Luftfahrtindustrie

Michael Tojner: Über Montana Aerospace zu weiteren Zukäufen

Mitten in der größten Krise der Luftfahrt seit Jahrzehnten kündigt der österreichische Investor Michael Tojner den Börsengang von Montana Aerospace an. Der Zulieferer könnte auf einen Börsenwert von einer Milliarde Euro kommen. Die Einnahmen will Tojner in weitere Zukäufe investieren.

Mitten in der größten Luftfahrtkrise seit Jahrzehnten peilt der Zulieferer Montana Aerospace des österreichischen Investors Michael Tojner einen Börsengang an der Schweizer Börse SIX an. Mit dem Erlös aus der Transaktion will das Unternehmen Zukäufe in der vor einer Konsolidierung stehenden Branche finanzieren, wie Montana Aerospace mitteilte. Damit haben sich Berichte von Insidern bestätigt, über die Industriemagazin.at im Februar berichtet hatte. Details: Insider: Michael Tojner will auch Montana Aerospace an die Börse bringen >>

Im Rahmen der von Berenberg, der Zürcher Kantonalbank und der Commerzbank organisierten Transaktion will Montana Aerospace im Verlauf des zweiten Quartals brutto rund 400 Millionen Euro bei Investoren einsammeln. Zwei Großanleger, darunter M&G Investments, hätten sich verpflichtet, Titel im Wert von insgesamt 113 Millionen Euro zu zeichnen.

Ein Zulieferer von Airbus und Boeing

Montana Aerospace beliefert die Flugzeughersteller Airbus und Boeing sowie viele andere mit Bauteilen aus Aluminium, Titan, Verbundwerkstoffen, Stahl und Kupfer, zählt aber auch Autobauer zu seinen Kunden. Experten zufolge könnte die Firma mit rund 4.800 Mitarbeitern auf einen Börsenwert von rund einer Milliarden Euro kommen.

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Angesichts der Coronavirus-Krise sank der Umsatz der Gesellschaft 2020 auf rund 614 Millionen Euro, das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) auf 45 Millionen Euro. Dank eines prall gefüllten Auftragsbuchs rechnet der Börsenkandidat nun aber mit einer Erholung. Zur Montana Aerospace Group gehören neben der Schweizer Traditionsfirma Alu Menziken auch die Bereiche Metal Tech und Asta.

Ein Teil von Montana Tech

Montana Aerospace ist Teil der von Tojner kontrollierten Montana Tech Components Gruppe. Die beiden anderen Divisionen sind die deutsche Batteriehersteller Varta sowie Aluxflexpack. Die Schweizer Firma, die im Juni 2019 an die Schweizer Börse ging, stellt Verpackungen aus Aluminium- und Plastikfolien für die Lebensmittel-und Pharmabranche her. Montana Tech Components will auch nach dem IPO die Mehrheit am Luftfahrt-Zulieferer halten. Aktuell dazu: Michael Tojner: "Montana Tech liefert bestes Ergebnis ihrer Geschichte ab" >>

"Großer Konsolidierungsprozess und massiver Druck von Kunden"

"In der Luft- und Raumfahrtindustrie ist ein großer Konsolidierungsprozess im Gange, mit massivem Druck seitens der Kunden, die Komplexität einer extrem fragmentierten Lieferkette zu reduzieren", sagte Firmenchef Markus Nolte der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl der derzeit Abertausenden von Lieferanten dürfte sich deutlich reduzieren. Die Kunden wollten mit weniger Zulieferern zusammenarbeiten.

Was nach dem Börsengang passieren soll

Rund 60 Prozent des Erlöses aus dem Börsengang sollen in Übernahmen fließen, der Rest in organisches Wachstum, erklärte Finanzchef Michael Pistauer. Montana Aerospace habe gegenwärtig mehrere Ziele rund um den Globus auf dem Radar.

Im Vorjahr hat es Gerüchte gegeben, Tojner plane den Einstieg beim deutschen Airbus-Zulieferer Premium Aerotec mit dem Ziel, eines Tages Premium Aerotec mit Montana Aerospace zu fusionieren. Damals bestätigte ein Sprecher der Montana Tech Gruppe gegenüber INDUSTRIEMAGAZIN Gespräche mit Premium Aerotec, nicht aber Pläne über einen geplanten Einstieg.

INDUSTRIEMAGAZIN dazu:
Michael Tojner könnte eigene Luftfahrtsparte mit Airbus-Tochter zusammenführen >>

Hintergrund zur Gruppe:
Mit Aktien von Varta: Michael Tojner stärkt Montana Aerospace >> 

In der Schweiz herrschte abgesehen von zwei Abspaltungen seit 2020 bei Börsengängen Flaute. Doch inzwischen hat sich das Geschäft belebt. Diese Woche will auch Pharmazulieferer PolyPeptide sein Debüt an der SIX geben. (red mit reuters/apa)

INDUSTRIEMAGAZIN Interview:
"Warum tun Sie sich das an, Herr Tojner?"

Michael Tojner ist Eigentümer einer Industriegruppe mit 7500 Beschäftigten in 20 Werken weltweit - und der Allgemeinheit doch nur als umstrittener Immobilieninvestor bekannt. Was will der Mann mit seinen Industrieunternehmen erreichen - und wie sehr verkomplizieren ihm seine Immo-Deals das Industriegeschäft?

Das sind die Industriebeteiligungen von Michael Tojner

  • Aluflexpack
    Aluminiumverpackung für Nahrungsmittelindustrie (Nestle, Ferrero, etc.)

Produktion/Werke: Kroatien (4), Schweiz, Frankreich
Umsatz: 161 Millionen Euro
Mitarbeiter: rund 60

  • Asta Gruppe
    Energietransmissions-Komponenten (Transformatoren, Generatoren)

Produktion/Werke: Oed, Oberösterreich (Zentrale, Produktion, Vertrieb), Cerquilho (Brasilien), Vadodara (Indien), Baoying (China)
Umsatz (2017, lt. Firmenbuch): 327 Millionen Euro
Mitarbeiter: 911

  • Varta AG
    Mikrobatterien für Kopfhörer (Hearables), Batteriespeichersysteme für Industrie

Produktion/Werke: Ellwangen, Deutschland (Zentrale), Indonesien, Singapur, China, Japan, USA
Umsatz (2018, Eigenangaben):  217 Millionen Euro
Mitarbeiter: rund 226

  • Alu Menziken Gruppe, UAC Gruppe
    Aluminiumprofile und Einbaukomponenten für die Luftfahrtindustrie

Produktion/Werke: Menziken, Schweiz (Zentrale), Ranshofen, Rumänien (4), USA (3)
Umsatz (2017, Eigenangaben):  359 Millionen Euro
Mitarbeiter: rund 3000

  • Alpine Metal Tech
    Spezialmaschinen für die Stahl- und Automobilindustrie

Produktion/Werke: Regau, Oberösterreich (Zentrale), Deutschland, Brasilien, China
Umsatz (2017, Eigenangaben):  88 Millionen Euro
Mitarbeiter: rund 500