Stahlindustrie

Stahl mit Wasserstoff: Voest bewirbt sich um hohe Beihilfen der EU

Der oberösterreichische Stahlriese bewirbt sich um Förderungen der EU für die Entwicklung einer Stahlproduktion mit Wasserstoff. Das Umweltministerium hat die dafür nötige Kofinanzierung bereits zugesagt. Demnach soll die Voest aus dem heimischen Staatsbudget für zehn Jahre bis zu 70 Millionen Euro pro Jahr bekommen.

Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine bewirbt sich für EU-Gelder, um den klimaschädlichen CO2-Ausstoß bei der Stahlerzeugung zu reduzieren. Die dafür notwendige Kofinanzierung Österreichs ist im Ministerrat von der Bundesregierung beschlossen worden, wie das Umweltministerium mitteilte. Vereinfacht gesagt geht es darum, im Hochofen Kohle und Koks durch Strom und später durch Wasserstoff zu ersetzen.

Die Voestalpine reicht den geplanten schrittweisen Umstieg vom kohlebasierten Hochofen auf eine grünstrombetriebene Elektrostahltechnologie beim EU-ETS-Innovationsfonds ein. Die Linzer erwarten eine Entscheidung aus Brüssel für Ende 2021. Es geht dabei um Investitionen in die Stahlwerke in Linz und Donawitz. So muss etwa eine 220-kV-Stromleitung gebaut werden.

Es könnte sehr viel Geld aus Brüssel kommen

Wie aus dem Ministerratsvortrag hervorgeht, liegt der mögliche Unterstützungsrahmen der EU zwischen 250 und 350 Mio. Euro. Zusätzlich werde das Klimaschutzministerium eine Kofinanzierung in Höhe von 50 bis 70 Mio. Euro pro Jahr für die Laufzeit des entsprechenden EU-Fördervehikels ab 2025 für maximal 10 Jahre zur Verfügung stellen.

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"Die klimafreundliche Stahlerzeugung ist ein Meilenstein am Weg zur Dekarbonisierung der Industrie. Ich freue mich, dass die Voestalpine mit ihrem Vorzeigeprojekt vorangeht und befürworte die Einreichung beim ETS-Innovationsfonds der EU. Mit der heute beschlossenen Absichtserklärung sorgen wir dafür, dass wir auch auf nationaler Ebene die Voraussetzungen schaffen, damit dieses Unterfangen glückt und die Voestalpine mit ihrem Projekt erfolgreich Förderungen beantragen kann", sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne).

"Eine weitere signifikante Reduktion der CO2-Emissionen ist nur auf Basis eines radikalen Technologiewandels möglich. Wir haben einen ambitionierten Stufenplan entwickelt, wie wir als Voestalpine unseren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können. Die Umsetzung erfordert jedoch massive Investitionen in neue Technologien, die wir im internationalen Wettbewerb nicht alleine tragen können", erklärte Voestalpine-Vorstandschef Herbert Eibensteiner.

Ein sehr langer Weg bis zur Senkung der enormen Abgasmengen

Zur klimafreundlichen Strahlproduktion ist es für Stahlkocher aber noch ein langer Weg. Auch für die Voestalpine gibt es noch viele Hürden. "Wenn wir einen Elektro-Ofen einschalten, geht in Linz das Licht aus", meinte Eibensteiner selbst voriges Jahr in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Die Voestalpine ist in Österreich für rund zehn Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich.

Mit dem schrittweisen Umstieg auf Elektro-Hochöfen könnten die CO2-Emissionen nach 2030 um etwa ein Drittel, also drei bis vier Millionen Tonnen jährlich, vermindert werden, gibt die Voestalpine an. Langfristig strebt der Konzern an, den Einsatz von grünem Wasserstoff im Stahlerzeugungsprozess sukzessive zu erhöhen und bis 2050 die CO2-Belastung um insgesamt mehr als 80 Prozent zu senken. (apa/red)

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