Goldbeck-Rhomberg-Geschäftsführer Vallaster : „Wir haben die erste DGNB-Platin-Zertifizierung erreicht“

Goldbeck-Rhomberg-Österreich-Chef Georg Vallaster
© Jens Ellensohn Fotografie

Der Auftragseingang bei Goldbeck Rhomberg ist gegen den Markttrend gestiegen. Können Sie das einordnen?
Georg Vallaster Wir bearbeiten zwei Länder, Österreich und die Schweiz – und der hohe Auftragseingang ist dieses Mal eindeutig der Schweiz zuzuordnen. In Österreich ist er sinkend. Und in der Schweiz kommt zusätzlich das Phänomen dazu, dass Aufträge lange vor dem Bau vergeben werden. Das heißt, im Auftragseingang sind Aufträge dabei, die erst 2028 gebaut werden. 

Die Situation in Österreich ist nach wie vor verhalten?
Wir stellen fest, dass unsere Kunden keinen Bedarf haben. Die produzierende Industrie verkauft zu wenig, das heißt, sie bauen auch nicht. Im Logistikbereich ist es ganz ähnlich. Es gibt eine Leerstandsquote, es gibt Projekte, aber es gibt keine Mieter. Somit wird auch nicht gebaut.

Wann rechnen Sie mit einem Aufschwung? 
Der ist noch weit weg. Der Bau ist klassisch ein Spätzykliker, das heißt wenn die Krise beginnt, können wir die ersten zwei Jahre noch alte Aufträge abarbeiten. Aber in dieser Zeit werden keine Bauentscheidungen getroffen. Wenn die Krise beim Großteil schon vorbei ist, beginnt sie im Prinzip beim Bau erst richtig. Grundsätzlich kommen solche Krisen aber zyklisch immer wieder, daher können wir auch damit umgehen. Aber es ist anstrengend.

Wie geht Goldbeck Rhomberg damit um? Kann die Schweiz das ausgleichen?
Zum Teil. Wir versuchen uns breit aufzustellen - wir haben etwa mit einem neuen Produkt wie Wohnbau begonnen. Das ist momentan natürlich auch ein sehr schwieriger Markt. Man muss versuchen, an die wenigen Aufträge zu kommen und es besser zu machen als andere.

Wie können Sie sich unterscheiden?
Wir bieten eine sehr hohe Qualität. Wir sind in der Planung und in Sachen Nachhaltigkeit schon seit Jahren führend, und durch die Spezialisierung auf unsere Produkte können wir diese Dinge jetzt auch kostengünstig so attraktiv anbieten, dass wir auch in schwierigen Zeiten Aufträge bekommen. Das nagt aber natürlich an der Marge.

Stichwort Nachhaltigkeit: Beim Logistikzentrum von Gebrüder Weiss haben Sie zum ersten Mal CO2-reduzierten Beton verwendet. Wie nachhaltig ist er tatsächlich?
Das spezielle Verfahren, das wir aber nur in unseren eigenen Fertigteilwerken einsetzen können, verursacht keinen Mehrpreis – und der CO2-Fußabdruck ist im Vergleich zu normalem Beton um 35 Prozent reduziert. Das ist ein großer Mehrwert.

Was haben Sie konkret für Gebrüder Weiss umgesetzt? 
Der Bau umfasst ein vollautomatisches Hochregallager mit 68.000 Stellplätzen und Hallen für den Versand. Ein Highlight ist außerdem ein Bürogebäude mit über 400 Arbeitsplätzen, wo auch die gesamte IT von Gebrüder Weiss an einem Standort gebündelt wird. 

Was war das Besondere an diesem Logistikzentrum?
Es gab ein relativ aufwendiges Genehmigungsverfahren, das die Gemeinde in diesem Industriegebiet vorgeschrieben hat – mit einem Architekturwettbewerb für die Fassaden- und Außenanlagengestaltung. Daraus ist ein sehr hochwertiges Gebäude in einem hochwertigen Industriegebiet entstanden.

Wie nachhaltig ist das neue Logistikzentrum von Gebrüder Weiss?
Es ist DGNB Gold zertifiziert. Am Dach des Versandlagers gibt es große Bereiche mit intensiver Begrünung für die Mitarbeiter, die dort ihre Ruheräume, ihre Aufenthaltsräume haben. Das ist wirklich toll gestaltet. Auf dem Dach des Lagers haben wir Photovoltaik-Flächen, und auf dem Bürogebäude befindet sich klassische, extensive Begrünung, die für Retentionszwecke von Regenwasser verwendet wird.

Ist die Zertifizierung mit DGNB-Gold mittlerweile Standard?
Goldzertifizierungen sind sehr häufig. Mit der Logistik-Immobilie für DLH in Gattendorf haben wir außerdem das erste Mal eine DGNB-Platin-Zertifizierung erreicht. Für eine Logistik-Immobilie in Wien für Fiege haben wir die EU-Taxonomie-Zertifizierung bekommen. Es geht also schon auch in verschiedene Richtungen.

Goldbeck Rhomberg hat für das Logistikzentrum für Fiege die EU-Taxonomie-Zertifizierung erhalten.

- © Goldbeck Rhomberg

Wo sind die Unterschiede zwischen der EU-Taxonomie-Zertifizierung und Platin oder Gold?
Die Zertifizierungen sind schwierig vergleichbar. Sie haben einen ähnlichen Hintergrund, aber es gelten andere Kriterien. Die EU-Taxonomie während des Baus bekomme ich zum Beispiel nicht, wenn ich in Österreich auf die grüne Wiese baue, sondern nur, wenn ich ein Brownfield-Projekt habe. Das wird bei der DGNB-Zertifizierung nicht berücksichtigt. Da geht es eher um Betriebskosten, um Energieverbrauch und teilweise um soziale Themen. 

Welche Besonderheiten hat die EU-Taxonomie?
Es ist ein EU-Gesetz, das in der ganzen EU gleich sein sollte. Wir stellen aber fest, dass das nicht so ist. In Österreich wird es so ausgelegt, dass die EU-Taxonomie mit dem Bau auf der grünen Wiese nicht möglich ist. In Deutschland aber ist sie möglich, wenn das Grundstück gewidmet ist. Das heißt das EU-Gesetz wird in zwei Ländern der EU unterschiedlich gehandhabt. Wenn sich der politische Wille durch eine neue Regierung in einem Land dreht, hat das massive Auswirkungen auf die Politik. Das trifft uns zwar nicht direkt, aber die Bauherren und Investoren. Es kann also gut sein, dass Investitionsentscheidungen damals auf einer anderen Basis getroffen wurden.

Ist die Platin-Zertifizierung für Gattendorf die erste in Österreich? Was macht sie aus?
Das war meines Wissens die erste. Dort hat man deutlich mehr in Nachhaltigkeit investiert: Das Gebäude wird etwa mit Biomasse beheizt. Außerdem muss nachweislich ein hoher Prozentsatz Baustellenmüll recycelt werden. Es muss stärker gedämmt sein, und man ist in der Materialauswahl eingeschränkt. Es sind die gleichen Kriterien wie bei der Gold-Zertifizierung, nur viel strenger ausgelegt.

Photovoltaikanlagen sind mittlerweile state of the art bei Neubauten, oder?
Ja. Wobei wir hier auch mehrfach Probleme spüren, weil die Netzleistung nicht verfügbar ist und die geplante Photovoltaikanlage deshalb nicht umgesetzt werden kann. Wenn nun die angekündigten Gesetzesänderungen kommen sollten, wird es noch einmal schwieriger. Die Einspeisetarife sind inzwischen sehr niedrig, und zukünftig sollen auch Netzentgelte verrechnet werden. Gleichzeitig sind wir in Österreich, was den Strom betrifft, sozusagen auf der Insel der Seligen. Unsere Kollegen in Holland haben Aufträge, können aber nicht beginnen zu bauen, weil die Stromversorgung nicht gesichert ist. Dort gehen Gebäude teilweise mit Dieselgeneratoren in Betrieb, weil kein Strom da ist.

Welche Logistikprojekte hat Goldbeck Rhomberg in letzter Zeit noch umgesetzt bzw. befinden sich im Bau?
Von den ganz Großen ist das von Gebrüder Weiss das letzte, das wird Ende 2025 fertig. Die DLH-Projekte sind alle fertig gebaut. Es gibt Projekte, aber es fehlen die Mieter. Der Standard in Europa ist im Vergleich zu anderen Ländern auch sehr hoch, die produzierende Industrie in Europa hat damit im weltweiten Vergleich einen Kostennachteil. Diesen Spagat zu schaffen ist extrem schwierig. Wir müssen darauf achten, dass wir als Innovationsführer die Kosten möglichst klein halten.