Klimawandel

Aufgeheizte Flüsse, fehlendes Kühlwasser: Klimawandel sorgt für massiven Anstieg der Strompreise

Der Klimawandel kommt viel schneller und stärker als befürchtet: In ganz Europa sind die Flüsse aufgeheizt und bei Kraftwerkbetreibern wird das Kühlwasser knapp. Der Strompreis für Großabnehmer hat sich allein im Juli fast verdoppelt.

Wegen der anhaltenden Hitze müssen erste Kraftwerke in Deutschland die Leistung drosseln. Darunter seien ein Block des Rheinhafen-Dampfkraftwerks in Karlsruhe im Bundesland Baden-Württemberg und das Werk Bergkamen in Nordrhein-Westfalen, wie die Zeitung "Die Welt" berichtet.

Massiver Anstieg der Strompreise

Am Spotmarkt der Leipziger Energiebörse European Energy Exchange (EEX) hat sich dem Bericht zufolge der Preis für eine Megawattstunde seit Monatsbeginn nahezu verdoppelt und ist von knapp 35 auf fast 60 Euro angestiegen.

Österreichs größter Stromversorger Verbund rechnet mit weiter steigenden Strompreisen - dies sei "wie erwartet eingetreten", so Konzernchef Wolfgang Anzengruber bei der Vorstellung der Ergebnisse. Aber das enorme Ausmaß sei überraschend.

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Kühlwasser in ganz Europa wird knapp

Atom- und Kohlekraftwerke sind auf Kühlwasser aus Flüssen angewiesen. Das wird langsam knapp. Wegen des warmen Flusswassers dürfen die Kraftwerke teils nicht mehr die üblichen Kühlwassermengen einleiten.

Der Essener Kraftwerksbetreiber Steag hat die Leistung seines Steinkohlekraftwerks in Bergkamen im Ruhrgebiet heruntergefahren, weil die Außentemperaturen so hoch sind, dass die Anlage nicht mehr ausreichend gekühlt und deshalb nicht mit Volllast betrieben werden könne, bestätigte ein Sprecher.

Die Leistung des Kraftwerks wurde zunächst um 150 Megawatt verringert, für Freitag hat Steag eine Reduzierung von 200 Megawatt an die Strombörse EEX gemeldet. Auch beim Uniper-Kraftwerk in Wilhelmshaven wurde nach Informationen aus Marktkreisen die Leistung hitzebedingt gedrosselt.

Auch das Atomkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brokdorf könnte demnach bald von Leistungseinschränkungen betroffen sein, heißt es im Welt"-Bericht. Die Elbe habe momentan eine Temperatur von 23 Grad Celsius. Werde diese Grenze überschritten, müsse der wasserrechtlichen Einleiteerlaubnis zufolge eine schrittweise Lastabsenkung des Reaktors erfolgen.

Ähnliches Ungemach drohe demnächst an vielen deutschen und europäischen Kraftwerksstandorten, wenn Trockenheit und Höchsttemperaturen so bleiben wie vorhergesagt.

Massive Probleme auch in Vorarlberg, der Schweiz, Frankreich und Skandinavien

In der Elbe, der Weser und dem Neckar sowie in der Schweizer Aare und der Loire in Frankreich näherten sich die Temperaturen schnell einem Niveau, ab dem Kraftwerke nicht mehr uneingeschränkt Kühlwasser aus den Flüssen entnehmen könnten, zitierte das Fachportal "Montel" Robin Girmes von der Agentur "EnergyWeather". So würden an einzelnen Messstellen an der deutsch-niederländischen Grenze bereits Wassertemperaturen von 25 Grad Celsius gemessen. "Wenn das über 26 Grad geht - und das ist nur eine Frage von zwei bis drei Tagen - dann kommt es zu massiven Einschränkungen in den Beneluxländern."

Kraftwerksbetreiber und Aufsichtsbehörden ließen deshalb die Thermometer nicht mehr aus den Augen. Wenn sich zum Beispiel der Rhein so erwärmt wie prognostiziert, müsste das Großkraftwerk Mannheim in der kommenden Woche seine Leistung von 2.000 Megawatt um 60 Prozent reduzieren, bestätigte Kraftwerkssprecher Thomas Schmidt der Zeitung.

Ernste Versorgungsengpässe oder kritische Situationen seien in den nächsten Tagen aber nicht zu erwarten, hieß es beim Dienstleister TSCNET Service in München. Die Situation werde täglich neu bewertet. Das Gemeinschaftsunternehmen großer europäischer Netzbetreiber übernimmt Aufgaben bei der Netz- und Versorgungssteuerung.

Angespannte Lage an der Grenze zu Österreich

In dem mit Kraftwerken strukturell unterversorgten Süddeutschland könnte laut "Welt" aber eine angespannte Versorgungslage blühen. Deshalb habe das Großkraftwerk Mannheim bereits bei der Landesregierung vorsorglich beantragt, trotz eventueller Erwärmung des Rhein-Wassers auf über 28 Grad zumindest noch den neusten Kraftwerksblock 9 mit rund 900 Megawatt Leistung weiter am Netz zu lassen.

Der sinkende Wasserstand auf den Flüssen in Deutschland könnte auch die Belieferung von Kohlekraftwerken beeinträchtigen, da die Schiffe nicht mehr wie gewohnt beladen werden können. Der Energieversorger RWE meldete vorsorglich, dass sein Kraftwerk in Hamm betroffen sein könnte. Die Produktion sei nicht beeinträchtigt, sagte ein Sprecher. Das Großkraftwerk, das 3,2 Millionen Menschen mit Strom versorgt, wird vorrangig über den Datteln-Hamm-Kanal beliefert. Es hat aber auch einen Anschluss an das Schienennetz.

Norwegen muss wegen Dürre Strom importieren - in Schweden brennen Felder

Sollte sich die Hitzewelle weiter ausbreiten, könnte Norddeutschland jedenfalls nicht auf Ersatz durch skandinavische Stromlieferungen hoffen: Laut "Welt" führen die norwegischen Wasserkraftwerke wegen der Dürre kaum noch Wasser, was Norwegen jüngst selbst zum Stromimporteur gemacht habe. In mehreren Regionen Deutschlands und Schwedens brennen derzeit die Felder >>

(AFP/dpa-AFX/APA/red)

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