Hintergrund

China: Schritt für Schritt für immer mehr Macht in Europa

China kauft Technologiefirmen in Deutschland und Österreich, Ölquellen in Venezuela und Agrarflächen in Afrika. Auch der Südosten Europas ist im Visier: In Griechenland, Kroatien und Serbien kaufen Chinesen Stahlwerke, bauen chinesische Firmen mit chinesischem Geld Kraftwerke und Autobahnen.

An den Industriestandorten in Österreich und Deutschland setzen Firmen aus China ihre aggressive Übernahmepolitik ungebremst fort. Schlagzeilen machte die Übernahme des Augsburger Robotikkonzerns Kuka sowie erst heute die sich anbahnende Übernahme des Autozulieferers Grammer, der unter anderem Volkswagen und Daimler beliefert.

Aktuell dazu:
Management von Grammer befürwortet Übernahme durch Jifeng >>
Kuka produziert mehr in China - Rückgänge in der Automatisierungssparte >> 

Hightech-Firmen in Deutschland und Österreich

Wiederholt sind Warnungen zu hören, dass diese Politik Chinas der Industrie Europa massiv schade - bislang allerdings bleibt es bei Lippenbekenntnissen der europäischen Politik, hier ansässige Betriebe besser zu schützen.

White Paper zum Thema

So haben in der Vergangenheit sowohl Infineon Österreich-Chefin Sabine Herlitschka als auch Brigitte Ederer in ihrer Funktion als Präsidentin des Elektroverbands FEEI dagegen gewarnt - sie sind nicht die einzigen. Das Reich der Mitte habe es zusehends auf mittelständische europäische Unternehmen abgesehen. 2017 berichtete Ederer, sie höre laufend von erfolgreichen Firmen, die Kaufangebote von Chinesen erhielten.

Sabine Herlitschka warnt vor Ausverkauf europäischer Technologien >>
Brigitte Ederer warnt vor Erosion europäischer Schlüsseltechnologien >>
"China kann uns überrollen": Forscher fordern Strategie gegen Firmenübernahmen >>

Strategische Investitionen weltweit

Weltweit kaufen Investoren aus China Ölquellen, Wasserquellen und Agrarflächen auf. Zuletzt dazu: China pumpt Milliarden in die Erdölindustrie Venezuelas >>

Infrastruktur im Süden und Osten Europas im Visier

China hat in den vergangenen Jahren viele Milliarden Euro in die Infrastruktur Ost- und Südosteuropas investiert. Streng genommen handelt es sich gar nicht um Investitionen, weil die Projekte in der Regel mit chinesischen Krediten durch chinesische Firmen durchgeführt werden.

Serbien: Stahlwerk und Autobahnen

Vor allem in Serbien wurden Infrastrukturprojekte angeschoben: Das größte Stahlwerk in Smederevo wurde vom chinesischen Stahlriesen HBIS übernommen. Zuletzt dazu: Chinesen drängen Serbiens Stahlwerk Smederevo zu höherer Produktion >>

Ungarn: Milliardenschwerer Bahnbau

Arbeiter aus China modernisieren Kraftwerke oder bauen Brücken und Autobahnen. Das Ende letzten Jahres gestartete größte Vorhaben ist der Neubau der Eisenbahn zwischen Belgrad und Budapest mit einem Auftragswert von 3,7 Milliarden Euro. Heute dazu: Bahnbau: Auf dem Balkan kommen wieder chinesische Firmen zum Zug >>

Griechenland: Hafen von Piräus in chinesischer Hand

In Griechenland hat der chinesische Reederei-Konzern Cosco knapp 70 Prozent des Hafens in Piräus für 40 Jahre gepachtet. Dafür wurden fast 370 Millionen Euro lockergemacht, 350 weitere Millionen sollen investiert werden. Piräus ist die Drehscheibe für die geplante "Neue Seidenstraße" in dieser Region. Von hier gehen die chinesischen Exporte per Bahn nach Osteuropa.

Kroatien: Chinesen bauen strategisch wichtige Brücke

Ein besonderer Coup ist China in Kroatien gelungen. Anfang dieses Jahres erhielt eine Staatsfirma den Zuschlag zum Bau einer strategisch wichtigen Brücke im Süden des Landes.

Zahlreiche große europäische Unternehmen gingen leer aus. Der österreichische Baukonzern Strabag berichtet über "ungewöhnlich niedrige Preise" im chinesischen Angebot und hat gerade eine Beschwerde bei  der EU-Kommission über unlauteren Wettbewerb eingelegt.

Besonders bitter: Von den insgesamt 420 Millionen Euro an Baukosten kommen rund 350 Millionen von der EU, die dieses Geld wiederum von den Geberländern bezieht - also auch aus Österreich.

(red mit dpa/apa)

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