im Lebensmittelbetrieb war die sorgfältige Vorbereitung entscheidend, um das enge Revisionsfenster einzuhalten. Bei der Installation im Umfeld von Gefahrenstoffen stand die sichere Durchführung ohne Heißarbeiten im Vordergrund.
Gemeinsam ist beiden Fällen, dass die Wahl des Montageverfahrens bereits vor Beginn der Arbeiten eine wichtige Rolle spielte. Wer also eine Modernisierung plant, sollte sowohl die Kosten der neuen Infrastruktur, als auch die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb, den Aufwand für Sicherheitsmaßnahmen und die Zeit bis zur Wiederinbetriebnahme im Blick haben.