Maschinenbau

GE Jenbacher: "Wir können den Verkauf derzeit weder dementieren noch bestätigen"

Die Geschäftsführung von GE Jenbacher hat von den Verkaufsplänen der Konzernmutter aus der Zeitung erfahren. Unter den Mitarbeitern im Werk ist die Verunsicherung groß - das Management hält sich auf Anfrage von INDUSTRIEMAGAZIN bedeckt. Was bedeuten die Verkaufspläne für die erfolgreiche Produktion in Tirol?

Von

Der traditionsreiche Global Player General Electric soll neu aufgestellt werden: Geschäftssparten im Wert von 20 Milliarden Euro - darunter die Gasturbinensparte in Tirol - sollen verkauft werden. 

Bei GE Jenbacher ist man derzeit alles andere als gesprächig. Martin Mühlbacher, Standortleiter bei General Electric (GE) in Tirol, verweist auf Unternehmenssprecherin Kerstin Lienbacher. Diese kann die kursierenden Meldungen „weder dementieren noch bestätigen“. Die Geschäftsführung steht für ein offizielles Statement derzeit nicht zur Verfügung.

Den Stein ins Rollen gebracht hat am vergangenen Sonntag die Nachrichtenagentur Reuters. Unter Berufung auf Insiderquelle berichtet sie, dass sich der US-amerikanische Mischkonzern GE vom Geschäft der Herstellung großer Gasmotoren trennen will. Laut Reuters sei bereits der New Yorker Finanzdienstleister Citigroup beauftragt worden, den Verkaufsprozess vorzubereiten. Hauptsitz und Produktionsstandort dieser Sparte ist das österreichische Tochterunternehmen GE Jenbacher.

„Sogar unsere Geschäftsführung musste diese Nachricht aus der Zeitung erfahren, sagte Arbeiter-Betriebsrat Patrik Tirof gestern in einer ersten Stellungnahme gegenüber INDUSTRIEMAGAZIN. Die Mitarbeiter sind, so heisst es aus dem Unternehmen, über die Informationspolitik des Mutterkonzerns entsetzt. Gerüchteweise ist der Verkauf der Sparte bereits im Vorjahr durch die Medien gegangen, INDUSTRIEMAGAZIN berichtete.

White Paper zum Thema

Trotzdem ist die Verunsicherung jetzt groß: „Wir sind in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewesen. Von 2016 auf 2017 konnten wir sogar ein zweistelliges Umsatzwachstum erzielen“, sagt Lienbacher und verweist darüber hinaus auf eine gute Auftragslage. Bereits am Tag zuvor erklärte Arbeiter-Betriebsrat Patrik Tirof, dass man demnächst 50 neue Mitarbeiter einstellen und auch heuer wieder 30 Lehrlinge ausbilden werde. Von Werksschließung und einer drohenden Kündigungswelle will man in Jenbach nichts hören. „Wir sind Weltmarktführer bei der Herstellung von Gasmotoren und schreiben schwarze Zahlen. Für heuer rechnen wir mit 1500 Neuanlagen. Warum sollte man uns zudrehen?“, sagt Tirof. Die Verunsicherung bei der Belegschaft ist gewaltig. GE Jenbacher ist einer der größten Arbeitgeber Tirols. 1600 Menschen sind hier beschäftigt.

Massive Umsatzeinbrüche

Ganz so rosig, wie man das in Jenbach sieht, läuft es für die Energiesparte von GE freilich nicht. Die auf die Produktion von Gasturbinen spezialisierte GE Power konnte im Vorjahr weltweit lediglich 8,7 Milliarden US-Dollar erlösen, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Der Gewinn brach dabei mit 611 Millionen US-Dollar um mehr als die Hälfte ein. Derlei Ergebnisse seien „völlig inakzeptabel“, erklärte GE-Vorstandschef John Flannery damals gegenüber Analysten. Der Einstand des Managers, er übernahm im August des Vorjahres die Führung des US-amerikanischen Mischkonzerns, war eher ein Fehlstart. Bis auf die Gesundheitssparte und dem Luftfahrtgeschäft fiel der Umsatz in sämtlichen Bereichen. Fazit: General Electric musste zum zweiten Mal nach der großen Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren seine Ausschüttung an die Aktionäre kürzen.

Flannery kündigte damals an, den traditionsreichen Industriekonzern künftig auf jene Sparten zu konzentrieren, von denen er sich das größte Wachstum verspricht: nämlich Luftfahrt, Energie und Gesundheit. GE werde sich daher bis 2020 von Unternehmensteilen im Wert von mehr als 20 Milliarden US-Dollar trennen. Welche das sein werden, ließ Flannery offen.

Dass es jetzt ausgerechnet die erfolgreiche Produktion in Jenbach treffen soll, ist offenbar einem globalen Trend geschuldet. Die Energiewende lässt den Weltmarkt für Gas- und Dampfturbinen schrumpfen. Auch die deutsche Siemens AG hat bereits auf schwindende Umsätze reagiert: 6000 Jobs sollen in der Kraftwerkssparte abgebaut werden.

Die frühere Jenbach AG wurde 2003 von General Electric übernommen. Die Firma GE Jenbacher GmbH & Co OG in Jenbach in Tirol ist im Besitz von General Electric (GE Energy-Gruppe) und ist heute einer der führenden Hersteller von Gasmotoren und Blockheizkraftwerken. GE Jenbacher ging aus den ehemaligen Jenbacher Werken, einem Hersteller von Dieselmotoren und Lokomotiven, gegründet im Jahr 1958, hervor.

Mehr Infos zu GE Jenbacher finden Sie in unserer Datenbank der 250 größten Industrieunternehmen Österreichs.

Lesen Sie auch: GE Jenbacher im Finale des härtesten Produktionswettbewerbs in Österreich.

Verwandte tecfindr-Einträge