Führung

Effektives und verantwortungsvolles Leadership im digitalen Wandel

Die Corona-Pandemie war in vielen Unternehmen der Brandbeschleuniger der Digitalisierung. Forschende haben untersucht, was Entscheider in Unternehmen über die Rolle von Führungskräften in der Digitalen Transformation für die nächsten Jahre erwarten.

Die Formen des hybriden Arbeitens, die vor allem durch die Pandemie große Verbreitung gefunden haben, werden wohl auch in Zukunft bleiben. Schnittstellen zu Kunden, Lieferanten oder anderen Netzwerkpartnern wurden extern immer weiter digitalisiert, um in Kontakt bleiben zu können. Allgemein kann ein Steigen der Durchdringungsgeschwindigkeit der Digitalisierung beobachtet werden. Das eröffnet viele Fragen. Wird Führung bei zunehmender Technisierung des Führungsalltags an Relevanz gewinnen oder verlieren? Muss Führung für das digitale Zeitalter überhaupt neu gedacht werden?

Vor diesem Hintergrund haben Katharina Gilli (Freie Universität Bozen), Nicole Lettner (Johannes Kepler Universität Linz) und Wolfgang H. Güttel (TU Wien) in einer explorativen Delphi-Studie untersucht, was Entscheider in Unternehmen, über die Rolle von Führungskräften in der Digitalen Transformation für die nächsten Jahre erwarten. Dabei wurden drei Themenkomplexe untersucht: Welche Fähigkeiten brauchen Führungskräfte in Zukunft? Wie wirkt sich die zunehmende Digitalisierung auf die Führer-Geführten-
Beziehung aus? Und wie begegnen Unternehmen den Herausforderungen der Digitalisierung?

Dazu wurden rund 50 Personen zu vier Workshops in Bozen und Wien eingeladen, um ihre Sicht der Zukunft darzulegen und diese mit ihren Workshop-Kollegen zu diskutieren. Das Team rund um Wolfgang Güttel hat die Daten aufgezeichnet und im Anschluss als Gesamtbild zusammengefügt. Der Teilnehmerkreis setzt sich aus Vertretern von klein- und mittelständischen Unternehmen sowie Großunternehmen mit mehr oder weniger großem Anteil an Digitalisierung zusammen. 

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Dieses Setting sollte möglichst große Vielfalt in den Zukunftsbildern generieren. Die Ergebnisse überraschten das Forschungsteam aber in ihren Grundannahmen markant. Denn weder die Unternehmensgröße oder der Digitalisierungsgrad führten zu größeren Unterschieden.

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist das Aufrechterhalten der Unternehmenskultur trotz physischer Distanz essentiell. Daher erwarten die Teilnehmer der Delphi-Studie, dass sich im Zuge der weiteren Digitalisierung in Unternehmen bzw. in öffentlichen Organisationen die Bedeutung von effektiver Führung markant erhöht um die „digitale Distanz“ zu überwinden. Dazu gehören besonders die Vorgabe von klaren Zielen sowie eine Ausgestaltung der Rahmenbedingungen um schnellen Wissens- und Informationsfluss im Team zu gewährleisten.

Führung nimmt auch deshalb einen besonders hohen Stellenwert ein, da das Managen von Veränderungen im Zuge der Einführungsprozesse von neuen Technologien als besonders relevant betrachtet wird. Denn Technologien erklären sich in der Regel nicht von selbst und die Herstellung der Technologieakzeptanz bei Mitarbeitern liegt in den Händen der Führungskräfte. Dies drückt sich vor allem darin, dass Führungskräfte offen für Neuerungen sind, die auch weit über dem eigenen Beobachtungsraum liegen (sensing), schnell Entscheidungen treffen, um auf neue Trends zu reagieren (seizing) und Veränderungen konsequent in ihren Teams umsetzen (reconfiguring). Damit werden von ihnen effektive Veränderungsfähigkeiten erwartet, die in der Literatur als Dynamic Managerial Capabilities bezeichnet werden.

"Wir gehen daher davon aus, dass die Qualifizierung von Führungskräften zu Führung und zu Veränderungsmanagement elementar ist und wider Erwarten technologische Fähigkeiten eine weniger bedeutende Rolle auch in Zukunft spielen werden", so die Studienautoren.