Diese Entwicklung ist auch den Verantwortlichen in den Sicherheitsabteilungen der Unternehmen bewusst. Laut „Cybercrime Trends Report 2025“ von SoSafe, einer Plattform für Security Awareness und Human Risk Management, erwarten 91 Prozent dieser Sicherheitsexperten in den kommenden Jahren einen drastischen Anstieg der KI-gestützten Angriffe. Aber nur 26 Prozent der Unternehmen fühlen sich dafür gerüstet. „KI skaliert die Geschwindigkeit und Raffinesse von Cyberangriffen in einem nie dagewesenen Ausmaß. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Verteidigungsstrategien mit dieser Entwicklung Schritt halten“, mahnt denn auch Andrew Rose, Chief Security Officer bei SoSafe.
Zugangshandel im Darknet boomt
Die Arbeitsteilung unter Cyberkriminellen wird unterdessen immer ausgeprägter. Wer Zugriff auf Unternehmenssysteme erlangen möchte, muss sich längst nicht mehr selbst darum bemühen. Access Broker bieten auf Marktplätzen Zugänge zu kompromittierten Systemen an – ein Geschäftsmodell, das boomt. Laut dem CrowdStrike Global Threat Report 2025 stieg das Angebot solcher Zugangsdaten im Jahr 2024 um fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Report dokumentiert einen weiteren Trend: Danach nutzen Cybergangster immer öfter statt Schadsoftware legitime Remote-Management-and-Monitoring-Tools (RMM), um auf das System eines Opfers zuzugreifen. Crowdstrike nennt das eine interaktive Angriffstechnik. Diese Technik, bei der das Verhalten legitimer Nutzer simuliert wird, ist besonders schwer zu erkennen. Keine Wunder also, dass die Anzahl von solchen Angriffen wächst: CrowdStrike verzeichnete 2024 einen Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch klassische Malware bleibt gefährlich
Trotz aller neuen Taktiken bleibt auch konventionelle Malware eine ernstzunehmende Bedrohung. Laut Netskope stießen monatlich 1,4 von 100 Mitarbeitenden auf bösartige Inhalte im Web oder in der Cloud. Besonders häufig: JavaScript-basierte Trojaner.
Der Global Threat Index von Check Point ist eine Art Hitparade für Schadsoftware weltweit. Im März 2025 listete er „FakeUpdates“ als Top-Bedrohung – eine Downloader-Malware, die über Drive-by-Downloads verbreitet wird. Dicht gefolgt vom Botnetz „Androxgh0st“, das plattformübergreifend operiert.
Aber auch Schadsoftware braucht niemand mehr selbst programmieren. KIs übernehmen auch diesen Job – obwohl Schutzmechanismen in die Modelle integriert sein sollten, um genau das zu verhindern. Wie leicht sich diese Schutzbarrieren umgehen lassen, zeigte ein Experiment von Cato Networks: Ein Sicherheitsforscher versetzte mehrere KI-Modelle (darunter ChatGPT, Copilot und Deepseek) in ein fiktives Szenario, in dem rechtliche Grenzen nicht existieren. Die KIs entwickelten daraufhin problemlos funktionsfähige Malware.