Talk-Abbau

Vorwurf der Industriespionage

Die US-Firma Eurogas klagt die Slowakei auf hunderte Millionen Schadenersatz im Streit um die Lizenz-Vergabe bei der größten Talk-Mine Europas. Eurotalc, zur heimischen Schmid Holding gehörend, ist davon ebenfalls betroffen - sie hat die Lizenzen zum Abbau des begehrten Rohstoffes.

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Für Wolfgang Rauball und seine Eurogas ist daran nichts sauber. Er ist überzeugt, dass die Enteignung nicht mit rechten Dingen zugegangen war und beschuldigt Eurotalc der Industriespionage. "Die Firma Eurotalc, vormals VSK-Mining, hat sich beim Bau des 4,2 Kilometer langen Stollens in den Gemerská-Berg mutmaßlich Kenntnisse zunutze gemacht, die mutmaßlich in einer Art Industriespionage aus dem Eigentum der Firma Rozmin gestohlen wurden", erklärt Beier. Diese Schadenersatzklage ruhe momentan aufgrund der Insolvenz Rozmins. "Diese Klage war so abstrus, dass selbst der slowakische Richter gefragt hat: 'Was soll ich damit?'", antwortet Schmid dem INDUSTRIEMAGAZIN auf diese Vorwürfe. 

Auch auf anderer Seite wurde geklagt, nämlich wegen übler Nachrede: "Was online in den Vorwürfen steht ist durchaus gut geschrieben, als Dritter kann man das schnell glauben, weil es sach- und fachkundig klingt", so Schmid. Für die Holdiung sei es schwierig ständig zu betonen, dass das alles nicht wahr sei. "Wir sind ein älterer Familienbetrieb mit einem positiven Ruf, und jetzt gibt es diese Zecke, die ständig Gift spritzt. Wir haben Eurogas Österreich wegen übler Nachrede verklagt. Ein Gerichtsbeschluss verbietet der österreichischen Eurogas solche Vorwürfe - aber dann schreiben sie es eben von Deutschland oder den USA aus", erklärt der Manager. Dabei handle es sich eigentlich um eine Auseinandersetzung zwischen Eurogas und dem slowakischen Staat. 

Internationales Schiedsgericht eingeschalten

Deshalb klagt Eurogas auch vor dem International Centre for Settlement of Investments Disputes der Weltbank in Washington ICSID gegen die Republik Slowakei auf Schadenersatz aus entgangenen Umsätzen des widerrechtlich enteigneten Talkbergwerks. Laut Informationen Beiers summierten sich die entgangenen Umsätze auf mehr als drei Milliarden Dollar. Die nächste Anhörung des ICSID-Schiedsgerichtsverfahren, das unter dem Aktenzeichen ARB/14/14, läuft, wird Ende September 2015 stattfinden, die Entscheidung der drei Schiedsrichter sei spätestens bis Frühjahr 2016 zu erwarten. 

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Talk-Abbau findet statt

Ein weiterer Vorwurf von Eurogas gegen Eurotalc lautet, dass die Firma im slowakischen Bergwerk selbst seit Jahren keinen Talk abbaut. Das dementiert Robert Schmid: "Dort wird Talk abgebaut. Die unterirdische Investition ist fertig, die Obertage-Investitionen, wie etwa Stein-Aufbereitungen, werden Ende 2016 fertig, ab dann läuft der Vollbetrieb. Wir investieren dabei bis zu diesem Zeitpunkt 40 Millionen Euro. Heute wird in kleinem Ausmaß abgebaut, der richtige Industriebetrieb kann erst erfolgen, wenn auch alles im Außenbetrieb steht. Wir würden Schindluder betreiben, würden wir jetzt mehr abbauen - die Mine ist auf Jahrzehnte ausgelegt." 

Nach Angaben von Experten handelt es sich in der Slowakei um eine der größten und reinsten Talk-Vorkommen der Erde. Zudem liege es geografisch sehr günstig. Die Mine befindet sich nur rund 400 Kilometer von Wien. Das weiße Gestein Talk wird in der Industrie gebraucht, beispielsweise zur Herstellung von Kunststoff. So hat etwa jedes Auto etwa 25 bis 30 Kilogramm Talk eingebaut.