Strategisch werden die Ventures des LIH mit Unterstützung eines „Internal Angels“ vorangetrieben. „Diese Entwicklung ist ein direktes Ergebnis unserer Lernkurve“, sagt Weymar. In der Anfangsphase wurden viele Projekte ohne Rückkopplung zum Mutterkonzern angestoßen – hier waren die Erfolge ambivalent. Heute ist klar: Durch Einbindung interner Stakeholder entstehen tragfähige, skalierbare Ventures. „Internal Angels“ werden aus dem Konzern für Ventures gewonnen und bringen sich als Sparringspartner, Förderer und Türöffner ein. Die internen Sponsoren sorgen auch für Zugang zu Assets, wie beispielsweise dem Newsletter der Lufthansa Group.
Erfolg wird am Impact gemessen
Individuelle KPIs und datenbasierte Erfolgsmessung der betriebenen Ventures sind das Erfolgsgeheimnis des LHI. Die Wirksamkeit der Initiativen wird unter anderem an dem kommerziellen Impact gemessen, der für die Lufthansa Group generiert wird. Dazu zählen inkrementelle Erlöse ebenso wie Kostenreduktionen und Innovationsbeiträge zum Kerngeschäft. Neben dem kommerziellen Impact geht es auch darum, Ausgründungen zu vollziehen: eigenständige GmbHs mit Beteiligung der Lufthansa, die idealerweise das Potenzial haben, sich am Markt durchzusetzen – im besten Fall bis zum Unicorn. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Ausgründung ist etwa der Serviceprovider Cosmos. Das Start-up nutzt Technologien wie Machine Learning, um kontinuierliche Serviceverbesserungen voranzutreiben und Verzögerungen, die durch ineffiziente Prozesse verursacht werden, zu beheben. Eine weitere Ausgründung ist SQUAKE, ein Climate-Tech-Start-up, das Unternehmen dabei unterstützt, CO₂-Emissionen in den Bereichen Travel, Logistik und Mobilität automatisiert zu berechnen und klimawirksam zu kompensieren.
Vielfalt der Innovationsvehikel
Strategisch durchdacht und methodisch breit aufgestellt zeigt sich die Innovationslandschaft des Logistikunternehmens DB Schenker. „Wir sehen eine klare Trennung zwischen der Optimierung bestehender Geschäftsmodelle und dem Aufbau neuer, zukunftsweisender Geschäftsfelder“, sagt Tobias Ledermann, Head of Venture Building bei DB Schenker. Entsprechend unterschiedlich sind die Innovationsstrukturen, die zum Einsatz kommen. Im Unterschied zu klassischen Innovationsformaten wie Labs oder internen Venture-Projekten setzt das Venture Studio von DB Schenker bewusst auf einen marktorientierten Aufbau von Geschäftsmodellen.
„Nur was den Markt und insbesondere externe Investoren überzeugt, wird im Venture Studio weiterentwickelt“, erklärt Ledermann. Die Voraussetzung, externe Investor:innen zu gewinnen, verändert den Prozess von Beginn an: Geschäftsmodelle müssen strukturell tragfähig und skalierbar sein. „Man trifft von der ersten Stunde an ganz andere strukturelle Entscheidungen, weil man weiß, man muss gewissen Kriterien entsprechen, um überhaupt eine Chance auf Finanzierung zu haben“, so Ledermann.
Strategieentscheidung Gründerauswahl
Vor diesem Hintergrund werden andere Gründerpersönlichkeiten angesprochen, die den hohen Anforderungen externer Investor:innen gewachsen sind. „Für unsere Ventures kommen ausschließlich Top-Profile infrage“, sagt Tobias Ledermann. Denn nur diese hätten ausreichende Erfolgschancen bei den anstehenden Finanzierungsrunden. Anders als im klassischen Corporate Venture Building halten diese Gründer:innen überwiegend die Mehrheit am Unternehmen. „Damit schaffen wir starke Anreizmodelle und gewinnen attraktive Profile“, betont Ledermann. Von Beginn an werden dadurch unternehmerische Akzente gesetzt, die sich später in einer deutlich höheren Marktfähigkeit niederschlagen.
Und wenn ein Vorhaben diese Anforderungen nicht erfüllt? „Dann greift der Filter sehr früh – und das ist auch richtig so“, so Ledermann, mindestens die Hälfte aller Ventures ändert in der Entwicklungsphase ihre Inhalte, um dann zum Erfolg zu kommen. Beispiele für Ventures aus dem DB Schenker Venture Studio zeigen die Bandbreite und Marktnähe der entwickelten Geschäftsmodelle: Das LogTech-Start-up Northbound verbessert die Steuerung von Containern entlang der Inbound-Logistikkette, insbesondere zwischen Seehäfen und Lagerhäusern, um Transportwege effizienter und transparenter zu gestalten. RELI berücksichtigt „Echtzeit Risiken“ und bietet so innovative, datengetriebene Versicherungslösungen für den Landverkehr. NxtLog, aus der internen Venture Building Einheit, unterstützt Unternehmen bei der aktiven Auswertung, Steuerung und Reduktion ihrer Transportemissionen.